Ein Atlas der Menschenaffen

Kategorien: Ausgabe 72, Bestandsaufnahme, Östliche Gorillas, Westliche Gorillas

Orte, von denen die Daten zu Gorillas stammen, die bisher im APES Atlas ausgewertet wurden

Der 2018 gegründete APES Atlas hat das Ziel, Informationen über Menschenaffen zu bündeln. Es handelt sich um eine frei zugängliche Plattform, die standortbezogene Daten zum Bestand der Tiere, zu Bedrohungen und zu Forschungsaktivitäten bereitstellt. Zu den Standorten gehören ausgewiesene Schutzregionen, aber auch nicht geschützte Bereiche wie Konzessionsgebiete und gemeindeeigene Wälder. Die Daten stammen aus wissenschaftlichen Publikationen und anderen Quellen, sie werden standardisiert erfasst und regelmäßig aktualisiert, sodass generelle Einordnungen möglich sind, etwa für die Rote Liste der IUCN. Außerdem werden langfristige Trends bezüglich Populationsgrößen, Bedrohungen und Schutzmaßnahmen ersichtlich.

Damit liefert der Atlas eine solide evidenzbasierte Grundlage für Entscheidungen. Mit Beiträgen von mehr als 70 Experten deckt er über 350 Standorte weltweit ab, darunter 70 (Stand: Januar 2026), an denen Gorillas leben. Folgende Bedrohungen und Schutzmaßnahmen wurden zwischen 2015 und 2025 für diese Standorte gemeldet: Die Unterarten Cross-River-, Berg- und Grauergorilla haben relativ kleine, klar abgegrenzte Verbreitungsgebiete, sodass sehr detaillierte Einschätzungen möglich sind. Für die Westlichen Flachlandgorillas mit ihrem großen Verbreitungsgebiet lassen sich eher zusammenfassende als standortbezogene Aussagen machen.

Bei den Bedrohungen rangiert die Jagd an erster Stelle, gefolgt von Abholzung, Landwirtschaft und Abbau von Bodenschätzen. Ferner spielen Krankheiten und Infrastrukturentwicklung eine Rolle. Die Faktoren können sich gegenseitig verstärken, wenn beispielsweise abgelegene Wälder zugänglich werden, was zu Lebensraumverlust und vermehrter Wilderei führt.

Die Bedeutung der Bedrohungen variiert je nach Taxon. So sind die Berggorillapopulationen, deren Umfeld stark von Menschen besiedelt ist, größeren Belastungen ausgesetzt. Das Risiko der Krankheitsübertragung ist hoch, ebenso Störungen durch menschliche Aktivitäten und bewaffnete Konflikte. Die Grauergorillas dagegen sind vor allem durch den Abbau von Bodenschätzen bedroht, der teils von Milizen kontrolliert wird, die zudem jagen und illegal mit Wildfleisch handeln. Die Cross-River-Gorillas wiederum sind in erster Linie durch Jagd, Holzeinschlag, Landwirtschaft und das Sammeln von Waldprodukten gefährdet.

Zu den gängigen Schutzmaßnahmen zählen die Eindämmung der Wilderei (mittels Patrouillen, Entfernen von Schlingen, Überwachung der Wildfleischmärkte), das Einrichten von Schutzgebieten sowie Bildungs- und Sensibilisierungsinitiativen.

Obwohl die Landwirtschaft als große Bedrohung gilt, liegen nur von wenigen Gorillastandorten Berichte über Maßnahmen vor, die Gorillas von Feldern fernhalten bzw. die landwirtschaftlichen Aktivitäten in andere Gebiete verlegen sollen. Das bedeutet jedoch nicht, dass solche Maßnahmen wirkungslos wären. Von den Berggorillas etwa wird berichtet, dass sie zusammen mit veterinärmedizinischer Betreuung und täglichem Monitoring einen wesentlichen Beitrag zur Erholung des Bestands geleistet haben.

Daten für das gesamte Verbreitungsgebiet der Gorillas zu sammeln bereitet Probleme, weil manche Populationen in entlegenen Regionen leben, für die logistische Einschränkungen und Sicherheitsbedenken gelten. Auch Wilderei, illegaler Holzeinschlag, Abbau von Bodenschätzen und zivile Konflikte erschweren die Datenerhebung, insbesondere dort, wo kein kontinuierliches Monitoring möglich ist. Folglich weist der APES Atlas räumliche und zeitliche Datenlücken auf. Dennoch stellt er die derzeit wichtigste Quelle für die Ermittlung von Bedrohungen dar, ebenso für die Planung von Gegenmaßnahmen. Sind die Verbreitungsgebiete klein und die Populationen isoliert, kann der Atlas die Planung von Schutzmaßnahmen unterstützen; bei ausgedehnten Gebieten lassen sich Priorisierungen vornehmen.

Der APES Atlas soll ständig mit neuen Informationen ergänzt werden, also weitere Daten zusammentragen und die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und Praktikern fördern. Darum ist es wichtig, dass diese ihre Erkenntnisse und Erfahrungen hinzufügen. Wir bitten alle im Gorillaschutz Aktiven, sich mit dem Atlas zu beschäftigen und ihn laufend zu ergänzen, damit er sich zu einem noch effizienteren Werkzeug entwickelt. Nicht zuletzt erhöht dies auch die Sichtbarkeit ihrer Arbeit.

Isabel Ordaz-Nemeth und Aime Mizero Bazina

Website des APES Atlas