Das Itombwe-Reservat: ein Juwel
Kategorien: Ausgabe 72, Gefahren, D. R. Kongo, Itombwe, Grauergorillas
Das Itombwe-Naturreservat im Osten der Demokratischen Republik Kongo beherbergt eine einzigartige Flora und Fauna, darunter zahlreiche endemische und bedrohte Arten. Das Reservat wurde 2006 gegründet und umfasst einen großen Teil des Itombwe-Massivs mit einer Fläche von 12 000 km². Der zentrale Teil (6500 km²) erreicht Höhen bis zu 3700 m, gehört zu den artenreichsten Gebieten Afrikas und umfasst mehrere außergewöhnliche Lebensräume wie Bambuswälder, Heidegebiete, feuchte Übergangszonen, baumreiche Savanne und dichten Wald. Im Itombwe-Naturreservat leben z. B. wichtige Populationen der vom Aussterben bedrohten Östlichen Schimpansen und Grauergorillas.
Aufgrund zahlreicher Kriege und ethnischer Konflikte ist die Region geopolitisch instabil. Die Bedrohungen für die Biodiversität des Itombwe-Naturreservats sind vielfältig: illegale Abholzung für Landwirtschaft oder zur Holzkohlegewinnung, Wilderei, Abbau von Bodenschätzen innerhalb des Schutzgebiets und halbindustrieller Bergbau in den angrenzenden Gebieten, Entstehung neuer Ansiedlungen im Reservat.
Trotz der Bedrohungen gibt es zahlreiche lokale und internationale Akteure, die sich für den Erhalt des Itombwe-Reservats engagieren, darunter Organisationen lokaler Gemeinden wie die NGO Eco-Citoyen, die sich für den Schutz der Menschenaffen einsetzt und Maßnahmen zur Umweltbildung durchführt. Aber auch die lokale Bevölkerung beteiligt sich mit Gemeinschaftspatrouillen. Die Berggorilla & Regenwald Direkthilfe stellt die finanziellen Mittel zur Unterstützung der Wildhüter und für den Kauf von Ausrüstung für die Patrouillen sowie für lokale Entwicklungsprojekte. Forscher dokumentieren im Rahmen der Möglichkeiten die Biodiversität und suchen nach nachhaltigen Lösungen für die Probleme.
Itombwe und der Klimawandel
Kohlenstoffspeicherung: Die Wälder von Itombwe nehmen CO2 auf und speichern es in ihrer Biomasse. Dies macht sie zu einer leistungsstarken Kohlenstoffsenke, die Auswirkungen der globalen Erwärmung abmildern kann. Das Potenzial zur Kohlenstoffspeicherung lässt sich auf Grundlage der Fläche und der Dichte der Wälder abschätzen. Ein tropischer Regenwald kann je nach Dichte und Zustand zwischen 150 und 300 Tonnen Kohlenstoff je Hektar speichern. Geht man von einer Speicherkapazität von 225 Tonnen Kohlenstoff je Hektar aus, so ergibt sich eine geschätzte mittlere Kohlenstoffbindung von 129 Millionen Tonnen Kohlenstoff, die vom Itombwe-Reservat gespeichert werden können.
Schutz vor Naturkatastrophen: Die Waldökosysteme des Itombwe-Massivs wirken als ökologische Puffer, stabilisieren die Böden und regulieren den Wasserkreislauf. Sie verringern so das durch den Klimawandel steigende Risiko von Erosion, Überschwemmungen und Erdrutschen.
Resilienz des Ökosystems: Das Reservat beherbergt endemische Arten wie Grauergorillas und andere Leitarten wie Schimpansen und Büffel, die Indikatoren für die Gesundheit des Ökosystems sind. Eine reiche Biodiversität fördert die ökologische Resilienz, d. h. die Fähigkeit des Ökosystems, sich an klimatische Störungen anzupassen.
Unterstützung lokaler Gemeinden: Die Wälder von Itombwe versorgen die Anrainerbevölkerung mit lebenswichtigen Ressourcen wie Wasser, Heilpflanzen und Holz. Der Schutz des Reservats würde diese Versorgung sichern, sofern die Bewirtschaftung nachhaltig erfolgt.
- Durch seine Artenvielfalt und die einzigartige Landschaft wäre das Itombwe-Reservat ideal für Tourismus. Dadurch könnten Einnahmen durch Eintrittsgelder und Dienstleistungen generiert werden. Voraussetzung dafür wäre aber eine stabile Sicherheitslage.
- Die Verwaltung des Naturreservats bietet Arbeitsplätze für unterschiedliche Berufsgruppen. Gebraucht werden zum Beispiel Wildhüter, Wissenschaftler, Handwerker und Mitarbeiter zur Durchführung der Patrouillen.
- Durch eine nachhaltige Nutzung der Ressourcen des Reservats wie Fischerei, Sammeln von Waldprodukten (kein Holz) oder handwerklichen Abbau von Bodenschätzen können die Gemeinden profitieren, ohne dass das Reservat zerstört wird.
- Durch internationale Spenden erhält das Reservat auch Mittel, mit denen Schulen und Gesundheitszentren gebaut sowie Landwirtschaft und Viehzucht gefördert und weitere Verdienstmöglichkeiten unterstützt werden können.
- Das Reservat kann wissenschaftliche Forschung und Bildung in den Bereichen Ökologie, Biogeografie und Nachhaltigkeit fördern und ist außerdem ein wichtiger Ort für traditionelle Riten, etwa der Pygmäen, die südlich von Mwenga leben.
- Das Reservat ist Teil der Bemühungen der Demokratischen Republik Kongo, das Pariser Abkommen und die Ziele für nachhaltige Entwicklung einzuhalten.
Dem Itombwe-Reservat kommt eine wichtige Funktion im Kampf gegen den Klimawandel, dem Schutz der Biodiversität und der Unterstützung der lokalen Bevölkerung zu. Es ist aber auch selbst den Folgen des Klimawandels ausgesetzt:
- Durch die Störung der Klimazyklen kommt es zu einer Veränderung der Jahreszeiten. Regen- und Dürreperioden werden unvorhersehbar, was Folgen für die Landwirtschaft hat. Die Bauern in Mwenga haben zunehmend Probleme bei der Planung. Dauert die Regen- oder Dürreperiode länger, kann sie das ihre Ernte kosten.
- In bestimmten Gebieten kommt es zum Rückgang der Niederschläge, was zur Austrocknung von Sümpfen und zum Sinken des Wasserstands in den Flüssen führt.
- Das Risiko für Naturkatastrophen steigt durch zunehmende Bodenerosion aufgrund stärkerer Regenfälle. Umgekehrt kommt es während längerer Dürreperioden häufiger zu Waldbränden.
Die im Itombwe-Naturreservat lebenden endemischen Arten sind stark durch Wilderei und den Verlust ihres Lebensraums bedroht. Hinzu kommen nun die Folgen des Klimawandels. 2021 bewerteten Wissenschaftler die Auswirkungen des Bürgerkriegs auf den Bestand der Grauergorillas. Ihre Zahl wurde vor dem Krieg auf 17 000 Tiere geschätzt und ist inzwischen auf etwa 6800 gesunken - ein Rückgang um mehr als die Hälfte in 26 Jahren.
Der Erhalt des Reservats erfordert ein gemeinsames Engagement von Institutionen, lokalen Gemeinden und internationalen Partnern. Sich für den Schutz des Itombwe-Reservats einzusetzen, bedeutet in einer Welt, die sich in einer ökologischen Krise befindet, sich für die Zukunft unseres Planeten einzusetzen.
John Baliwa Kitoga Ngoy
