Ebola-Epidemie im Kongo: Stand 10.9.2026
Kategorien: Krankheiten, Mensch & Gorilla, D. R. Kongo, Grauergorillas
Im Osten der Demokratischen Republik Kongo gibt es derzeit eine Ebola-Epidemie - die 17. in diesem Land und bereits jetzt die größte dort verzeichnete, obwohl sie noch längst nicht beendet ist (mehr Opfer forderte nur der Ausbruch in Westafrika 2014-2016 mit 11 314 Toten). Diese Epidemie ist für die Bevölkerung, die seit Jahrzehnten infolge der ständigen Kämpfe unter extremer Not leidet, eine Katastrophe. Auch unsere Arbeit ist beeinträchtigt; so wurden Verkehrsverbindungen und Grenzübergänge längere Zeit gesperrt, was den Transport von Materialien und von Menschen behinderte.
Der erste Ausbruch der Viruskrankheit wurde 1976 im Nordwesten von Zaire (heute Demokratische Republik Kongo) registriert und nach dem dortigen Fluss Ebola benannt. Das Virus wird durch direkten Kontakt oder Körperflüssigkeiten übertragen. Vermutlich begann der jetzige Ausbruch Ende März (möglicherweise schon Ende Januar) in Mongbwalu, Ituri, wo sich das Virus ausbreitete. Anfang Mai wurde bestätigt, dass es sich um Ebola handelte, und zwar um den Bundibugyo-Stamm; Mitte Mai breitete sich das Virus nach Uganda aus. Am 15.5. lösten die Gesundheitsministerien der Demokratischen Republik Kongo und Ugandas Ebola-Alarm aus.
Als am 17.5. der erste Fall in Goma bekannt wurde, schloss Ruanda die Grenze zur D. R. Kongo. Am 18.5. wurde die Grenze zu Uganda bei Kanungu geschlossen. Uganda verstärkte die Grenzkontrollen, stellte den Flugverkehr mit dem Kongo und Märkte an der Grenze ein. In Uganda wurden nur vom 15.5. bis 21.6. Ebola-Erkrankungen verzeichnet, insgesamt 20 Fälle mit 2 Toten. Am 2.7. wurde die Grenze zwischen Goma und Gisenyi nach 47 Tagen wieder geöffnet, da es in Goma keine weiteren Ebola-Fälle mehr gegeben hatte.
Übertragen wurde die Krankheit im Juli in 4 Provinzen, im August in 6. Zahlen vom 23.8.: Ituri 4655 Fälle mit 2771 Toten, Nord-Kivu 728 mit 319 Toten, Haut-Uélé 181 mit 77 Toten, Tshopo 23 mit 11 Toten, Süd-Kivu 5 mit einem Toten, Bas-Uélé 2 mit einem Toten. Am 7.9. lag die Todesrate bei 48,3 %. Der Schwerpunkt liegt bis heute in Ituri, wo die Epidemie ausbrach, am 12.7. mit 90,3 % der Fälle und 84,6 % der Toten. Die meisten Menschen starben außerhalb von Behandlungszentren, sodass ihre Kontakte nicht überwacht werden konnten; manchmal verhinderten Angehörige auch Ebola-Tests bei den Verstorbenen. Die Zahlen der Erkrankten und an Ebola Verstorbenen sind deshalb vermutlich wesentlich höher als die offiziellen Zahlen.
Sobald ein Ebola-Fall bestätigt wird, werden Maßnahmen zum Testen von Verdachtsfällen, zur Isolierung der Erkrankten und zur Überwachung von Kontaktpersonen ergriffen. Strenge Vorsichtsmaßnahmen treten in Kraft und die Bevölkerung wird aufgerufen, sich daran zu halten. Das funktionierte allerdings in Ituri nicht immer: Die Menschen waren misstrauisch und hatten das Gefühl, nicht angehört und nicht ernst genommen zu werden. Sie akzeptierten nicht, dass sie sich nicht von den Toten verabschieden durften; Verschwörungstheorien zum Ursprung der Krankheit und zu den Zielen der Behandlung kursierten. Jeder Dritte glaubte, dass die Krankheit nicht existiert. In Bunia und Mongbwalu entlud sich das Misstrauen der Bevölkerung in Gewalt, Behandlungszentren wurden demoliert und Mitarbeiter angegriffen. Anfang Juli setzte eine Miliz ein Ebola-Isolierzentrum in Butembo in Brand. In solchen Fällen wurden die Mitarbeiter der Zentren abgezogen. Außerdem traten sie mehrfach in Streik, weil ihre Gehälter nicht ausgezahlt wurden. Auch die Mitarbeiter der Behandlungszentren sind gefährdet; am 6.9. waren 167 von ihnen an Ebola erkrankt und 47 gestorben.
Für den Zaire-Stamm des Ebola-Virus, der die meisten bekannten Ausbrüche hervorgerufen hatte, wurden bereits Impfstoffe entwickelt und im Kongo getestet, für den Bundibugyo-Stamm gab es bisher keinen Impfstoff, aber mehrere sind in Entwicklung. Ein Test mit einem speziell gegen diesen Stamm entwickelten Impfstoff startete am 24.7. Ab dem 27.8. wurde in einigen Regionen an Mitarbeitern der Ebola-Zentren getestet, ob der Zaire-Ebola-Impfstoff Ervebo auch beim Bundibugyo-Stamm wirkt. Außerdem läuft seit Anfang Juli ein klinischer Test mit einer Kombination aus Remdesvir und dem Monoklonalen Antikörper MBP134 zur Behandlung der Krankheit. Im Oktober oder November hofft die WHO neue Impfstoffe einsetzen zu können, die gerade auf ihre Sicherheit getestet werden.
Ebola und Gorillas
Zaire-Ebola kann auch von Menschen auf Gorillas und umgekehrt übertragen werden. 2002/03 starben im Lossi-Reservat, Republik Kongo, etwa 5000 Gorillas daran; die Sterblichkeit betrug mindestens 90 % (Bermejo 2006 in Science 314). Beim aktuellen Ausbruch wurde noch kein Gorilla infiziert, aber höchstwahrscheinlich ist auch die Bundibugyo-Variante übertragbar. Nur der Norden des Grauergorilla-Verbreitungsgebiet liegt bisher in dem Bereich, in dem das Virus verbreitet wird.
Angela Meder
Quellen: Africa CDC (Gesundheitsbehörde der Afrikanischen Union), WHO, Mitteilungen des kongolesischen Gesundheitsministeriums, der UN und internationaler Hilfsorganisationen
