Waldkorridor in Gefahr

Kategorien: Gorilla Journal, Ausgabe 59, Regenwald, Nigeria, Afi, Cross-River-Gorillas

Ein Bulldozer im Afi-Waldreservat am 1. April 2019 (© WCS Nigeria)

Das Afi-River-Waldreservat (Afi River Forest Reserve) verbindet mit seiner Fläche von rund 380 km² das Afi-Mountain-Wildschutzgebiet (Afi Mountain Wildlife Sanctuary), die Mbe-Berge und den benachbarten Okwangwo-Teil des Cross-River-Nationalparks. Als grüne Brücke verknüpft es die drei Lebensräume der Cross-River-Gorillas in Nigeria und ermöglicht einen genetischen Austausch zwischen Subpopulationen und Gruppen.

Dieses Waldreservat ist somit für das langfristige Überleben der Cross-River-Gorillas von besonderer Bedeutung. Ein Verlust des Waldkorridors hätte verheerende Auswirkungen, vor allem für die zunehmend isolierte, kleine Population im Afi-Schutzgebiet - zumal die Wälder durch illegalen Holzeinschlag und unerlaubte Landnutzung gefährdet sind.

Besonders alarmiert reagierten deshalb der WCS und andere Akteure im Cross River State (der Region, in der Gorillas vorkommen) auf Berichte, dass Bulldozer riesige Flächen im Afi-Waldreservat zerstörten. So wurden Anfang 2019 umfangreiche Rodungen in der Südostachse des Reservats vorgenommen, angeblich, um im großen Stil Kakaoplantagen anzulegen.

Diese Invasion stellte eine ganz neue Gefahren-Dimension für die Region dar. Nach ersten Recherchen des WCS begann die Zerstörung, nachdem eine unbekannte Gruppe von Leuten sich die Unterstützung einer Gemeinde sichern konnte. Dabei soll dieser Gemeinde eine Miteigentümerschaft an dem Landwirtschaftsbetrieb versprochen worden sein.

Obwohl die WCS die illegalen Aktivitäten an die für den Park verantwortliche staatliche Forstverwaltung meldete, setzten die Bulldozer ihre Arbeit wochenlang ungehindert fort. Unter dem zunehmenden Druck der WCS wurden die Rodungen schließlich gestoppt und die Bulldozer aus dem Wald gebracht.

Allen Anstrengungen zum Trotz gelang es der WCS jedoch nicht, herauszufinden, welche Personen hinter den Aktivitäten standen oder über welche Genehmigungen sie verfügten. Leider gab es auch aus anderen Teilen des Landes Gerüchte, dass Staatswälder für Großplantagen gerodet wurden.

Zu Beginn des Jahres hatte die nigerianische Regierung verkündet, dass die Produktion von Kakao, Ölpalmen und anderen lukrativen Exportkulturen vorangetrieben werden soll. Auch die Regierung des Cross River State schloss sich den Plänen an, den Export von "Cash Crops" anzukurbeln. Selbst wenn das Ziel, die landwirtschaftliche Produktion zu fördern, grundsätzlich zu begrüßen ist, sollte der Anbau von Kakao und Palmöl nicht auf Kosten der Biodiversität gesteigert werden - vielmehr sollten die ökologischen Auswirkungen so gering wie möglich sein. Statt für den Artenschutz wichtige Staatswälder sollten besser degradierte Flächen genutzt werden. Die WCS fordert die Cross-River-Forstbehörde deshalb auf, dringend benötigte Maßnahmen zum Schutz des Afi-Waldreservats durchzusetzen, um eine weitere Entwaldung zu verhindern. Für den langfristigen Fortbestand der Cross-River-Gorillas im Afi-Schutzgebiet ist das Afi-Waldreservat unverzichtbar.

Inaoyom Imong und Jonathan Eban

Rettet den Regenwald hat eine Unterschriftenkampagne zu diesem Thema gestartet!