Statusbericht zur Situation der Menschenaffen

Kategorien: Gorilla Journal, Ausgabe 58, Gorillazahlen, Bestandsaufnahme, Gefahren, Berggorillas, Grauergorillas, Cross-River-Gorillas, Westliche Flachlandgorillas

Verbreitung der Afrikanischen Menschenaffen-Unterarten und Schutzgebiete (© IUCN SSC A.P.E.S. database, 2017, Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie)

Zusammen mit der IUCN SSC Primate Specialist Group hat GRASP einen Bericht erstellt, der die Verbreitung und Bestände der Menschenaffen aufführt, Bedrohungen benennt und Maßnahmen zu ihrer Erhaltung vorschlägt.

Die Populationen der Menschenaffen in Afrika und Asien sind durch Lebensraumverlust, Wilderei, illegalen Handel und Krankheiten bedroht. Die betroffenen Arten (Bonobos, Schimpansen, Östliche und Westliche Gorillas sowie Sumatra-, Borneo- und Tapanuli-Orang-Utans) werden in der Roten Liste der IUCN als "stark gefährdet" oder "vom Aussterben bedroht" geführt.

Rückläufig (um 4-7 % pro Jahr) sind die Populationen sämtlicher Menschenaffenarten mit Ausnahme der Berggorillas. Deren Bestand wächst erfreulicherweise um 3,7 % pro Jahr, was effektivem Schutz, konsequenter Strafverfolgung von Wilderern und Unterstützung der Menschen in der Umgebung zu verdanken ist. Die übrigen Arten jedoch sind stark gefährdet, zumal bis zu 80 % ihrer Lebensräume nicht als Schutzgebiete ausgewiesen sind.

Menschenaffen bewohnen Wälder, die zunehmend unter Druck stehen, weil dort Bodenschätze ausgebeutet werden. Bedroht sind die Populationen auch durch kommerziellen Holzeinschlag und Anbau von Ölpalmen auf gerodeten Flächen (nicht nur in Asien, auch in Afrika). Damit verbunden ist der Bau neuer Verkehrs- und Transportwege sowie die Ansiedlung von Arbeitern. Empfohlen wird, dass sämtliche Akteure zur Einhaltung vorgegebener Standards verpflichtet und Übertretungen unter Strafe gestellt werden. Ferner sollten die sensibelsten und artenreichsten Lebensräume streng geschützt werden. Klar ist, dass die Effektivität von Schutzmaßnahmen wesentlich davon abhängt, ob sie wirtschaftlichen Nutzen bringen und damit die Armut der Bevölkerung bekämpfen, wie das etwa beim Gorillatourismus der Fall ist.

Die Menschaffen in West- und Zentralafrika sind durch Wilderei gefährdet, wobei Bushmeat (Wildfleisch) in der Regel lokal, manchmal aber auch über Grenzen hinweg gehandelt wird. Es ist notwendig, alternative Proteinquellen zu erschließen. Gehandelt wird auch mit lebenden Tieren; in welchem Umfang, ist schwer zu sagen, weil hierzu kaum Daten vorliegen. GRASP hat 2016 eine Datenbank entwickelt, die dazu dienen soll, den illegalen Handel mit Menschenaffen und deren Fleisch zu erfassen.

Die derzeitige Strafverfolgung reicht nicht aus, um dem illegalen Handel Einhalt zu gebieten; Verhaftungen und Verurteilungen sind eher selten. Erschwert wird die Situation dadurch, dass das Internet immer mehr für den illegalen Handel mit Tieren aller Art genutzt wird. In mehreren Ländern gibt es jedoch Bemühungen, die Lage zu verbessern. Der Statusbericht empfiehlt eine Reihe von Maßnahmen, um die Strafverfolgung effektiver zu machen, vom Einsatz forensischer Methoden bis hin zur Schulung von Zollmitarbeitern, und er betont die Notwendigkeit grenzüberschreitender Vereinbarungen und die Koordinierung der Aktivitäten.

Verbessert werden kann die Situation der Menschenaffen nur durch gemeinsames Handeln, sei es auf regionaler, nationaler oder internationaler Ebene, und indem man die Bedrohungen nicht einzeln, sondern insgesamt angeht.

George Lee Harris und Johannes Refisch

Menschenaffen-Statusbericht
Johannes Refisch, Serge A. Wich, Elizabeth A. Williamson (Hrsg.; 2018): Report to the CITES Standing Committee on the Status of Great Apes. UNEP GRASP, Nairobi, and IUCN, Gland.

Diesen Bericht und andere Publikationen und Materialien gibt es hier zum Download