Sozialverhalten Westlicher Flachlandgorillas

Kategorien: Ausgabe 58, Verhalten, Westliche Flachlandgorillas

Mehrere Gorillagruppen treffen sich im Ngaga-Wald, Republik Kongo. (© Germán Illera)

Eine aktuelle Studie lüftete einige Geheimnisse um das Sozialverhalten Westlicher Flachlandgorillas (Gorilla gorilla gorilla). Ihr Verhalten im Regenwald des Kongobeckens unterscheidet sich stark von dem der Berggorillas (Gorilla beringei beringei).

Bisher beschränkten sich die Studien an Westlichen Flachlandgorillas weitgehend auf Beobachtungen in den sogenannten Bais, sumpfigen Waldlichtungen, die die Gorillas gern aufsuchen. Unklar war bislang, ob sich das dort beobachtete Verhalten beim Zusammentreffen verschiedener Gorillagruppen auch auf die Verhältnisse im Wald übertragen lässt.

In unserer Studie haben wir im Ngaga Forest in der Republik Kongo drei habituierte Gorillagruppen über einen Zeitraum von fünf Jahren (2013 bis 2017) fast täglich beobachtet. Die Streifgebiete der Gorillagruppen überlappten sich, sodass zahlreiche Begegnungen der Gruppen stattfanden. Die Interaktionen der Gorillas verliefen sehr friedlich, Mitglieder der verschiedenen Gruppen wanderten gemeinsam und suchten zusammen Nahrung. Die jüngeren Gorillas spielten sogar miteinander und das Verhalten der Silberrückenmänner war von Toleranz geprägt. Initiiert wurden die Kontakte zwischen den Gruppen oft von Jungtieren.

Zusätzlich zu den Beobachtungen der Gorillas führten wir genetische Analysen von DNA aus Kotproben durch, die wir aus den Nestern von über 120 Gorillas sammelten und auswerteten. Die Ergebnisse zeigten, dass Gorillas unterschiedlichen Alters und Geschlechts innerhalb weniger Tage von einer Gruppe zur anderen wechseln können. Einige Gorillafrauen hatten Nachkommen in einer anderen Gruppe und Jungtiere wurden auch ohne ihre Mutter akzeptiert. Das heißt, dass Infantizid bei Westlichen Flachlandgorillas normalerweise nicht vorkommt. Die Gruppenzusammensetzung variierte von Tag zu Tag, was für ein sehr dynamisches Sozialsystem spricht. Einzelne Mitglieder der Gruppen wechseln zwischen verschiedenen sozialen Einheiten und es existiert ein hoher Grad an Toleranz zwischen den Gruppen.

Dieses Sozialsystem erlaubt den einfachen Austausch von Informationen zwischen den Gruppen und könnte ein wichtiger Baustein in der Entwicklung der Art gewesen sein. Allerdings erhöht dieses Verhalten auch die Gefahr der Ansteckung mit Infektionskrankheiten, die bei manchen Populationen zum Tod von mehr als 95 Prozent der Gorillas geführt haben. Die Westlichen Flachlandgorillas sind dadurch auf der Roten Liste bedrohter Tierarten in der Kategorie "vom Aussterben bedroht" gelandet.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, wie wichtig es ist, Beobachtungen im Freiland mit nichtinvasiven genetischen Analysen zu kombinieren, um die Sozialstruktur und -dynamik eher versteckt lebender Arten zu verstehen.

Giovanni Forcina, Dominique Vallet, Pascaline J. Le Gouar, Rubén Bernardo-Madrid, Germán Illera, Guillem Molina-Vacas, Stéphane Dréano, Eloy Revilla, José Domingo Rodriguez-Teijeiro, Nelly Ménard, Magdalena Bermejo und Carles Vilà

Originalartikel
Forcina, G., Vallet, D., Le Gouar, P. J., Bernardo-Madrid, R., Illera, G., Molina-Vacas, G., Dréano, S., Revilla, E., Rodríguez-Teijero, J.D., Ménard, N., Bermejo, M., Vilà, C. (2019): From groups to communities in western lowland gorillas. Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences 286 (1896)