Ölpalmplantagen in Afrika

Kategorien: Ausgabe 47, Gefahren, Regenwald, Kamerun, Gorilla Journal

Luftaufnahme einer Ölpalmplantage (© Johannes Refisch)

Die Ölpalme (Elaeis guineensis) hat ihren Ursprung in Westafrika. Kochen mit Palmöl ist weit verbreitet im äquatorialen Afrika, in Südostasien und Teilen Brasiliens. Zusätzlich zum Öl des Fruchtfleisches wird das Öl des Samenkerns in der Kosmetikindustrie genutzt. Der Presskuchen der Palmkerne wird auch als Tierfutter und Biokraftstoff genutzt. Außerdem wurde vorgeschlagen, Dieselgeneratoren zum Betrieb von Mobilfunkstationen im ländlichen Afrika mit Biosprit zu betreiben. Ölpalmplantagen produzieren mehr Ertrag pro Hektar als Raps, Soja, Sonnenblumen, Mais und andere Energiepflanzen. Malaysia und Indonesien sind die wichtigsten Produzenten, sie stellen zusammen 81,7% der globalen Palmölproduktion. Die wichtigsten Produzenten in Afrika sind Nigeria, Demokratische Republik Kongo, Ghana, Kamerun und die Elfenbeinküste (USDA 2012).

In den letzten Jahren hat die globale Nachfrage nach Palmöl ständig zugenommen, vor allem durch den gestiegenen Konsum in China, Indien und den asiatischen Tigerstaaten, in denen dieses Öl zum Kochen genutzt wird. Die EU mit ihrem Ziel 20/20/2020, wonach bis 2020 20% der Energie aus regenerativen Quellen stammen sollten, hat ebenfalls die Nachfrage und damit die Preise angehoben. Diese Entscheidung war im Sinne des Klimaschutzes gedacht, aber ohne weitere Regulierung wird der Ausbau der Biokraftstoffproduktion das Klimaschutzziel unterminieren und die Waldzerstörung fördern.

Da es in Malaysia und in weiten Teilen Indone­siens kaum noch Land für die Ausweitung von Ölpalmplantagen gibt, kommen viele asiatische Firmen nach Afrika. Ein großes Thema ist hierbei „land grabbing“ in Asien. In den letzten 2 Jahrzehnten sind in Sumatra schätzungsweise 380 000 ha illegal gerodet worden, diese Fläche entspricht CO2-Zertifikaten im Wert von 1 Milliarde US-Dollar – und in vielen dieser Wälder lebten wichtige Orang-Utan-Populationen.

Vor- und Nachteile

Malaysia und Indonesien haben gezeigt, dass die Palmölproduktion wichtig für die lokale und nationale Wirtschaft sein kann und das Potenzial hat, die Armut zu reduzieren und zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung beizutragen. Zu den Vorteilen zählen Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und Infrastruktur, zusammen mit besseren Gesundheits- und Bildungseinrichtungen. Oft gibt es neben industriellen auch kleine Plantagen. Hoyle und Levang (2012) gehen davon aus, dass in Südostasien 30–40% der Ölpalmplantagenfläche in der Hand kleiner Grundbesitzer ist.

Die größte Herausforderung ist die Harmonisierung von landwirtschaftlicher Entwicklung und Biodiversitätsschutz. Der massive Ausbau der Palmölproduktion hat zum Verlust für den Naturschutz wichtiger Wälder geführt und damit zum Verlust der Artenvielfalt. Andere Umweltschäden sind z. B. Bodenerosion, reduzierter Wasserpuffer und natürlich das Freisetzen klimaschädigender Gase.

Es gibt natürlich auch soziale Nachteile, z. B. wenn große Agrarfirmen keine kleinen Produzenten beteiligen oder Mitarbeiter aus anderen Gebieten beschäftigen. Auch gehen durch die Waldzerstörung andere Einkommensmöglichkeiten verloren: Tourismus, der Verkauf von Waldprodukten oder auch Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen wie bei REDD.

Ein Beispiel für das Aufeinanderprallen von Entwicklungs- und Naturschutzinteressen ist der Tanoe-Wald in der Elfenbeinküste. Dort hat massiver lokaler und internationaler Protest dazu geführt, dass die Regierung die geplante Umwandlung eines einzigartigen Waldes mit hoher Biodiversität in eine Ölpalmplantage stoppte. Auch das Herakles-Projekt ist hoch umstritten, da es den Erwerb von über 100 000 ha in Südkamerun vorsieht, in einem Gebiet mit hoher Artenvielfalt zwischen dem Korup-Nationalpark, dem Rumpi Hills Forest Reserve, dem Bakossi-Nationalpark und dem Banyang-Mbo Wildlife Sanctuary.

Wie kann man den Konflikt lösen?

Die nachhaltige Entwicklung der Palmölproduktion kann zu ökonomischer Entwicklung und Armutsminderung beitragen, aber die unkontrollierte Entwicklung kann zum Verlust wichtiger Naturschutzflächen führen, Nachteile für die lokale Bevölkerung und indigene Völker bringen und schließt außerdem Länder von zukünftigen Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen aus.

In einer Studie auf Sumatra, Indonesien, wurden die potenziellen ökonomischen Gewinne aus der Palmölproduktion mit potenziellen Einkünften aus anderen Landnutzungsformen verglichen, einschließlich Natur- und Klimaschutz unter REDD+. Hier einige der Empfehlungen, die auch für Afrika interessant sind:

  • Stärkung integrierter Raumplanungsvorhaben

  • Ausweisung neuer Gebiete für REDD+,

  • Verbesserung von Produktion und Ertrag der exis­tierenden Ölpalmplantagen,

  • Konzentration neuer Entwicklungsvorhaben auf Flächen mit geringerem Wert unter Berücksichtigung aller sozialen und umweltrelevanten Hintergründe.

  • Neue Plantagen sollten die Prinzipien und Kriterien des RSPO umsetzen. Diese Verpflichtung sollte im nationalen Recht verankert werden. Leider beachten bislang nicht einmal alle Mitglieder des RSPO die eigenen Richtlinien.

Johannes Refisch

Literatur

Hoyle, D. & Levang, P. (2012): Oil Palm Development in Cameroon. An adhoc working paper. WWF, Institut de Recherche pour le developpement, CIFOR

USDA (2012)