Juliana Ströbele-Gregor: Ruanda 2000

Kategorien: Ausgabe 1, Ruanda, Vulkan-Nationalpark, Reiseberichte

Im August 2000 besuchten Hans-Christian Ströbele, Abgeordneter der Bündnisgrünen, und ich den Parc National des Volcans in Ruanda sowie das Mountain Gorilla Veterinary Center in Ruhengeri. Ute Eilenberger begleitete uns auf unseren beiden Besuchen zu den Gorilla-Familien Sabinyo und Susa.

Die vorgeschriebene Höchstzahl von 8 Besuchern wird nicht immer eingehalten; bei der Sabinyo-Gruppe waren wir 9, bei der Susa-Gruppe 5 Personen. Hinzu kommen mehrere Guides und die unvermeidliche Militäreskorte. Aus Sicherheitsgründen werden die Touristenbesuche immer noch von Militär begleitet. Auch wenn klare Verhaltensmaßregeln für die begleitenden Soldaten verhindern sollen, dass sich die Gorillas beunruhigt fühlen, kam es bei dem Besuch bei der Sabinyo Familie doch zu einigen Irritationen, insbesondere beim Silberrücken, weil sich die Soldaten nicht an die Regeln hielten.
Bei beiden Besuchen wurde der Schutzabstand von 7 m zwischen Menschen und Gorilla unterschritten. Ute Eilenberger sah dies mit einigem Unbehagen, vor allem als ein Schwarzrückenmann der Susa-Gruppe den Chef-Guide mit Liebesbezeugungen bedachte. Mit festem Griff packte er den Mann am Kragen (er kennt ihn schon viele Jahre), zog ihn an sich, drückte sein Gesicht sehr freundlich an seine eigene Wange und hielt den „Gefangenen“ einige Zeit fest. Ein beeindruckendes, aber auch höchst zwiespältiges Erlebnis. Möge es für beide ohne gesundheitliche Folgen bleiben!
Wildhüter und Guides beeindrucken durch ihr Engagement, ihre Kenntnisse und den Respekt vor den Gorillas, aber auch durch ihre freundliche Professionalität den Touristen gegenüber. Durch den hohen Verschleiß benötigen sie dringend Ausrüstung.
Die Regierung steht nun vor der schwierigen Aufgabe, die zurückkehrenden Flüchtlinge anzusiedeln. Sie fördert ihre Niederlassung in Dörfern, obwohl die traditionelle Siedlungsform Höfe im Umfeld der Felder sind. Siedlungen und Dörfer reichen schon bis an den Waldrand. Dringend notwendig wäre jetzt die Einrichtung von Pufferzonen. Hier ist die internationale Kooperation gefordert, die sich seit Kriegsende aber viel zu stark zurückhält. Naturschutz und Förderung der Entwicklungschancen für Menschen sind hier untrennbar miteinander verbunden.

Juliana Ströbele-Gregor