Ebo-Gorillas bedroht

Kategorien: Ausgabe 60, Gorilla Journal, Gefahren, Regenwald, Kamerun, Westliche Flachlandgorillas

Blick über den Ebo-Wald (© San Diego Zoo Global)

Eigentlich sollte der Ebo-Wald ein Nationalpark werden - doch nun hat die Regierung Kameruns die Einrichtung zweier sogenannter Forest Management Units zur holzwirtschaftlichen Nutzung der gesamten Fläche geplant. Schriftlich fixiert wurde dies bereits am 4. Februar 2020, der Bevölkerung aber erst im März verkündet.

Der Ebo-Wald ist nicht nur seiner Biodiversität wegen, sondern auch aufgrund seiner kulturellen Bedeutung besonders schützenswert. Er ist die wichtigste intakte Waldregion im Hinterland des Golfs von Guinea und beherbergt neben zahlreichen neu beschriebenen Pflanzenarten eine außergewöhnlich vielfältige Fauna, darunter Gorillas, Schimpansen, Drills, mehrere Arten kleinerer Affen, Waldelefanten, zahlreiche Vögel, Reptilien und Amphibien wie den Goliathfrosch. Bei den Gorillas handelt es sich möglicherweise sogar um eine eigene Unterart, und die Nigeria-Kamerun-Schimpansen im Ebo-Wald sind die einzige bekannte Population, die sowohl Nüsse knackt als auch Termiten angelt.

Daneben sichert der Wald den Lebensunterhalt der Bewohner von über 40 angrenzenden Gemeinden, gehört zum kulturellen Erbe mehrerer Volksgruppen und man findet dort historische Zeugnisse wie Straßen aus der Kolonialzeit, Überreste von Missionsstationen und von nach Kameruns Unabhängigkeit im Jahr 1960 verlassenen Dörfern.

Die Bedeutung des Ebo-Walds wurde von der kamerunischen Regierung schon vor einiger Zeit anerkannt. Sie hat bisher Schutzmaßnahmen und Forschungsvorhaben unterstützt sowie vier lokale Initiativen genehmigt, darunter die Clubs des Amis des Gorilles, deren Aktivitäten auf die Erhaltung der Ebo-Gorillas abzielen. Auch die Association des Chefs Traditionnels Riverains de La Forêt d'Ebo (ACTRIFE) spielt eine wichtige Rolle beim Schutz des Ebo-Waldes und bemüht sich, die Lebensbedingungen der Bevölkerung in seinem Umfeld zu verbessern.

Bedroht sind die Gorillas vornehmlich durch Lebensraumverlust, Wilderei und Bushmeat-Handel. Ein systematischer Holzeinschlag im großen Rahmen würde diese Bedrohungen verstärken und sehr wahrscheinlich künftige Maßnahmen zum Schutz und zur Erforschung der Tiere stark beeinträchtigen.

Ekwoge E. Abwe und Bethan J. Morgan

Protest wird laut

Am 30. April 2020 sandten über 60 Forscher und Naturschützer (darunter die Berggorilla & Regenwald Direkthilfe) einen Brief an den Premierminister von Kamerun, in dem sie sich für Folgendes aussprachen:

  • keine Einrichtung von Forest Management Units,
  • Einführung einer offenen gemeinsamen Landnutzungsplanung gemäß den Richtlinien des Wirtschaftsministeriums, bei der die Regierung gemeinsam mit internationalen Partnern die besten Möglichkeiten zur nachhaltigen Nutzung des Gebiets findet,
  • Berücksichtigung nachhaltiger Alternativen für das Management des Ebo-Walds wie die Einrichtung eines Schutzgebiets oder eine vom Land und von den Gemeinden geführte Naturschutz-Konzession, in der die biologische Vielfalt erhalten wird und in der Emissionszertifikate verkauft werden können.