Christoph Lübbert: Uganda 1997

Kategorien: Ausgabe 1, Ruanda, Uganda, Mgahinga, Berggorillas, Reiseberichte

Christoph Lübbert mit Wildhütern am Fuß des Sabinyo (@ Johannes Refisch)

Christoph Lübbert mit Wildhütern am Fuß des Sabinyo (@ Johannes Refisch)

Vom 8.-12. Dezember 1997 fand in Ugandas Hauptstadt Kampala eine internationale Tagung zum Berggorillaschutz statt, an der Johannes Refisch als Vertreter der Berggorilla & Regenwald Direkthilfe teilnahm. Ich hielt mich zu dieser Zeit für Aktualisierungsarbeiten zu einem Uganda-Reiseführer bereits im Land auf. Wir besuchten auch den Mgahinga-Gorilla-Nationalpark, die provisorische Nationalparkstation Bunagana für den Virunga-Nationalpark in der Demokratischen Republik Kongo und den Queen-Elizabeth-Nationalpark.

PHVA-Konferenz
Die abgekürzt als PHVA (Population and Habitat Viability Analysis) bezeichnete Tagung zur Situation der Berggorillas wurde gemeinschaftlich von der Conservation Breeding Specialist Group der internationalen Naturschutzbehörde (CBSG/IUCN) und den Nationalparkbehörden der Länder mit Berggorilla-Populationen, also Uganda, Ruanda und Kongo/Zaire, organisiert. Die als Workshop strukturierte Konferenz im Sheraton Hotel Kampala stand unter amerikanischer Leitung. Den Vorsitz führte Ulie Seal (CBSG/IUCN). Neben den Direktoren der nationalen Naturschutzbehörden nahmen die betroffenen Nationalparkdirektoren, Vertreter der im Gorillaschutz engagierten Organisationen und zahlreiche Wissenschaftler der unterschiedlichsten Fachdisziplinen daran teil.
Bei mir als passivem Teilnehmer entstand der Eindruck einer strikt US-amerikanisch dominierten Tagung. Nicht die Vertreter der betroffenen Länder und Schutzgebiete, sondern teilweise gar nicht im Feld orientierte Vertreter der CBSG und andere Wissenschaftler bestimmten den Ablauf der Veranstaltung und die Diskussionen. Hinzu kamen Verständigungsschwierigkeiten zwischen den frankophonen Vertretern und der überwiegend anglophonen Teilnehmerschaft.

Situation im Mgahinga-Gorilla-Nationalpark
Mit dem Mitsubishi Pajero aus dem Mgahinga-Projekt reisten wir über Kabale nach Kisoro, wo wir von den Mitarbeitern des Mgahinga-Gorilla-Nationalpark freundlich empfangen wurden. Wir händigten Ignatius Achoka, dem Chief Warden, US-$ 480 aus. Damit erhalten vier Ranger für den Zeitraum Februar bis Juli 1998 jeweils US-$ 20 Top-Up auf ihr Grundgehalt. Wie im letzten halben Jahr werden sie den nicht-habituierten Gorillas folgen, um dadurch nähere Informationen über die Habitatnutzung und das Streifgebiet zu erhalten. Ignatius Achoka schickt halbjährlich einen genauen Bericht dazu. Zusätzlich stellten wir den Wildhütern des Mgahinga-Parks 12 Sweatshirts zur Verfügung und mehrere Exemplare des aktuellen Gorilla-Journals.
Die Situation im Mgahinga-Gorilla-Nationalpark machte einen ausgesprochen guten Eindruck. Bei unserem Besuch am Park-Headquarter Ntebeko wirkten die Wildhüter motiviert und waren überdies erfreulich gut mit Ausrüstungsgegenständen (z.B. neuen Regenanoraks) versorgt. Patrouillen werden regelmäßig gegangen, auch die Kreidetafel mit Angabe der Tiersichtungen im Nationalparkbüro in Kisoro war auf dem neuesten Stand geführt. Die habituierte Gorillagruppe Nyakagezi hielt sich 1997 überwiegend in Uganda auf, sodass recht viele Touristen in den Park reisten. Generell jedoch ist der Tourismus in Uganda deutlich zurückgegangen, was hauptsächlich auf die unsichere Lage in Westuganda und die Nähe zu den Krisenherden im Kivu (Ostkongo) und in Nordwestruanda zurückzuführen ist. Auch die Granat- bzw. Bombenanschläge militanter Gruppen auf Hotels in Kampala im Oktober 1997 bzw. April 1998 dürften Besucher abgeschreckt haben.
Da die über Jahrzehnte in Südwestuganda lebenden Tutsi-Altflüchtlinge mit ihren Rinderherden bereits 1994/1995 nach Ruanda zurückkehrten, ist die nun "tutsifreie" Region um Kabale und Kisoro von Attacken der Interahamwe auf Angehörige dieser ethnischen Gruppe bislang weitgehend verschont geblieben. Die ugandische Seite der Virungavulkane diente jedoch bereits mehrfach als eine Art "Transitzone" für Interahamwe, die aus den Wäldern des kongolesischen Virungaparks heraus operieren und teilweise über ugandisches Territorium hinweg nach Nordwestruanda ziehen, um dort Terroranschläge zu verüben. Auch der Mgahinga-Park ist von diesen Bewegungen immer wieder betroffen. Im Juli 1997 wurde ein Wildhüter bei dem Versuch verletzt, einen Interahamwe-Kämpfer festzunehmen. Im Oktober 1997 wurde eine über 300 Mann starke Fraktion der Interahamwe bei der Durchquerung der Randzone des Mgahinga-Parks auf dem Weg nach Ruanda beobachtet.

Zur Lage in Uganda und Ruanda
Generell hat sich die Sicherheitslage in Uganda in den letzten beiden Jahren wieder verschlechtert. Während die Rebellengruppe WNBF (West Nile Bank Front) sich mittlerweile aufgelöst hat, überzieht Joseph Konys vom Sudan gestützte LRA (Lord's Resistance Army) den Norden und Nordwesten des Lands weiter mit Terror und Gewalt. Die Entführung und Versklavung Tausender Kinder als Kindersoldaten, Kommandanten-Konkubinen und Mordbuben hat weltweites Entsetzen hervorgerufen. Der Kampf der ugandischen Armee gegen die LRA ist bis heute ohne durchschlagenden Erfolg geblieben. Die Aktivitäten der ADF (Allied Democratic Forces) - einer Rebellengruppe, die bis 1997 von zairischem Boden gegen das Museveni-Regime in Uganda kämpfte - im Gebiet um Kasese sind bislang ebenfalls nicht unter Kontrolle, auch wenn gemeinsame Militäraktionen der Armeen Ugandas und des Kongo den Radius des Terrors deutlich eindämmen konnten.
Zwei Bombenanschläge auf Hotels in Kampala Anfang April 1998, bei denen vier Menschen getötet wurden, gehen vermutlich auf das Konto der Alliance of Democratic Resistance, zu der sich burundische, ruandische und ugandische Rebellen zusammengeschlossen haben. Die Vielzahl der Bündnisse von Milizen und schwerbewaffneten Fraktionen wird dabei immer undurchsichtiger.
Insbesondere in Ruanda wird eine Koalition der in den seit 1994 andauernden Völkermord verwickelten Gruppen, die von burundischem, tansanischem, ruandischem, kongolesischem und ugandischem Territorium operieren, gefürchtet. Der ethnische Flächenbrand im Nordwesten Ruandas hat sich seit August 1997 zu einem offenen Krieg ausgebreitet. Die täglichen Massaker der Hutu-Milizen Interahamwe werden von der Tutsi-dominierten Armee mit Gegenmassakern beantwortet. Mittlerweile kontrollieren die Soldaten von Paul Kagame gerade einmal die Hauptverkehrsadern der Region. Zehntausende verdächtiger junger Hutu wurden in den vergangenen Monaten verschleppt oder exekutiert.

Christoph Lübbert

Johannes Refisch und ich bedanken uns bei allen Personen, die unsere Ugandareise unterstützten, insbesondere bei Wilhelm Möller (Uganda Wildlife Education Centre), Klaus Schmitt (GTZ Kampala) und Dirk Hennig (Deutsche Botschaft Kampala). Mein besonderer Dank gilt der Fluggesellschaft Sabena für die Bereitstellung eines Freiflugscheins.