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Waisenstationen für Gorillas

Kategorie: Gorilla Journal, Ausgabe 40, D. R. Kongo, Grauergorillas, Tayna, Virunga-Nationalpark, Zoos, Berggorillas
Ndeze und Ndakasi im Senkwekwe-Zentrum

Ndeze und Ndakasi im Senkwekwe-Zentrum

Grauergorilla-Waise Ndjingala, die jetzt im GRACE-Zentrum lebt

Grauergorilla-Waise Ndjingala, die jetzt im GRACE-Zentrum lebt (© PASA/DFGFI/Disney/MGVP)

In den letzten Monaten wurden im Osten der Demokratischen Republik Kongo zwei Waisenstationen eröffnet - eine für Berggorillas, die andere für Grauergorillas. In ihnen finden die Jungtiere, die im Kongo und in Ruanda gehalten wurden, eine neue (vorläufige) Heimat.

Senkwekwe

Die beiden Berggorillawaisen Ndeze und Ndakasi, die bisher in Goma lebten, bekommen im Senkwekwe-Zentrum am Rand des Virunga-Nationalparks ein neues Zuhause. Das Zentrum liegt in der Nähe der Rumangabo-Station und bietet den Gorillas ein Gehege mit etwa 1 ha Fläche, auf dem ein 12 x 4 m großes Gebäude mit Innengehege steht.

Am 1. Dezember 2009 wurden die Gorillas zur Rumangabo-Station transportiert. Aus Sicherheitsgründen blieb der Termin geheim. Die Tierpfleger brachten die Gorillas nach ihrer Ankunft in das neue Gehege. Nach kurzer Zeit begannen Ndeze und Ndakasi bereits ihr neues Zuhause zu erkunden. Sie lebten sich schnell ein und verbringen heute viel Zeit mit Spielen auf dem Klettergerüst. Zunächst bekommen sie zusätzlich zur Nahrung aus dem Wald Gemüse vom Markt, vor allem Blumenkohl und Karotten.

Als die Gorillawaisen ins Senkwekwe-Zentrum einzogen, gab es zunächst Bedenken wegen der Paviane, die in diesem Gebiet leben und ziemlich aggressiv sein können. Aber der Elektrozaun hält sie fern. Auch die Stummelaffen sind sehr neugierig; Ndeze versucht sie zu verjagen und schüttelt die Bäume, auf denen sie sitzen. Interessanterweise hat sie auch angefangen, Nester in den Bäumen zu bauen und zeigt damit normales Gorillaverhalten.

Das Senkwekwe-Zentrum bietet außerdem ein Bildungs- und Aufklärungsprogramm für die Bevölkerung der umliegenden Gemeinden sowie tierärzliche Versorgung für die Gorillawaisen und andere Wildtiere im Virunga-Park.

Nach Blog-Einträgen der Website www.gorilla.cd

Grace

Aus einer Partnerschaft von DFGFI, PASA, Disney's Animal Programs und ICCN entstand ein Zentrum zur Aufnahme und Versorgung von Grauergorillawaisen mit dem Ziel, die Tiere wieder in die Wildnis einzugliedern. Außerdem dient das Zentrum der Aufklärung der Bevölkerung über den Gorillaschutz.

Das GRACE-Zentrum liegt in der Region Kashugo der Demokratischen Republik Kongo in direkter Nachbarschaft zum Tayna-Naturreservat. Das Tayna-Zentrum für Naturschutz stiftete das Land für den Bau des Zentrums. Im Januar 2009 wurde mit den Bauarbeiten begonnen; die Bereiche für die Gorillas, der tierärztliche Teil und die Unterkünfte für die Mitarbeiter sind fast fertig, und das 2 ha große Freigehege wird gerade umzäunt. Der erste Bauabschnitt soll im Mai 2010 beendet sein und Platz für 15 Gorillas bieten. Das Alter der Gorillas, die ins GRACE-Zentrum einziehen werden, reicht vom Babyalter bis zum Heranwachsenden.

Wie dringend ein Zentrum zur Aufnahme und Versorgung der Gorillas benötigt wird, zeigt sich darin, dass bereits zahlreiche Gorillas an verschiedenen Orten im Kongo und in Ruanda darauf warten, ins GRACE-Zentrum transportiert zu werden. Außerdem wurden in den letzten 10 Jahren schätzungsweise 25 Gorillawaisen konfisziert, die gestorben sind, bevor sie eine geeignete medizinische Versorgung bekommen konnten. Die Aufklärung der Bevölkerung und die Versorgung und Auswilderung der Gorillas sind wesentlich für ihr Überleben. Der Bau des Zentrums verzögerte sich, da die Region Kashugo zu den vom Krieg zwischen den Regierungstruppen und den Rebellen am meisten betroffenen Gebieten in Ostafrika gehört. Immer wieder mussten die Arbeiten gestoppt und Mitarbeiter in Sicherheit gebracht werden; auch kam es zu Zerstörungen durch Rebellen. Ein weiterer Schlag für das GRACE-Zentrum war der Tod von Alecia Lilly, der DFGFI-Vizepräsidentin, die Direktorin des Projekts war. Ihre Aufgaben hat jetzt Debby Cox, die frühere Direktorin des Jane-Goodall-Instituts in Uganda, übernommen.

Bisher ist es noch nirgends gelungen, Östliche Gorillas auszuwildern. Aber zwei Zentren in Gabun und im Kongo haben große Erfolge bei der Auswilderung Westlicher Flachlandgorillas erzielt. Insgesamt gelang es ihnen bisher, 40 Gorillas in die Wildnis zurückzubringen - 84% überlebten und 10 Jungtiere kamen in der Freiheit zur Welt. Dennoch ist die Auswilderung von Gorillas ein schwieriger, kostenintensiver Prozess. Die Gorillas im GRACE-Zentrum müssen sich zunächst erst einmal gesundheitlich und psychisch von den Strapazen ihrer illegalen Gefangenschaft erholen, bevor sie auf die nächste Phase ihres Lebens in Freiheit vorbereitet werden.


Doug Cress