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Aussiedlung der Simba steht bevor

Kategorie: Gorilla Journal, Ausgabe 45, D. R. Kongo, Grauergorillas, Maiko, Schutzmaßnahmen
Treffen mit den Simba in Izinga

Treffen mit den Simba in Izinga (© Eugene Izinga)

Der Maïko-Nationalpark ist einer der sieben Nationalparks der Demokratischen Republik Kongo; mit seiner Gründung sollte das Überleben zahlreicher endemischer Arten wie Grauergorilla, Okapi oder Kongopfau gesichert werden.

Aus Verwaltungsgründen ist der Park in drei Sektoren geteilt: Norden, Zentrum und Süden. In jedem dieser drei Sektoren patrouillieren normalerweise Wildhüter, was aber seit längerer Zeit - nach Auseinandersetzungen zwischen Simba-Kämpfern und Wildhütern - nicht mehr möglich ist. Momentan wird versucht, die Kontrollen wieder aufzunehmen.

Die Simba leben schon seit langer Zeit in der Region, und während der Mulele-Revolution 1964 kämpften sie für Lumumba. Nach dessen Ermordung suchten sie im Wald Schutz vor ihren Verfolgern aus der Regierung. Als der Maïko-Nationalpark 1970 gegründet wurde, unternahmen die Behörden nichts, um die Simba aus dem geschützten Gebiet wieder auszusiedeln. Nach und nach nahmen die Probleme und Zusammenstöße zwischen Wildhütern und Simba-Rebellen zu. Statt Lösungen für das Problem zu suchen, arrangierten sich die Parkverantwortlichen mit den Rebellen und machten Kompromisse. 2009 kam es dann bei einem gewaltsamen Versuch der Armee, die Simba auszusiedeln, zu blutigen Auseinandersetzungen. Da die Armee auch Wildhüter für diese Aktion rekrutiert hatte, betrachteten die Simba die Parkangestellten fortan als Verräter.

Die ZGF (Zoologische Gesellschaft Frankfurt) startete 2010 mit ihren Aktivitäten zum Schutz des Parks, insbesondere mit den Vorbereitungen einer friedlichen Umsiedlung der Simba. Ziel der ZGF ist es, eine nachhaltige Lösung zu finden. Dieses Vorhaben stellte sich als nicht einfach heraus und erfordert zahlreiche Verhandlungen sowie Aufklärungsarbeit auf politischer und diplomatischer Ebene. Sehr wichtig dabei ist es, dass die Simba-Gemeinschaft bei ihrer Aussiedlung aus dem Nationalparkgebiet unterstützt wird.

Dazu werden momentan Schulen gebaut, um den umgesiedelten Menschen eine bessere Ausbildung zu ermöglichen. Zugleich erhalten sie Unterstützung beim Bau von Häusern und bei der Landwirtschaft. 30 von ihnen werden von der kongolesischen Nationalparkbehörde ICCN (Institut Congolais pour la Conservation de la Nature) als Wildhüter im Maïko-Nationalpark angestellt. Das Projekt wird gefördert vom BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung - deutsches Entwicklungshilfeministerium).

Im Januar 2012 traf sich eine Gruppe von ZGF- und ICCN-Mitarbeitern nach intensiver Vorbereitung mit den Simba-Kämpfern im Maïko-Nationalpark. Ein erster Erfolg dieses Treffens war die Zustimmung des Simba-Chefs zur Wiederaufnahme der Patrouillen im Park. Außerdem kam zur Sprache, wie die Umsiedlung und Eingliederung der Simba in Angriff genommen werden könnte. Bei einem zweiten Besuch, an dem auch ein erfahrener Mitarbeiter des ICCN aus Kinshasa und führende Vertreter der Armee teilnahmen, willigten die Rebellenführer schließlich ein, dass die Simba das Parkgelände friedlich verlassen und sich wieder in die kongolesische Bevölkerung integrieren würden.

Die erfolgreiche Aussiedlung der Simba wird ganz entscheidend zum besseren Schutz des einzigartigen Ökosystems im Maïko-Nationalpark beitragen.

Prince K. Kaleme