Habituierung in Bwindi

Kategorien: Tourismus, Ausgabe 48, Gorillagruppen, Uganda, Bwindi, Gorilla Journal

Mutter und Kind in der Kyagurilo-Gruppe

Mutter und Kind in der Kyagurilo-Gruppe (© Martha M. Robbins)

Die Mitglieder einer der für Touristen habituierten Gruppen

Die Mitglieder einer der für Touristen habituierten Gruppen

Aufenthaltsgebiete der habituierten Gruppen 2013

Aufenthaltsgebiete der habituierten Gruppen 2013

Bei der Habituierung wilder Gorillas, also der Gewöhnung an die Anwesenheit von Menschen, stehen sich Vorteile und Nachteile gegenüber. Zu den Vorteilen zählen Einnahmen aus dem Tourismus für Regierungen, Gemeinden und Unternehmen, die Möglichkeit, Forschungsarbeiten durchzuführen, und besserer Schutz für die Gorillagruppen. Außerdem lässt sich die Gesundheit der Tiere überwachen. Zu den Nachteilen gehört das Risiko, dass sich die Gorillas bei Menschen mit Krankheiten anstecken und durch die Gewöhnung an Menschen leichter Opfer von Wilderern werden. Die ständige Beobachtung der habituierten Gruppen erfordert außerdem langfristig Personal und eine gesicherte Finanzierung.

 

Im Bwindi-Impenetrable-Nationalpark in Uganda wurde in den 90er-Jahren nach der Ausweisung des Gebiets als Nationalpark mit der Habituierung der Gorillas begonnen. In den letzten 20 Jahren ist die Zahl der habituierten Gorillagruppen von 3 auf 12 gestiegen. Der Gorillatourismus stellt in Bwindi die wichtigste Einnahmequelle zur Finanzierung des Gorillaschutzes und für die Gemeinden dar.

In der ersten Phase Anfang der 90er-Jahre wurden die Katendegyere-Gruppe und die Mubare-Gruppe bei Buhoma habituiert. Seit 1993 können Touristen die Gorillas besuchen. Die Katendegyere-Gruppe hatte ursprünglich 11 Mitglieder, 1998 waren es aber nur noch 3, und die Gruppe hielt sich im Kongo auf, wo sie nicht mehr beobachtet werden konnte. Die Mubare-Gruppe umfasste zu Beginn der Habituierung 13 Mitglieder und besteht aktuell noch aus 10. Der Silberrücken Ruhondeza führte die Gruppe über 20 Jahre. Er starb 2012.

Gleichzeitig wurde eine weitere Gruppe für Forschungszwecke an Menschen gewöhnt: die Kyagurilo-Gruppe bei Ruhija. 1995 verlor die Gruppe durch Wilderei 4 Mitglieder. Seit 1998 wird sie von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie beobachtet und umfasst aktuell 18 Tiere.

In der zweiten Phase der Habituierung Mitte der 90er-Jahre, begründet durch das Steigen der Touristenzahl, wurde eine weitere Gorillagruppe in Buhoma, genannt Habinyanja, mit mehr als 25 Gorillas 1997 für den Tourismus habituiert. 2002 teilte sich die Gruppe, die kleinere heißt jetzt Rushegura.

Damit auch andere Teile des Parks von dem Schutz profitieren konnten, der mit dem Gorillatourismus verbunden ist (und damit Gemeinden in anderen Regionen an den Einnahmen beteiligt würden), beschloss man, an anderen Stellen Gorillas zu habituieren. Allerdings musste zunächst die Infrastruktur entwickelt werden, sodass die Nkuringo-Gruppe im Südteil von Bwindi erst 2004 besucht werden konnte.

In der dritten Phase wurden aufgrund der weiter steigenden Nachfrage an verschiedenen weiteren Stellen des Parks Gorillas habituiert. Bei der Bitukura-Gruppe im Nordosten bei Ruhija und der Nshongi-Gruppe im Süden begann die Habituierung 2006; seit 2008 können die Gorillas besucht werden. Die Nshongi-Gruppe war mit mehr als 30 Mitgliedern die größte Gruppe; nach 2 Spaltungen umfasst sie jetzt nur noch 8 Gorillas. 2010 verließ Mishaya mit 8 anderen Gorillas die Gruppe, 2012 der Silberrücken Bweza zusammen mit 9 weiteren Mitgliedern. Mishaya starb Anfang 2014 (s. u.).

Die Habituierung von 2 weiteren Gruppen erfolgte 2008 bis 2010: der Kahungye-Gruppe im Süden mit anfänglich über 30 Gorillas und der Oruzogo-Gruppe im Westen von Ruhija mit zunächst 20 Gorillas. 2012 verließen 9 Mitglieder die Kahungye-Gruppe und bildeten die Busingye-Gruppe.

Die Gruppenteilungen, Geburten, Todesfälle, Zuwanderung und Abwanderung sind als natürliche demografische Vorgänge typisch für Arten, die in sozialen Gemeinschaften leben. Gorillas gehören zu den wenigen Primatengattungen, bei denen sowohl männliche als auch weibliche Gorillas entweder in der Gruppe ihrer Geburt bleiben oder abwandern. Die Daten aus der Beobachtung der habituierten Gorillas zeigen, dass die Bwindi-Gorillas eine niedrigere Geburtenrate und einen längeren Abstand zwischen Geburten haben als die Gorillas der Virunga-Vulkane. Die letzte Zählung in Bwindi im Jahr 2011 ergab eine Gesamtzahl von mindestens 400 Gorillas in 36 Gruppen. Die 168 Gorillas in den 10 habituierten Gruppen machten 42% aller Gorillas und 28% der Gruppen im Park aus. Die meisten nicht habituierten Gorillas in Bwindi leben im Inneren des Parks und sind damit für den Tourismus nicht erreichbar. Die Anzahl der Touristen, die die Gorillas in Bwindi besuchen, ist von 3000 jährlich in den 90er-Jahren auf 15 000 in den letzten Jahren gestiegen.

Peter Kabano, Joseph Arinaitwe und Martha M. Robbins