Gorillanachwuchs am Mt. Tshiaberimu

Kategorien: Ausgabe 64, Erfolge, Gorillagruppen, D. R. Kongo, Mt. Tshiaberimu, Grauergorillas

Mwengeshali mit ihrem neuen Baby, das bisher noch keinen Namen erhalten hat (© Katsuva Wasukundi)

Anfang Januar 2020 entdeckten die Mitarbeiter des Virunga-Nationalparks am Mt. Tshiaberimu ein Gorillababy, es wurde wahrscheinlich Ende Dezember 2019 oder Anfang Januar 2020 geboren. Nach dem drastischen Rückgang der Gorillazahlen in diesem Teil des Parks (von 14 im Jahr 2002 auf 5 im Jahr 2019) war die Hoffnung damals schon fast verloren, dass sich die Population wieder erholen würde. Die Geburt war eine Überraschung für alle und das Baby wurde "Espoir" (Hoffnung) genannt.

Zwischen 2002 und 2004 kamen am Mt. Tshiaberimu 3 Gorillas zur Welt: Kambula (heute Mwengeshali, geboren 2002), Musanganya, der kurz nach seiner Geburt verschwand, und Mwasa. 2006 wurde Musondoli geboren (inzwischen verschwunden) und 2007 Mwavita, der noch als Baby starb. 2009 gebar die junge Mwengeshali (7 Jahre) ein Kind, das sie unglücklicherweise durch einen Biss tötete. In den 9 Jahren zwischen 2009 und 2018 wurden überhaupt keine Geburten registriert und die Zahl der Gorillas nahm drastisch ab. 2012 tauchte eine 6-köpfige Familie einige Monate ab und nur 2 Tiere kehrten zurück.

Weil Mai-Mai-Rebellen ihr Unwesen in der Gegend trieben, hatte der ICCN seine Leute 2016/17 abgezogen und die Fährtenleser allein gelassen. Sie gingen nur noch sporadisch in den Wald und konnten sich nicht weit hineinwagen. Die Mai-Mai beschuldigten sie, Spione zu sein. 2016 wurde ein Fährtenleser getötet und ein weiterer verletzt, 2017 überfielen Bewaffnete den leitenden Fährtenleser in seinem Haus und er überlebte nur knapp. In dieser Zeit stand das Überleben der Gorillas auf der Kippe, denn die Milizen und einige Politiker verbreiteten die Nachricht, dass die Bevölkerung Land erhalten könnte, wenn es keine Gorillas mehr gäbe.

Das Gorilla-Monitoring wurde Anfang 2018 wieder aufgenommen; im Frühjahr bemerkten die Fährtenleser ein Gorillababy und zählten insgesamt 7 Tiere. Ab Mai sahen sie es jedoch nicht mehr. Nach dem Verschwinden von Kitawite gab es im April 2019 nur noch 5 Gorillas.

Mit der Geburt von "Espoir" kehrte die Hoffnung zurück, dass die Gorillas am Mt. Tshiaberimu überleben würden. Mit 7 Monaten lief die Kleine neben ihrer Mutter her, mit 11 Monaten fraß sie allein. Im Mai 2021 hat sich Espoir von ihrer Mutter getrennt und der Familie Katsawara angeschlossen.

Ende Dezember 2021 wurde Mwengeshali mit einem neuen Baby gesehen, genau zwei Jahre nach der Geburt von Espoir. Damit leben nun wieder 7 Gorillas am Mt. Tshiaberimu. Da die Lebenserwartung von Gorillas bis 50 Jahre beträgt, hoffen wir, dass Mwengeshali noch viel Nachwuchs zur Welt bringen wird und die anderen Frauen (Ndekesiri und Mukokya) ihr nacheifern.

Claude Sikubwabo Kiyengo


Die Mt.-Tshiaberimu-Gorillas

Katsavara-Gruppe
Katsavara (männlich)
Mukokya (weiblich)

Ndekesiri (weiblich)
Espoir (weiblich)

Mwasa-Gruppe
Mwasa (männlich)
Mwengeshali (weiblich)
Baby