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Tödliche Infektion bei Berggorillas

Juni 2011
Kategorien: Ausgabe 42 | Berggorillas | Gefahren | Gorilla-Journal | Krankheiten | Ruanda | Vulkan-Nationalpark

Mararo groomt ihren kranken Sohn Impundu (© Magdalena Braum)

Die Besuche von Gorillatouristen garantieren internationales Interesse und schaffen Einnahmequellen; damit ist der Tourismus eine wichtige Voraussetzung für den Gorillaschutz. Doch die enge Verwandtschaft von Mensch und Gorilla birgt auch große Gefahren. So zeigt eine kürzlich veröffentlichte Studie, was bereits seit langem befürchtet wird: Menschliche Krankheitserreger können auf Berggorillas übertragen werden und zu Todesfällen führen. 
Die Studie dokumentiert den Ausbruch einer Atemwegserkrankung bei der habituierten Gruppe Hirwa im ruandischen Teil des Virunga-Schutzgebiets. Zwischen Ende Juni und Anfang August 2009 entwickelten 11 von 12 Gruppenmitgliedern einen mittleren bis schweren Infekt. Zwar konnten 5 Tiere mit Antibiotika behandelt werden, aber 2 unbehandelte Tiere starben: eine erwachsene Gorillafrau und ein 3 Tage altes Baby. Die Frau hustete zunächst, zeigte dann immer schwerere Symptome und starb innerhalb von 4 Tagen, bevor die Tierärzte helfen konnten. Das Neugeborene wies keine klinischen Anzeichen eines Infekts auf, obwohl die Mutter zum Zeitpunkt der Geburt sehr krank war und behandelt wurde. 
Bei der Frau konnte man durch eine Autopsie eine bakterielle Lungenentzündung diagnostizieren, die durch Streptococcus pneumoniae und Klebsiella pneumoniae verursacht worden war. Es wurde aber noch ein weiterer Erreger gefunden: das menschliche Metapneumovirus (HMPV). Beim Säugling ließ sich nur das HMPV-Virus nachweisen. Obwohl seine Lungen angegriffen waren, starb er wahrscheinlich an Erschöpfung und einer streuenden Nabelinfektion. 
Aus Versuchen mit Makaken ist bekannt, dass HMPV nur zu relativ milden Krankheitsverläufen führt, doch es erhöht die Anfälligkeit für bakterielle Lungenentzündungen. Wie gefährlich der Erreger den Gorillas werden kann, zeigen auch Berichte von habituierten Schimpansen. Dort führte HMPV ebenfalls zum Ausbruch von Atemwegserkrankungen, die bei mehreren Tieren tödlich verliefen.

Originalveröffentlichung: Palacios, G., Lowenstine, L. J., Cranfield, M. R., Gilardi, K. V. K., Spelman, L., Lukasik-Braum, M., Kinani, J.-F., Mudakikwa, A., Nyirakaragire, E., Bussetti, A. V., Savji, N., Hutchison, S., Egholm, M. & Lipkin, W. I. (2011): Human Metapneumovirus Infection in Wild Mountain Gorillas, Rwanda. Emerging Infectious Diseases 17 (4), 711-713

 

 

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Feuer im Kahuzi-Biega-Nationalpark (© Carlos Schuler)