Gorilla-Journal 34, Juni 2007
Gorillawilderei im Virunga-Park
Am 9. Januar 2007 erhielt Paulin Ngobobo, zuständig für die
Gorillas im Virunga-Nationalpark, die Meldung, dass 600 m östlich
der Station Bikenge ein Silberrücken erschossen worden war. Ein Bauer,
der in der Nähe arbeitete, hatte die lokale Organisation HuGo über
den Vorfall informiert.
Am 11. Januar besuchten Vertreter von ICCN und ZGF die MONUC-Leitung in
Goma, um eine UN-Eskorte zu erhalten. Sie wollten das von Laurent Nkundas
Rebellen besetzte Gebiet betreten und den Vorfall untersuchen.
Das ZGF-Team, Paulin Ngobobo und sechs Wildhüter meldeten sich am
15. Januar bei der MONUC-Einheit in Rutshuru, um gemeinsam zum Park zu
fahren. Ein Kommandant der Rebellen untersagte jedoch allen Vertretern
des Gorillaschutzes den Zutritt zum besetzten Gebiet. In der Zwischenzeit
erhielt P. Ngobobo eine neue Meldung, dass Überreste eines zweiten
Gorillas in einer Latrine etwa 200 m westlich der Station Bikenge gefunden
worden waren. Der Gorilla war anscheinend von den Rebellen gegessen worden.
Ngobobo instruierte zwei seiner Leute, an die Stelle zurückzukehren
und ihm Beweismaterial zu bringen. Die ZGF stattete die beiden mit einer
Digitalkamera aus, damit sie Bilder des toten Gorillas machen konnten.
Am nächsten Tag erhielt das ZGF-Team überraschend doch eine
Genehmigung zum Betreten des Parks. Am 16. Januar wartete jedoch eine
FARDC-Eskorte auf das Team, was befremdlich erschien, da FARDC-Soldaten
keinen Zutritt zu dem von Rebellen besetzten Gebiet haben. Schließlich
wurde beschlossen, dass das Team der Gorillaschützer von Soldaten
bis zum letzten Militärposten vor Beginn des Rebellengebiets begleitet
würde und danach alleine zur Stelle mit dem toten Gorilla weitergehen
sollte. Da es jedoch misslang, Funkkontakt zu den Rebellen herzustellen
und das Kommen des Teams anzukündigen, musste die Aktion abgebrochen
werden.
Allerdings war es den beiden Wildhütern gelungen, den abgetrennten
Kopf des zweiten getöteten Gorillas zu bergen. Bei diesem Tier handelt
es sich um Karema, einen 18-jährigen, einzelgängerisch lebenden
Silberrücken. Er war im Jahr 1991 von Conrad Aveling, der damals
für die ZGF arbeitete, an Menschen gewöhnt worden. Karema war
leicht daran zu erkennen, dass ihm die linke Hand fehlte.
Mit Unterstützung von Oberst Ashok von MONUC gelang es Paulin Ngobobo
schließlich am 23. Januar, ein Treffen zwischen Vertretern der Rebellen,
des ICCN und der ZGF zu arrangieren. Der Vertreter der Rebellen lehnte
es zwar ab, die Verantwortung für die getöteten Gorillas zu
übernehmen, versicherte aber, dass keine weiteren Gorillas mehr getötet
würden. Ngobobo erläuterte die Bedeutung der Berggorillas für
die Region und machte klar, dass die Rebellen, solange sie sich im Lebensraum
der Gorillas aufhielten, auch Verantwortung für die Tiere trügen.
MONUC bot dem ICCN an, gemeinsame Patrouillen durchzuführen, um den
Wildhütern die Möglichkeit zu geben, die habituierten Gorillas
zu besuchen. Eine internationale Pressekampagne soll außerdem die
Öffentlichkeit über die Tötung der Berggorillas informieren
und den internationalen Druck auf die Rebellen erhöhen.
10. Juni 2007: Ein weiblicher Gorilla mit Baby
wurde erschossen
Robert D. J. Muir und Paulin Ngobobo
Robert D. J. Muir arbeitete in mehreren Naturschutzprogrammen
in Afrika, Asien und Mittelamerika, bevor er im Februar 2004 zur ZGF kam.
Er ist dort für das ZGF-Schutzprojekt im Virunga-Nationalpark zuständig.
Schwerpunkte des Projekts sind Wildhüter-Ausbildung, Kommunikation
sowie Gorilla- und Schimpansenschutz.
Paulin Wilondja-as-Ngobobo hat Ländliche Entwicklung studiert.
Danach arbeitete er im Gorillaschutz und seit Mai 2006 ist er erster Konservator
und leitender Warden im südlichen Sektor des Virunga-Parks.
Paulin Ngobobo erhält dieses Jahr den Clark R. Bavin Law Enforcement
Award. Dieser Preis wird vom amerikanischen Animal Welfare Institute an
Menschen vergeben, die sich besonders für den Wildtierschutz eingesetzt
haben.
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