Gorilla-Journal 34, Juni 2007
Neues von der Auswilderung
Im Herbst 2006 kamen in einer ausgewilderten Gruppe Westlicher Gorillas
4 Babys zur Welt. Dieser Erfolg belohnt die Bemühungen der John Aspinall
Foundation, Gorillawaisen wieder an ein Leben in Freiheit zu gewöhnen.
Im Jahr 1987 wurde die Brazzaville-Waisenstation für Gorillas gegründet.
Zwischen 1996 und 2001 wurden erste Gorillas 140 km nördlich von
Brazzaville freigelassen. Inzwischen leben zwei Gruppen ausgewilderter
Gorillas im Lefini-Reservat. Die erste Gruppe besteht aus einem Silberrücken,
3 erwachsenen Frauen, 3 subadulten Frauen und einem männlichen Jungtier.
Die zweite Gruppe umfasst neben 4 Schwarzrücken 5 erwachsene Gorillafrauen
und 3 männliche Kinder. Das vierte der dort im Jahr 2006 geborenen
Babys ist im Dezember 2006 gestorben.
Die Erfahrungen zeigen, dass eine Auswilderung von Gorillawaisen machbar
ist und zur Erhaltung der Gorillas beitragen kann. Die Auswilderungsprogramme
benötigen allerdings langfristige finanzielle, technische und politische
Unterstützung, um Erfolg zu haben. Im Fall der John Aspinall Foundation
ist dies durch eine Partnerschaft mit der Regierung des Kongo gegeben.
1998 wurde in Gabun ein ähnliches Programm - ebenfalls durch Zusammenarbeit
der John Aspinall Foundation mit der Regierung - ins Leben gerufen.
Wichtigster Faktor für den Erfolg der Auswilderung ist es, ein geeignetes
Gebiet für die Gorillas zu finden. Unbedingt notwendig sind natürliche
Barrieren wie große Flüsse, die die Gorillas von Dörfern,
Camps und von durch Menschen genutzte Zonen fernhalten.
Ein Problem der Auswilderungsprogramme ist, dass die Populationen aus
einer kleinen Zahl von Gorillawaisen entstanden sind. Ob eine solche Population
überleben kann, hängt letztlich von der Anzahl neu hinzukommender
Tiere ab. Populationsmodelle, die sowohl die bisherigen Erfahrungen als
auch zukünftige Möglichkeiten berücksichtigen, können
dabei helfen, die langfristige Überlebensfähigkeit der ausgewilderten
Population einzuschätzen.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Umherstreifen der männlichen
Gorillas. Bei Westlichen Gorillas enthalten die Gruppen in der Regel nur
einen Silberrückenmann. Dies bedeutet, dass junge erwachsene Männer
ihre Gruppe verlassen müssen und zu Einzelgängern werden. Dabei
dehnen sie ihr Streifgebiet stark aus, um Partnerinnen zu finden, mit
denen sie eine eigene Familie gründen können. Leider verlassen
die ausgewilderten Gorillamänner auf ihren Wanderungen häufig
das Reservat und geraten in von Menschen genutzte Bereiche, aus denen
sie aus Sicherheitsgründen entfernt werden müssen. In der Republik
Kongo wurde daher eine Gruppe von 5 erwachsenen Gorillamännern zusammengestellt,
die auf einer 25 ha großen Insel am südlichen Rand des Gebiets
leben, wo sie allerdings auf zusätzliche Fütterungen angewiesen
sind.
Der Einfluss von Menschen muss bei der Auswilderung von Gorillas ebenfalls
berücksichtigt werden. Damit ein verwaister Gorilla überleben
kann, benötigt er eine emotionale Bindung zu seiner menschlichen
Pflegeperson. Diese Bindung ist später schwer zu brechen. In den
Auswilderungsprojekten wird deshalb versucht, nach der Freilassung den
Kontakt zwischen Gorillas und Menschen auf ein Minimum zu reduzieren.
Die Tiere könnten Menschen als Konkurrenten um Partnerinnen oder
Nahrung verstehen und für Personen, die in ihr Gebiet eindringen,
gefährlich werden. Daher können nur erfahrene Projektmitarbeiter
die Beobachtung der ausgewilderten Gorillas übernehmen und Fremde
- auch Touristen - müssen dem Gebiet fernbleiben. Einzig die Gruppe
der 5 Gorillamänner könnte während der Fütterungen
von Touristen auf Booten oder vom gegenüberliegenden Ufer aus beobachtet
werden.
Tony King und Christelle Chamberlan
Tony King ist seit 5 Jahren wissenschaftlicher
Koordinator des Projekts Waisen-Auswilderung und Schutzgebiets-Management
der John Aspinall Foundation in der Republik Kongo.
Christelle Chamberlan sammelte Erfahrungen im Odzala-Park (Republik
Kongo) und in Karisoke, bevor sie 2002 als Verwalterin bei der John Aspinall
Foundation anfing. Später wurde sie Koordinatorin des Projekts.
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