Gorilla-Journal 33, Dezember 2006

10 Jahre Mt.-Tshiaberimu-Projekt

Seit September 1996 kümmert sich der Dian Fossey Gorilla Fund Europa (neuer Name: Gorilla Organization) um den Schutz der Gorillas am Mt. Tshiaberimu im nördlichen Teil des Virunga-Nationalparks.
Die Gorilla Organization hat sich zum Ziel gesetzt, das Lebenswerk von Dian Fossey weiterzuführen und das Überleben der vom Aussterben bedrohten Gorillas in der Virunga-Region zu sichern. Das Projekt umfasst den Schutz der Gorillas und ihres Lebensraums, Forschung, Aufklärung der Bevölkerung sowie Hilfe zu deren Entwicklung. Die wichtigsten Aktivitäten sind:

  1. Eine regelmäßige Beobachtung der Gorillas durch Wildhüter, um mehr über ihr Verhalten und die Art und Weise, wie sie ihren Lebensraum nutzen, zu erfahren. Am Mt. Tshiaberimu leben zurzeit 21 Gorillas, die sich auf zwei Gruppen verteilen. Beide Gruppen werden gerade an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt.
  2. Kontrollgänge bekämpfen die Wilderei und die Abholzung des Walds. Während der Kriege flüchteten große Teile der Bevölkerung in den Park und nutzten seine Ressourcen. ICCN-Mitarbeiter konnten durch Patrouillen im Inneren des Parks und Aufklärungsarbeit an Schulen, in Gemeinden und bei den politisch Verantwortlichen erreichen, dass eine während der kriegerischen Auseinandersetzungen von Bauern besetzte Fläche (7 km²) wieder an den Park zurückgegeben wurde. Auf der abgeholzten Fläche wird hoffentlich bald ein Sekundärwald wachsen.
  3. Die Entwicklungshilfe konzentriert sich auf kleinere Projekte, die die Situation der Menschen unmittelbar verbessern und dadurch direkt zum Schutz der Gorillas des Mt. Tshiaberimu beitragen. Beispielsweise werden Schulen renoviert, Matratzen für Gesundheitszentren angeschafft, Büros für die traditionellen Chefs errichtet, Verbindungsstraßen gebaut und die Viehzucht gefördert. Verbessertes Saatgut und Material für den Ackerbau werden an die Mitglieder von Gemeindeorganisationen - in der Mehrzahl Frauen - verteilt. Mit den Einkünften aus dem Ackerbau können neue Projekte wie Schaf-, Ziegen- oder Geflügelzucht finanziert werden.
  4. Sensibilisierung und Aufklärung informieren die Bevölkerung über die Bedeutung des Gorillaschutzes. Der Dialog zwischen Parkverwaltung und Gemeinden wird gefördert durch regelmäßige Treffen mit den traditionellen Machthabern, Besuche bei lokalen Entwicklungsorganisationen, öffentliche Diskussionen, Filmvorführungen und Radiosendungen. Die Gründung von Naturclubs und die Durchführung von Wettbewerben an Schulen und in den Dörfern sind weitere Mittel, die Bevölkerung zu erreichen. Damit ist es gelungen, die Konflikte zwischen Park und Bevölkerung zu entschärfen. Heute beteiligen sich traditionelle Chefs, Gemeinde-Organisationen und die Jugend an Aktivitäten zum Gorillaschutz.

Nach 10 Jahren ihrer Tätigkeit unter schwierigsten Bedingungen am Mt. Tshiaberimu ist die Gorilla Organization stolz auf ihre Ergebnisse. Man weiß, wie viele Gorillas heute auf dem Berg leben; sie werden regelmäßig besucht und an Menschen gewöhnt. Die Besiedlung des Parkgebiets durch Bauern wurde weitgehend gestoppt. Das Projekt wird von vielen Gruppen der Bevölkerung im Parkumfeld unterstützt.

Gorilla-Geburt

Pünktlich zur Feier des 10. Geburtstags des Gorillaschutzprojekts am Mt. Tshiaberimu gibt es noch einen weiteren Grund zur Freude: Am 5. August 2006 brachte die Gorillafrau Kitawite aus der Kipura-Familie ein Baby zur Welt. Die Kipura-Familie besteht nun aus 7 Gorillas. Das Neugeborene wurde Musomboli genannt, was so viel bedeutet wie "Wähler", da es zum Zeitpunkt der Wahlen in der Demokratischen Republik Kongo geboren wurde.

Jean Claude Kyungu und Jean de Dieu Vhosi

Jean Claude Kyungu Kasolene leitete von 1994 bis 1999 eine ökologische NGO, danach das Tayna-Gorillareservat. Heute ist er Projektmanager für das Mt.-Tshiaberimu-Projekt.
Jean de Dieu Vhosi ist Sozialassistent des Mt.-Tshiaberimu-Gorillaschutzprojekts und verantwortlich für die Umwelt-Kommunikation.

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