Gorilla-Journal 33, Dezember 2006

Gemeinde-Schutzkomitees für Kahuzi-Biega

Zum Schutz der Ressourcen des Kahuzi-Biega-Nationalparks verfolgen wir seit einiger Zeit einen neuen Ansatz: die Gründung von Komitees für Gemeindeschutzprojekte. Ältere Strategien zum Schutz des Parks scheiterten häufig am Widerstand der Bevölkerung. Gesetze wurden verabschiedet und die Parkmitarbeiter bemühten sich, die Bevölkerung zur Einhaltung dieser Gesetze zu bewegen - dies führte zu einer Ablehnung des Parks. Die Menschen konnten nicht einsehen, dass sie einerseits die Parkressourcen nicht mehr nutzen, andererseits aber keinerlei Vorteile vom Schutz des Parks haben sollten.
Das 1985 vom ICCN mit Unterstützung der GTZ begonnene Projekt zum integrierten Naturschutz sollte die verfeindeten Parteien wieder zusammenbringen und Vertrauen schaffen. Aufklärungsaktionen sollten der Bevölkerung vermitteln, warum der Schutz des Kahuzi-Biega-Nationalparks auch für sie wichtig ist. Angesichts der wachsenden Armut der Bevölkerung war dies keine einfache Aufgabe. Lokale Entwicklungsinitiativen und Naturschutzorganisationen versuchten zu helfen, indem sie die soziale Infrastruktur verbesserten: Gesundheitszentren wurden eröffnet, Schulen unterstützt und Brücken gebaut.
Diese Hilfen verbesserten zwar die Lage der Gemeinden, erreichten aber oft die einzelnen Menschen nicht. Auch fühlten sich die lokalen Machthaber bei den Entscheidungen zur Entwicklung der Dörfer übergangen.
Eine Lösung dieser komplexen Probleme könnte in der Gründung von Komitees für Gemeindeschutzprojekte liegen. Die Mitglieder der Komitees werden gewählt und stammen aus allen Schichten der Bevölkerung, die in irgendeiner Weise mit den Ressourcen des Parks zu tun haben. Repräsentanten der Verwaltung, der Bildungseinrichtungen, der Kirchen, des Gesundheitswesens, der Naturschutzorganisationen, traditionelle Heiler, Händler, Polizisten und Pygmäen vertreten ihr Dorf in allen Belangen des Naturschutzes und der Dorfentwicklung.
Die Gründung eines solchen Komitees erfolgt in mehreren Schritten:

  1. Aufklärung der Bevölkerung durch Veranstaltungen in den Dörfern,
  2. Auflistung aller Gruppen, die mit den Ressourcen des Kahuzi-Biega-Nationalparks zu tun haben,
  3. Wahl der Komitee-Mitglieder, zunächst auf Dorfebene und anschließend auf der Ebene der gesamten Verwaltungseinheit,
  4. Unterzeichnen eines Übereinkommens zwischen der Bevölkerung und dem Park,
  5. Erstellen eines Dorfentwicklungsplans entsprechend den lokalen Bedürfnissen,
  6. Schulungen der Komitee-Mitglieder nach den Erfordernissen des Dorfentwicklungsplans,
  7. Nachbetrachtung und Bewertung der Ergebnisse.
Jedes Komitee wählt ein Leitungsgremium und einen Sprecher, die einen Plan zur Dorfentwicklung und zum Schutz der Parkressourcen erarbeiten.
Der Vorteil dieser Strategie ist, dass Aktivitäten und Kräfte gebündelt werden und alle Dörfer zumindest bis zu einem gewissen Grad eingebunden werden können. Die Dörfer werden dadurch gestärkt und arbeiten zusammen an einem gemeinsamen Ziel. Heute existieren bereits 12 Komitees: 11 davon im Gebiet des Hochlandteils und eines im Tieflandteil des Parks.
Die Gründung von Komitees für Gemeindeschutzprojekte erfordert finanzielle Hilfe. Im Moment werden die Komitees von der GTZ im Rahmen des Bio-diversitätsprogramms fördert. Die Berggorilla & Regenwald Direkthilfe unterstützt unter anderem seit Jahren mit Spenden verschiedener Sponsoren die schulische Bildung von 200 Pygmäenkindern und die Born Free Foundation finanziert ebenfalls verschiedene Aktivitäten der Komitees.
Die Verwirklichung der Pläne zur Dorfentwicklung und zum Schutz der Ressourcen des Kahuzi-Biega-Nationalparks wird jedoch weiterhin viel Hilfe benötigen. Die Hauptursache für die Bedrohung der Parkressourcen ist die Armut der Bevölkerung. Nur eine nachhaltige Entwicklung kann hier Abhilfe schaffen.
Ein Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen in der Demokratischen Republik Kongo würde die Wiederbelebung des Tourismus in der Region ermöglichen; dies könnte für ein besseres Gleichgewicht zwischen Naturschutz und Entwicklung aus der Sicht der Gemeinden sorgen.

Radar Birhashirwa Nishuli

Radar Birhashirwa Nishuli ist der Leiter der Umwelterziehungs-Abteilung des Kahuzi-Biega-Nationalparks. Er arbeitet seit 1985 für den Park.

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