Gorilla-Journal 33, Dezember 2006
Flusspferd-Schlachterei im Virunga-Park
Am 23. Oktober führte die Zoologische Gesellschaft Frankfurt
mit Unterstützung des US Fish and Wildlife Service eine Zählung
der Flusspferde im Virunga-Nationalpark durch. Die Zählungen aus
der Luft bestätigten, was die seit längerem anhaltende Wildereiwelle
befürchten ließ: Nur noch 629 Flusspferde sind übrig von
einem Bestand, der Anfang der 70er-Jahre bei rund 30 000 lag. Dies entspricht
einem Bestandsrückgang von 98%. Allein in den ersten beiden Oktoberwochen
hatten Wilderer mehr als 400 Flusspferde getötet.
Die unübersichtliche Lage im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen
in der Demokratischen Republik Kongo ausnutzend, wilderten Mai-Mai-Rebellen
und andere lokale militärische Gruppierungen im großen Stil.
Seit September stehen nicht nur die Wildtiere des Nationalparks unter
Beschuss, sondern auch die Mitarbeiter der Parkbehörde ICCN. Es gab
wiederholt Überfälle auf Wildhüterposten und -patrouillen
mit mehreren Toten und Verletzten. Auch die kongolesische Armee, die im
Park stationiert ist und deren Soldaten schlecht bezahlt werden, soll
an den Überfällen und der Flusspferd-Wilderei beteiligt sein.
Grund für das massive Töten von Flusspferden und auch Elefanten
ist das Elfenbein der Tiere. Genau wie Elefantenstoßzähne erzielen
die Hauer der Flusspferde hohe Preise auf dem Elfenbeinmarkt.
Die Mai-Mai-Rebellen verweigern den Dialog mit dem ICCN. Obwohl in den
letzten Jahren mehr als 100 Wildhüter im Dienst getötet wurden
und viele seit Jahren kein anständiges Gehalt gesehen haben, sind
die Ranger unglaublich engagiert und von ihrer Sache überzeugt. Robert
Muir versucht, eine konzertierte Aktion zwischen dem ICCN und den UN-Friedenstruppen
vor Ort zu organisieren. Der Park hat während der Zeit der Wahlen
eine nie dagewesene Welle an Wilderei, gewalttätigen Übergriffen
und Menschenrechtsverletzungen gesehen.
Nach einer Pressemeldung der ZGF vom 26. Oktober 2006.
Ein ausführlicher Bericht (englisch) findet sich in Robert
Muirs Blog; dort wird ganz aktuell von den neueren Entwicklungen berichtet.
Robert D. J. Muir arbeitete in mehreren Naturschutzprogrammen
in Afrika, Asien und Mittelamerika, bevor er im Februar 2004 zur ZGF kam.
Er ist dort für das ZGF-Schutzprojekt im Virunga-Nationalpark zuständig.
Schwerpunkte des Projekts sind Wildhüter-Ausbildung, Kommunikation
sowie Gorilla- und Schimpansenschutz.
zur Virunga-Süd-Übersicht
Homepage |