Gorilla-Journal 33, Dezember 2006

Gorillatourismus in Dzanga-Sangha

Bisher gibt es nur wenige Erfahrungen mit Tourismusprogrammen bei Westlichen Gorillas. In Dzanga-Sangha, Zentralafrikanische Republik, unterstützt der WWF seit 1997 ein Programm zur Habituierung der Flachlandgorillas.
Seit den 60er-Jahren sind Besuche bei den Östlichen Gorillas sehr begehrt und ziehen in Friedenszeiten große Scharen von Touristen an. Selbst wenn Gorillatourismus seine Risiken hat - etwa Übertragung von Krankheiten, Störungen des Sozialverhaltens und eine stärkere Gefährdung durch Wilderer -, kann er zur Erhaltung der Tiere beitragen. Auch der Dzanga-Ndoki-Nationalpark könnte durch diesen Tourismus nachhaltig genutzt werden und die Region politische Unterstützung und internationale Anerkennung erhalten. Die Gefährdung der Gorillas durch Wilderer lässt sich durch die regelmäßige Beobachtung der Gruppen ebenfalls verringern.
Durchgeführt werden die Habituierung der Gorillas und die Besuche vom Bai-Hokou-Camp im Park. Seit 1998 beobachten wir drei Gorillagruppen; zwei davon können Touristen bereits besuchen, die dritte wird gerade an Menschen gewöhnt. Touristen (bis zu 4 Personen) können sich den Tieren jetzt bis auf 15 m nähern. Von 2001 bis 2006 haben über 700 Besucher die Gorillas in Bai Hokou gesehen.
Die Habituierung von Flachlandgorillas ist ein schwieriger, langwieriger Prozess; sie nimmt mehrere Jahre in Anspruch. Man braucht erfahrene Spurenleser mit ausgezeichneten Kenntnissen des Walds. Im dichten Unterholz des Parks "verschwinden" selbst große Gorillagruppen von einem Augenblick zum anderen. So besteht die Gefahr, dass die Gorillas erschrecken, wenn man ihnen unerwartet begegnet. In Bai Hokou kündigen die Beobachter ihr Kommen daher durch Zungenschnalzen an.
Außerdem kostet die Habituierung viel Geld: Ein großes Team muss in einer abgelegenen Gegend mit schlechten logistischen Verbindungen arbeiten und bezahlt werden. Zu Beginn eines solchen Prozesses entstehen nur Kosten. Und schließlich besteht immer die Gefahr, dass die Gruppe sich auflöst und die Investitionen umsonst waren.
Schwierigkeiten können auch bei der Verteilung der aus dem Gorillatourismus erwirtschafteten Gelder entstehen. In Dzanga-Sangha werden 50% für die laufenden Kosten des Projekts verwendet, 10% gehen an die Forstverwaltung und 40% an lokale NGOs (wobei die Verteilung nicht einfach ist).
Der dichte Wald von Dzanga-Sangha verhindert eine gute Sicht auf die Gorillas selbst aus kurzer Distanz. Wenn die Besucher wissen, was sie erwartet, können sie die Begegnung mit den Flachlandgorillas richtig würdigen: Sie treffen eine Gorillaart mit eigenen Verhaltensweisen in einem eigenen Ökosystem. Wichtig für den Erfolg des Gorillatourismus ist allerdings, dass durch regelmäßige Studien der Erfolg gesichert und eine Störung der Tiere verhindert wird.

David Greer und Chloé Cipolletta

David Greer ist seit 1998 beim WWF-Projekt im Dzanga-Sangha-Schutzgebiet tätig. Seine Schwerpunkte sind Gorillas, Tourismus und die Verbesserung von Maßnahmen gegen Wilderei.
Chloé Cipolletta arbeitet im gleichen Projekt. Sie beschäftigt sich vor allem mit Gorillas, Tourismus und Naturschutz-Erziehung.


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