Gorilla-Journal 33, Dezember 2006
Neues aus Nigeria
Vom 26. bis 29. April 2006 fand in Calabar der dritte Workshop zum Schutz
der Cross-River-Gorillas statt. Mit Unterstützung von WWF, US
Fish and Wildlife Service, FFI und WCS erarbeiteten Vertreter der
Regierungen von Nigeria, Kamerun und des Cross River State zusammen mit
Experten lokaler und internationaler Organisationen und Institutionen
einen Aktionsplan zum Schutz dieser Tiere. Der Plan befasst sich mit der
Sozioökologie der Cross-River-Gorillas, ihren Bedrohungen, der Zersplitterung
ihrer Populationen, der Ökologie ihres Lebensraums, den Risiken und
Möglichkeiten des Gorillatourismus sowie der Habituierung der Gorillas.
Er sieht die Schaffung grenzübergreifender Schutzgebiete, Gesetze
zum Gorillaschutz, Aufklärungskampagnen und Schutzprojekte der Gemeinden
vor. Programme zur regelmäßigen Beobachtung der Gorillas und
zu ihrer Erforschung sind ebenfalls geplant.
Im Juni 2006 führte die WCS eine Zählung der Gorillas im Afi
Mountain Wildlife Sanctuary durch. Sechs Teams aus Mitarbeitern von WCS,
der Forstkommission des Cross River State und erfahrenen lokalen Spurensuchern
durchstreiften 7 Tage lang das Gebiet des Afi-Bergs. Sie fanden 11 Gorillanester,
wobei nur vier davon frisch, also 1-3 Tage alt waren. Nach den Ergebnissen
der Studie leben am Afi-Berg zwischen 15 und 27 Gorillas. Es gab weniger
Anzeichen für Wilderei als in früheren Untersuchungen - ein
Erfolg der Programme von FFI und NCF gegen Wilderei im Afi-Gebiet. Ein
großes Problem ist aber, dass immer noch Bauern im Schutzgebiet
ihre Felder bestellen.
Im Januar 2006 erhielten wir Meldungen aus Kakwagom Irruan und Bitiah,
dass Felder durch Gorillas zerstört worden waren. Die Gorillas plünderten
Plantagen von mindestens 6 Farmen in der Nähe des nördlichen
Teils des Afi Mountain Wildlife Sanctuary. Obwohl dies die ersten Übergriffe
von Gorillas auf Farmen seit 20 Jahren waren, erzeugte der Vorfall erheblichen
Unmut in den betroffenen Gemeinden. Unklar ist, warum die Gorillas das
Schutzgebiet verließen und auf das umgebende Farmland auswichen.
Es ist bekannt, dass die Gorillas während der Trockenzeit - in der
das Nahrungsangebot knapp ist - in den nördlichen Teil des Schutzgebiets
wandern, um bestimmte Pflanzen zu finden. Bisher haben sie dabei aber
nie die Grenzen des Afi-Gebiets verlassen. Da die Farmen immer näher
an das Schutzgebiet heranrücken, könnten allerdings Gorilla-Übergriffe
auf die Felder weiter zunehmen, besonders wenn die Nahrung knapp wird.
Die Abnahme der Wilderei im Afi-Gebiet könnte außerdem dazu
geführt haben, dass die Gorillas weniger Scheu vor Menschen haben
und sich auf die Felder wagen. Um Gorillas und Bauern künftig zu
schützen, müssen Wildhüter und Schutzorganisationen mit
den Gemeinden zusammen einen Weg finden, die Gorillas vom Verlassen des
Schutzgebiets abzuhalten.
Zwischen Dezember 2005 und August 2006 führten WCS-Mitarbeiter in
den Mbe-Bergen eine genetische Studie der Gorillas durch. Sie sammelten
während dieser Zeit insgesamt 88 Gorilla-Kotproben. Diese werden
nun im Labor von Todd Disotell in New York analysiert und ausgewertet.
Die Ergebnisse der Studie sollen genauere Informationen zur Größe
der Gorillapopulation in den Mbe-Bergen liefern.
Mit Unterstützung der Berggorilla & Regenwald Direkthilfe
hat die WCS in den Mbe-Bergen ein Forschungscamp errichtet. Nur das Dach
der Station muss jetzt noch fertig gestellt werden. Aufgrund des unwegsamen
Geländes hat der Bau des Camps länger gedauert als erwartet;
alle Baumaterialien mussten mühsam von Trägern in die Berge
transportiert werden. Lokale Unternehmen waren mit dem Bau des Camps beauftragt,
und zahlreiche Arbeiter erhielten so dringend benötigte Beschäftigung.
Das Gebiet der Mbe-Berge zwischen dem Afi Mountain Wildlife Sanctuary
und dem Cross-River-Nationalpark ist Gemeindegebiet und hat bisher keinen
Schutzstatus. Nun haben die 9 umliegenden Gemeinden beschlossen, zusammen
ein Gemeindeschutzgebiet in den Mbe-Bergen zu schaffen. Sie legen mit
der WCS und der Cross River State Forestry Commission die Grenzen des
Schutzgebiets fest und sorgen für eine Markierung der geschützten
Fläche.
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Die neu gebaute Forschungsstation in Mbe (links)
und die alte (unten)
Fotos: Andrew Dunn
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Inaoyom Imong und Andrew Dunn
Inaoyom Imong arbeitet für die Wildlife
Conservation Society in Nigeria.
Andrew Dunn ist seit 2004 Projektmanager des WCS-Biodiversitäts-Forschungsprogramms
in Südostnigeria. Seit 1989 arbeitet er in Forschungs- und Naturschutzprogrammen
in Afrika, seit 1995 in Nigeria.
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