Gorilla-Journal 32, Juni 2006

Cross-Sanaga-Gorillas

Nördlich des Sanaga-Flusses leben die Gorillas in einem der am dichtesten besiedelten Gebiete des westlichen Zentralafrika. Die Tiere sind auf kleine Waldinseln der höheren Lagen verteilt. Es gibt drei größere Gorillavorkommen: die Cross-River-Gorillas an der Grenze zwischen Kamerun und Nigeria, die Gorillas des Ebo-Walds knapp 100 km nördlich des Sanaga-Flusses und die Gorillas des Deng-Deng-Walds zwischen dem Lom-Pangar-Flusssystem und dem Yong-Fluss westlich von Belabo.
Der Ebo-Wald liegt nördlich des Sanaga-Flusses und umfasst eine Fläche von etwa 1500 km². Im zentralen Teil des Walds leben mindestens eine Gruppe mit 12 Gorillas und ein einzelner Gorillamann. Kürzlich wurden westlich des Ebo-Flusses Gorillanester einer kleineren Subpopulation entdeckt. Die Tiere sind stark durch Wilderer bedroht, denn die Nähe zu großen Städten wie Douala und Yaoundé erhöht die Nachfrage nach Wildfleisch.
In der Belabo-Region etwa 320 km nordöstlich des Ebo-Walds sind die Gorillas auf drei Waldgebiete beschränkt: das Deng-Deng-Waldreservat, das Sanaga-Yong-Schimpansen-Schutzgebiet und einen kleinen Wald nordöstlich von Nanga Eboko. Vor allem im Deng-Deng-Wald leben viele Gorillas und Schimpansen. Auch hier ist die größte Bedrohung die Jagd.
Bei den Cross-River-Gorillas handelt es sich um eine eigene Unterart. Der einzige existierende Schädel eines Gorillas aus der Ebo-Region zeigt mehr Übereinstimmungen mit Westlichen Gorillas als mit Cross-River-Gorillas. Möglicherweise sind die Ebo-Gorillas eine Reliktpopulation nördlich des Sanaga-Flusses. Zur Zeit versucht man mit genetischen Studien die Verwandtschaftsverhältnisse der Gorillas in Kamerun und Nigeria zu klären.
Im Ebo-Wald wurde Anfang 2005 eine Forschungsstation errichtet, die einen gewissen Schutz vor Wilderei bietet. Die Regierung von Kamerun will 2006 den Ebo-Wald zum Nationalpark erklären.

Bethan J. Morgan und Jaqueline L. Sunderland-Groves

Dr. Bethan Morgan arbeitet seit 2002 für das CRES-Programm der Zoological Society of San Diego in Kamerun.
Jacqueline L. Sunderland-Groves machte 1997 eine Gorilla-Bestandsaufnahme in Takamanda. Nach 2000 untersuchte sie Cross-River-Gorillas in anderen Gebieten.


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