Gorilla-Journal 32, Juni 2006

Das HuGo-Projekt

Seit 1998 gibt es das HuGo-Projekt (Human-Gorilla Conflict Resolution), das sich um die Lösung von Konflikten zwischen Menschen und Gorillas kümmert.
Konflikte entstehen, da der Lebensraum der Gorillas immer weiter schwindet und gleichzeitig neue Felder in unmittelbarer Nähe zu den Parkgrenzen entstehen. Die Gorillas zerstören dann oft die Ernte, und beim Versuch der Bauern, sie zu vertreiben, können gefährliche Situationen für Menschen und Gorillas entstehen.
Zunächst versuchte man, den Konflikt durch Entschädigungszahlungen an die Bauern, deren Felder zerstört wurden, zu lösen. Allerdings erwies sich das nicht als dauerhafte Lösung. Folgende Alternativen wurden vorgeschlagen:

  • a) Verbesserung der Bildung der Bevölkerung,
  • b) Verjagen der Gorillas aus den Feldern,
  • c) Abgabe aus den Tourismus-Einnahmen,
  • d) ein Team zur Beobachtung der Gorillas,
  • e) Entwicklung einer Strategie für den Umgang mit Problemgorillas,
  • f) Landerwerb an den Parkrändern.

Die Vorschläge a, b, d und f werden in Uganda bereits getestet.
Seit September 1998 gibt es Teams, die die Gorillas beobachten und in kritischen Situationen einschreiten können. Sie folgen den Gorillas, sobald sich diese aus dem Park herausbewegen, und verjagen sie aus den Feldern, ohne die Tiere zu verletzen. Inzwischen gibt es 42 Teams in 9 Dörfern am Rand des Bwindi-Impenetrable-Nationalparks. Die Mitarbeiter werden geschult und erhalten Ausrüstung und Nahrungsmittel. Die Gelder dafür stammen von IGCP und UWA.
In ihrer Ausbildung lernen die Mitarbeiter verschiedene Methoden, Gorillas zu vertreiben: mit Glocken, Pfeifen, Rufen und Treiben. Die Teams erfahren auch, wie sie sich bei Ausbruch eines Feuers verhalten müssen, und bekommen Unterricht in Unternehmensgründung und Kommunikation. Sie treffen sich zweimal im Jahr zum Erfahrungsaustausch. Bei ihren Beobachtungen füllen die Teammitglieder ein standardisiertes Datenblatt aus. Eine Auswertung der Daten ergab, dass die Kombination von Rufen und Pfeifen sowie das Roden eines Streifens, der ein Weiterwandern der Gorillas stoppt, am wirksamsten waren.
Ein Problem ist der Gesundheitszustand der Teammitglieder. Da sie beim Verjagen der Gorillas in ständigem Kontakt zu den Tieren sind, besteht die Gefahr einer Übertragung von Krankheiten. Die hygienischen Verhältnisse, unter denen diese Menschen leben, lassen zu wünschen übrig. Der Zugang zu sauberem Wasser ist der kritische Punkt; nur 2,4% der Haushalte haben im Umkreis von 0,5 km sauberes Wasser. Dies erklärt, warum 71% der Mitarbeiter weniger als dreimal die Woche baden. 90% können ihren Müll nicht ordnungsgemäß entsorgen und nur 69% können Latrinen in weniger als 5 km Entfernung vom Haus nutzen.
Um die Motivation der Teams zu erhalten, bekam jedes Mitglied 400 000 Uganda-Schilling als Starthilfe zur Gründung eines eigenen Unternehmens. Die Mitarbeiter konnten sich Schafe, Gänse, Schweine oder Rinder kaufen, um mit der Viehzucht ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
In Nteko, bei der Nkuringo-Gorillagruppe, war das Verjagen der Gorillas aus den Feldern nicht besonders erfolgreich. Hier wurde beschlossen, ein Gebiet am Parkrand zu kaufen und eine Pufferzone von 4,2 km² einzurichten. Dort sollen Pflanzen angebaut werden, die für Gorillas uninteressant sind, etwa Einjähriger Beifuß (Artemisia annua), der gegen Malaria wirkt, Gras zur Rinderzucht oder Weizen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Arbeit der Teams und die Pufferzone die Konflikte zwischen Gorillas und der Bevölkerung entschärfen. Allerdings müssen noch Wege gefunden werden, die Teammitglieder auf Dauer zu motivieren, sie weiter zu schulen und ihre Lebensumstände zu verbessern.

James Byamukama und Stephen Asuma

James Byamukama arbeitet seit April 2004 als Field Officer des IGCP. Vorher war er für das Uganda Forest Department und das UNDP/GEF-Projekt zum grenzübergreifenden Biodiversitätsschutz in Ostafrika tätig.
Stephen Asuma ist Field Officer des IGCP in Uganda.
 

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