Gorilla-Journal 31, Dezember 2005
Schimpansen und Gorillas im westlichen Äquatorialafrika
Im Mai 2005 erstellten Experten auf einem Workshop in Brazzaville einen
Aktionsplan, der die wichtigsten Gebiete und Maßnahmen zum Schutz
der westlichen Flachlandgorillas (Gorilla gorilla gorilla) und
Schimpansen (Pan troglodytes troglodytes) beschreibt.
Noch in den 80er-Jahren fand man bei Untersuchungen im westlichen Äquatorialafrika
gesunde Populationen von Gorillas und Schimpansen in vielen Gebieten der
Region. Obwohl die Dichte der menschlichen Bevölkerung in diesem
Waldgebiet gering ist, haben die Menschenaffenpopulationen dort inzwischen
dramatisch abgenommen. Ziel des Aktionsplans ist es, Forschern, Naturschützern
und Geldgebern zu zeigen, wie Geldmittel am sinnvollsten eingesetzt werden
können, und den Regierungen Äquatorialafrikas bei der Erarbeitung
von Strategien zum Schutz der Menschenaffen zu helfen.
Zunächst wurden wichtige Populationen anhand verschiedener Kriterien
wie Populationsgröße, Fläche des Gebiets und seiner biologischen
Vielfalt ausgewählt. Insgesamt benannten die Experten 12 Hauptgebiete,
die bewertet wurden, und 2 weitere Gebiete, bei denen die vorhandenen
Daten nicht für eine Bewertung ausreichen. Die Gebiete umfassen eine
Fläche von 150 000 km² und beherbergen die größten
verbliebenen Populationen von Gorillas und Schimpansen der Region.
Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie
entwickelten als Vorbereitung des Workshops in Brazzaville die APES-Datenbank
(Ape Populations, Environments and Surveys). Diese Arbeit deckte deutliche
Wissenslücken auf und zeigte großen Forschungsbedarf, vor allem
bei der Verbesserung von Methoden zur Zählung der Menschenaffen sowie
bei der Beurteilung der demographischen Entwicklung ihrer Populationen.
Die drei Hauptgefahren für die Menschenaffen im westlichen Äquatorialafrika
sind Wilderei, Ebola und die Abholzung der Wälder. Das Auftreten
von Ebola hat seit 1990 die Populationen von Gorillas und Schimpansen
in großen Gebieten von Nord-Gabun und dem Norden der Republik Kongo
drastisch reduziert. Die Sterblichkeit lag in zwei untersuchten, von Ebola
betroffenen Populationen bei über 80%. Aktuell gefährdet eine
Ebola-Epidemie die Menschenaffen im Odzala-Koukoua-Nationalpark.
Abholzung bedroht vor allem in Konzessionen von Holzfirmen am Rand von
Schutzgebieten die Menschenaffen: Der industrielle Holzabbau mit seinen
Straßen und Transportmöglichkeiten führt gewöhnlich
zu einem massiven Ansteigen der Jagd auf Schimpansen und Gorillas für
den Bushmeat-Handel.
Der Schutz der 12 Hauptgebiete des Aktionsplans würde das Überleben
der Menschenaffen im westlichen Äquatorialafrika sichern. Die Umsetzung
der Schutzmaßnahmen würde in den nächsten 5 Jahren etwa
30 Millionen US-Dollar kosten. Ein wirksamer Schutz der Menschenaffen
vor Wilderei würde ihre Situation rasch verbessern. Verfolgung und
Verhaftung von Wilderern, Kontrolle des Zugangs und der Transporte in
den Holzabbaugebieten, Sensibilisierungs- und Aufklärungsmaßnahmen
sowie die Schaffung von Arbeitsplätzen für die Bevölkerung
sind dazu nötig.
Eine Menschenaffenpopulation, die durch Wilderei oder Ebola stark dezimiert
wurde, erholt sich nur langsam: Gorillas bekommen mit etwa 12 Jahren,
Schimpansen mit etwa 14 Jahren erstmals Kinder. Sie bringen nur alle 5-6
Jahre Nachwuchs zur Welt.
Lange Zeit waren die Menschenaffen im westlichen Äquatorialafrika
in den unzugänglichen Wäldern, weit entfernt von menschlicher
Zivilisation, relativ gut geschützt, doch nun sind sie vom Aussterben
bedroht. Nur die rasche Umsetzung der Empfehlungen des Expertentreffens
in Brazzaville mit internationaler Hilfe kann das Überleben der Gorillas
und Schimpansen in den sechs Ländern Äquatorialafrikas sichern.

Hauptgebiete (Priority Areas) für den Schutz
der Menschenaffen im westlichen Äquatorialafrika. Dringend untersucht
müssen die Survey Areas.
Karte: Stephen Blake/WCS
Caroline Tutin, Emma Stokes, Rebecca Kormos, Christophe
Boesch
Dr. Caroline Tutin beobachtet seit 22 Jahren Gorillas
und Schimpansen in Gabun; heute konzentriert sie sich auf Menschenaffenschutz.
Dr. Emma Stokes ist Forschungs-Koordinatorin im Nouabalé-Ndoki-Nationalpark
und arbeitet dort für WCS Kongo.
Dr. Rebecca Kormos ist Research Fellow bei Conservation International
und stellvertretende Vorsitzende der Menschenaffen-Abteilung der IUCN/SSC
Primate Specialist Group.
Dr. Christophe Boesch ist Direktor im Max-Planck-Institut für
evolutionäre Anthropologie und Präsident der Wild Chimpanzee
Foundation. Er beobachtete über 20 Jahre Schimpansen im Taï-Wald,
Elfenbeinküste, und arbeitet neuerdings mit Gorillas und Schimpansen
in Gabun.
Der Regional Action Plan for the Conservation
of Chimpanzees and Gorillas in Western Equatorial Africa, herausgegeben
von Caroline Tutin, Emma Stokes, Christophe Boesch, David Morgan, Crickette
Sanz, Trish Reed, Allard Blom, Peter Walsh, Steve Blake und Rebecca Kormos
für Conservation International, ist als PDF-Datei in Englisch
und Französisch erhältlich bei Rebecca Kormos (r.kormos@conservation.org)
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