Gorilla-Journal 31, Dezember 2005
Wildhütertraining im Virunga-Park
Seit dem Ausbruch der Unruhen im Westen der Demokratischen Republik
Kongo vor über 10 Jahren steht der ICCN ohne ausreichend finanzielle
Mittel und institutionelle Unterstützung da. Früher erwirtschaftete
allein der Tourismus im Virunga-Nationalpark genügend Einkünfte,
dass die Arbeit des ICCN im gesamten Land finanziert werden konnte. Heute
kann die Behörde ihren Naturschutzaufgaben hingegen kaum mehr nachkommen.
So sorgen die Armee und bewaffnete Banden im Virunga-Nationalpark für
anhaltende Probleme. Sie überfallen regelmäßig die Parkstationen
und Patrouillen und stehlen dabei Waffen, Uniformen, Funkgeräte und
Feldausrüstung. Die ausgeplünderten Wildhüter können
ihre Patrouillen kaum weiter durchführen. Gleichzeitig wildern die
Banden im großen Stil und sind vor allem durch den Einsatz automatischer
Waffen für einen dramatischen Rückgang des Wildtierbestands
verantwortlich.
Um den Schutz der ICCN-Wildhüter, ihrer Familien und der einzigartigen
Tierwelt unter diesen heiklen Bedingungen zu sichern, startete die ZGF
mit Unterstützung der London Zoological Society, der EU, des
US Fish and Wildlife Service und der UNESCO ein umfangreiches Trainingsprogramm
für die Wildhüter.
In Ishango am Ufer des Semliki-Flusses wurde ein gut ausgerüstetes
Trainingszentrum errichtet. Dort durchlaufen die 480 Wildhüter ein
Basistraining. Der ICCN erstellt dabei gemeinsam mit internationalen Ausbildern
aufgrund verschiedener physischer und psychischer Kriterien persönliche
Profile aller Wildhüter. Anhand dieser Profile werden einige Mitarbeiter
ausgewählt, die sich in einem dreimonatigen Kurs für eine Eliteeinheit
qualifizieren können. Neben dem enormen Prestigegewinn erwarten die
50 Ausgewählten neue Uniformen und eine Verdopplung ihres Gehalts.
Die Schulung soll es der neuen Truppe ermöglichen, auch unter schwierigen,
manchmal feindlichen Bedingungen die Wilderei wirksam zu bekämpfen.
Das Programm bildet die Männer der schnellen Eingreiftruppe dabei
im Gesetzesvollzug und im Naturschutzmanagement aus. Im Vordergrund stehen
moderne Methoden z. B. zur Konfliktlösung oder Kontaktpflege. Zusätzlich
wird ein standardisiertes Vorgehen zum Einsatz gegen Wilderer eingeführt
und mit hoch aktuellen Überwachungsdaten aus allen Sektoren kombiniert.
Zur Ergänzung der Boden-Patrouillen überwacht die ZGF in Zusammenarbeit
mit dem ICCN den Park mit einem Kleinflugzeug.
Beim ICCN hofft man so nicht nur den Bestand gefährdeter Arten im
Virunga-Nationalpark langfristig zu erhalten, sondern auch den Schutz
der Mitarbeiter und ihrer Familien zu verbessern.
Robert D. J. Muir
Robert D. J. Muir arbeitete in mehreren Naturschutzprogrammen
in Afrika, Asien und Mittelamerika, bevor er im Februar 2004 zur ZGF kam.
Er ist dort für das ZGF-Schutzprojekt im Virunga-Nationalpark zuständig.
Schwerpunkte des Projekts sind Wildhüter-Ausbildung, Kommunikation
sowie Gorilla- und Schimpansenschutz.
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