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Gorilla-Journal 31, Dezember 2005
Gorillas im Maïko-Nationalpark
Im Südteil des Maïko-Nationalparks wurde zwischen Februar und
Mai 2005 eine Studie durchgeführt, die die Bedrohung und die Verbreitung
der großen Säugetiere erfasste. Seit 2003 unterstützt
der DFGFI ein Programm, das das Verbreitungsgebiet der Grauergorillas
im Maïko-Nationalpark untersucht und ihren Schutz in Zusammenarbeit
mit dem ICCN sichern soll.
Der Maïko-Nationalpark umfasst ein Gebiet von rund 10 000 km²
und ist der größte Tieflandregenwald-Nationalpark im Osten
der Demokratischen Republik Kongo. Wegen seiner Unzugänglichkeit,
der langen Anwesenheit von Rebellen im südlichen und zentralen Teil
sowie des seit fast 10 Jahren dauernden Bürgerkriegs gab es lange
Zeit keine aktuellen Daten zu den Beständen der großen Säugetiere
im Park.
Die Untersuchung von Gorillanestern und Spuren im südwestlichen Teil
des Parks zeigte, dass Gorillas auf einer Fläche von 1875 km²
vorkommen. Auch südlich der Straße von Kisangani nach Bukavu
- beim Lowa- und Oso-Fluss - wurden Gorillaspuren gesichtet. Typische
Gebiete für die Gorillas sind steile Berge und tiefe Täler mit
dichter Vegetation.
Nach einer Zählung von Nestern schätzen wir den Gorillabestand
im südwestlichen Maïko-Nationalpark auf 185-315 Tiere. Westlich
und südlich der Parkgrenzen leben mindestens 200 weitere Gorillas.
Rechnet man die Säuglinge hinzu, die selbst keine Nester bauen, so
ergibt sich eine Gesamtzahl von 600 Grauergorillas für diese Region.
Die Studie zeigte, dass im Maïko-Nationalpark Gorillas häufiger
und weiter verbreitet sind als bisher angenommen. Dies macht den Park
zu einem wichtigen Gebiet für den Schutz dieser Tiere.
Schimpansen kommen im Südteil des Maïko-Nationalparks in denselben
Gebieten wie die Gorillas vor, aber wir zählten insgesamt nur etwa
halb so viele Schimpansen- wie Gorillanester.
Bei der Zählung im Südteil des Parks identifizierten wir 35
Säugetierarten, darunter 7 Affenarten, Flussschweine und Ducker.
Okapispuren wurden in einem Gebiet von 625 km² innerhalb des Parks
und in der Gegend von Mundo westlich des Parks gefunden. Waldbüffel
kommen im gesamten untersuchten Gebiet vor, vor allem entlang der Wasserläufe.
Den endemischen Kongopfau, zu dessen Schutz der Nationalpark auch geschaffen
wurde, beobachteten wir innerhalb des Parks und westlich der Parkgrenzen.
Besonders dramatisch ist die drastische Abnahme der im Park lebenden Elefanten
in den letzten 13 Jahren. Nur dreimal haben wir frischen Elefantendung
entlang der Pfade zu den mineralreichen Sümpfen gefunden. Im angrenzenden
Wald entdeckten wir keine Spuren lebender Elefanten, sondern nur die Kadaver
von 5 Tieren, die innerhalb der letzten 12 Monate wegen des Elfenbeins
getötet worden waren. In den Jahren des Bürgerkriegs wilderten
Rebellen unzählige Elefanten im Park und tauschten das Elfenbein
gegen Waffen von Händlern aus Kisangani.
Eingriffe durch den Menschen kommen in diesem Teil des Parks häufig
vor: Schlingen, Minen und Jagdcamps wurden in allen untersuchten Gebieten
gefunden, und immer noch leben in einigen Regionen des Parks Rebellen.
Die lokale Bevölkerung ist sehr arm und Fleisch von Haustieren fast
nicht verfügbar. Das bedeutet, dass die meisten Familien auf Wildtiere
als Proteinquelle angewiesen sind. Obwohl der Wald im Park nicht systematisch
abgeholzt wird, gibt es viele Bereiche, die man für den Anbau von
Maniok, Reis und Bananen gerodet hat.
Illegaler Abbau von Erzen wie Gold und Diamanten ist ebenfalls häufig.
Die Lebensbedingungen der Menschen, die in diesen Minen leben, sind sehr
einfach; fehlende sanitäre Anlagen stellen eine große Gefahr
für Menschen und Gorillas dar. Für die Arbeiter in den Minen
ist Wildfleisch häufig die wichtigste Nahrungsquelle.
Wir verfolgten 15 Tage lang den Handel auf dem Markt von Lubutu und stellten
dabei fest, dass Wildfleisch 65% des zum Kauf angebotenen Fleisches ausmachte.
Während dieser Zeit wilderten Militärs mindestens einen Büffel,
einen Elefanten und zwei Waldschweine im Park. Auch Kongopfaue wurden
an der Straße von Kisangani nach Bukavu verkauft.
Im Anschluss an diese erste Untersuchung im Südteil des Maïko-Nationalparks
führte das ICCN die ersten regulären Patrouillen seit 10 Jahren
im Park durch und will in Zukunft mit Unterstützung des DFGFI regelmäßige
Kontrollen zum Schutz der Gorillas vornehmen.
nach einer Vorlage von DFGFI/Brad Mulley
Stuart-Christopher Nixon, Emile-Emmanuel Ngwe, Kambale
Mufabule, Francine Nixon, Didier Bolamba, Patrick Mehlman
Stuart-Christopher Nixon untersuchte Gorillas in
der Zentralafrikanischen Republik und im Tayna-Gorillareservat. Seit 2004
arbeitet er für das "Landscape graueri"-Programm des DFGFI.
Emile-Emmanuel Ngwe ist seit fast 25 Jahren für das ICCN tätig
und im Augenblick Konservator im Südteil des Maïko-Nationalparks.
Kambale Mufabule, Botaniker, arbeitet seit 2001 im Tayna-Gorillareservat.
2004 wurde er wissenschaftlicher Direktor von UGADEC.
Francine Nixon ist seit 2004 Forschungsassistentin beim Afrika-Programm
des DFGFI im Kongo.
Didier Bolamba arbeitet seit über 10 Jahren für das ICCN
und ist jetzt Chef-Aufseher im Maïko-Nationalpark.
Dr. Patrick Mehlman ist wissenschaftlicher Direktor und Vizepräsident
des Afrika-Programms von DFGFI, das er seit 2001 leitet.
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