Gorilla-Journal 31, Dezember 2005

Neues aus Kahuzi-Biega

Massaker an der Bevölkerung in der Nähe des Kahuzi-Biega-Nationalparks haben ruandische Milizen auch in den letzten Monaten verübt. Wiederholt wurden Dörfer in Nindja und Walungu angegriffen und geplündert - deshalb organisierte die Armee der Demokratischen Republik Kongo (FARDC) mit Unterstützung von Einheiten der Vereinten Nationen im Kongo (MONUC) Operationen zur Vertreibung der Milizen. Bei ihrer Flucht rächten sich diese jedoch an der Bevölkerung.
So wurden in der Nacht vom 23. auf den 24. Mai 13 Personen getötet, 4 verletzt und 5 in den Park verschleppt. Am 4. Juli wurde die Station Mugaba überfallen und der Besitz der Wildhüter sowie Waffen und Funkgeräte geraubt. Ein Wildhüter wurde als Geisel genommen und ist bis heute vermisst. Am 8. Juli konnten die Wildhüter der Station Tshivanga mit Hilfe von FARDC-Einheiten einen Angriff abwehren. Am 9. Juli wurden die Wildhüter von Madiriri von ruandischen Milizen überfallen. Am 10. Juli verbrannten 45 Personen, vor allem Frauen und Kinder, in ihren Häusern in Kalonge bei einem Angriff derselben Milizen. Nach diesem Massaker flohen 14 476 Menschen in die Nähe des Parks.
Insgesamt 32 000 Flüchtlinge leben im Gebiet von Kalonge. Um ihren Druck auf die Ressourcen des Parks zu verringern, hat das WFP 350 Tonnen Lebensmittel für die Flüchtlinge zur Verfügung gestellt, die vom Parkprojekt verteilt wurden. Diese Aktion half einmal mehr, das Vertrauen der Bevölkerung gegenüber den Park-Aktionen und dem Projekt PNKB-GTZ (Parc National de Kahuzi-Biega) zu verbessern.
Die Parkverwaltung bekam zwischen dem 1. und 5. September 1000 Soldaten der Armee zur Seite gestellt, um eine Razzia (auch mit Hilfe der MONUC) in den für den Tourismus vorgesehenen Gebieten im Hochland des Parks durchzuführen. Bei diesen Patrouillen wurden mehrere Camps der ruandischen Milizen zerstört.

Zwillinge
Nabintu (links) mit ihren Zwillingen und Bashige mit dem überlebenden Kind Numbi am 6. September
Foto: Carlos Schuler

Neues von den Gorillas
Wie schon berichtet, brachte in der Chimanuka-Familie am 29. April 2005 Nabintu die Zwillinge Mushoho und Busasa auf die Welt, die sich gut entwickeln. In der gleichen Gruppe bekam Bashige am 23. Juli Zwillinge, die jedoch beide sehr schwach waren. Eines der Babys ist mittlerweile gestorben und das zweite immer noch sehr schwach, und wir können nur hoffen, dass es überleben wird. Die Chimanuka-Gruppe besteht nun aus 28 Tieren.
Der Silberrückenmann Mugaruka hatte sich im September 2002 von seinen Frauen getrennt und noch einige Zeit mit seinem Sohn Chubaka zusammengelebt. Im Mai 2004 schlossen sich ihm die 8 verbliebenen Mitglieder der ehemaligen Gruppe von Mishebere an, der 2002 getötet worden war. Inzwischen hat der junge Schwarzrücken Mankoto jedoch Mugaruka vertrieben und die Familie mit 11 Gorillas übernommen. Mugaruka lebt nun als Einzelgänger.

Ein Unglück für Kahuzi-Biega
Am 26. September hat ein Feuer das Gebäude des Nationalparkprojekts PNKB-GTZ in Bukavu teilweise zerstört. Die Bibliothek mit 2000 Büchern, 7 Computer, Akten des Nationalparks und Geld fielen den Flammen zum Opfer. Die Ursache des Brands wird noch untersucht.
Trotz dieses Unglücks werden die Arbeiten des Projekts zum Schutz des Kahuzi-Biega-Nationalparks und zur Entwicklung seiner Umgebung weitergeführt.

abgebranntes Gebäude  Foto: Carlos Schuler

Bernard Iyomi Iyatshi und Carlos Schuler

Bernard Iyomi Iyatshi ist seit August 2002 Konservator des Kahuzi-Biega-Nationalparks. Bevor er 1990 in Kahuzi-Biega begann, hatte er bereits in mehreren anderen Nationalparks und in der ICCN-Zentrale gearbeitet.
Carlos Schuler war zunächst Setzer, danach Windsurf- und Skilehrer. 1983 besuchte er Bukavu, zwei Jahre später kam er zurück und seit 1994 arbeitet er dort für die GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit).

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