Gorilla-Journal 30, Juni 2005

Probleme mit der Nkuringo-Gruppe

Seit 1996 wird die Nkuringo-Gruppe an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt und kann jetzt von Touristen besucht werden. Welche Probleme diese Habituierung mit sich bringt, untersuchen wir seit 1999. Das größte Problem ist dabei, dass sich die Gorillas oft außerhalb der Parkgrenzen aufhalten. Die Nkuringo-Gruppe verbringt den Hauptteil ihrer Zeit außerhalb des Parks (76% ihrer Nestplätze finden sich dort), wobei sich die Gorillas meist nur bis etwa 400 m von der Parkgrenze entfernen. Allerdings wurden auch schon Gorillanester in der Nähe der Hauptstraße bei Ntungamo etwa 1,2 km von der Parkgrenze entfernt gefunden.
Die Aktivitäten der Gorillas außerhalb des Parks führen zu zahlreichen Problemen für die Tiere und die dort lebenden Menschen: Die Gorillas wandern in die Felder der Bauern und zerstören Bananenplantagen, fressen Eukalyptus und graben Süßkartoffeln aus. Wenn Menschen versuchen, die Tiere zu vertreiben, können sie angegriffen werden. Der Aufenthalt der Gorillas nahe der Dörfer birgt auch die Gefahr, dass Krankheiten von Menschen auf Gorillas und umgekehrt übertragen werden.
Zur Lösung dieser Probleme wurde eine 350 m breite Pufferzone außerhalb der Parkgrenzen eingerichtet. Maßgeblich für den Erfolg ist allerdings ein gutes Management dieser Pufferzone. Inzwischen nutzt die Nkuringo-Gruppe dieses Gebiet verstärkt und macht sich über die verlassenen Bananenplantagen und Felder her. Wenn die Tiere nun nicht mehr von dort vertrieben werden, ist zu befürchten, dass sie von dort aus weiter in die Felder außerhalb der Pufferzone wandern. Daher sollten die Wildhüter die Gorillas weiterhin aus der Pufferzone in den Park treiben, damit diese Zone ihren Sinn nicht verliert.
Ein weiterer wichtiger Punkt zum Schutz der Nkuringo-Gorillas sind tägliche Kontrollen des Gesundheitszustands der Tiere. Kranke Tiere können von Tierärzten behandelt werden, wenn die Krankheit rechtzeitig erkannt wird. Verstorbene Gorillas müssen unbedingt gründlich untersucht werden, um eine Ausbreitung ansteckender Krankheiten auf die ganze Gruppe zu verhindern.
Ein ganz anderes Problem ist die Anwesenheit von Militärtruppen im Gorillagebiet: Über 100 Soldaten sind bei Nteko stationiert. Sie marschieren mitten durch die Gorillagruppe; sie schlafen, kochen und verrichten ihre Notdurft an den Gorillapfaden. Zur Sicherheit der Gorillas und der Soldaten sollten die Militärs vor ihrem Aufenthalt im Park geschult oder von Wildhütern begleitet werden.

Michele L. Goldsmith

Bwindi und Nkuringo-Gruppe  nach einer Karte der Autorin

Dr. Michele L. Goldsmith befasst sich seit 1996 mit der Sozio-Ökologie der Gorillas und Schimpansen von Bwindi. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Anthropologie des Dartmouth College.
 

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