Gorilla-Journal 30, Juni 2005

Gorilla-Bestandsaufnahme in Kahuzi-Biega

Nach dem Krieg wollen wir nun neue Strategien zum Schutz der Gorillas und Schimpansen im Kahuzi-Biega-Nationalpark entwickeln. Vor dem Bürgerkrieg war der Park mit etwa 8000 Grauergorillas der wichtigste Lebensraum dieser Gorilla-Unterart.
Während des Kriegs verlor das ICCN die Kontrolle über weite Teile des Nationalparks: Große Teile des Hochlandsektors mit 600 km² und der gesamte Tieflandteil mit 5000 km² waren für die Wildhüter nicht zugänglich. Im Hochlandteil haben Feuer und Abholzung Teile des Lebensraums der Gorillas zerstört. Der Korridor, der die beiden Teile des Parks verbindet, wurde in großen Bereichen abgeholzt und von Menschen besiedelt.
Im letzten Jahr hat sich die Sicherheitslage in der Region endlich deutlich verbessert. Das GTZ-Programm wurde verlängert und die Zone um den Park bekommt Hilfe vom USAID-Programm CARPE und dem Congo Basin Forest Partnership.
Im November 2004 führten WCS- und ICCN-Teams eine Zählung der Gorillas im Hochlandteil des Parks durch. Sie zählten mindestens 168 Gorillas - das ist zwar viel weniger als die 250-270 Tiere vor dem Krieg, aber mehr als die vor 4 Jahren geschätzten 130. Die Zahl der Schimpansen scheint über die Zeit gleich geblieben zu sein.
Allerdings hängt das Schicksal der Gorillas nicht nur von Wildhüter-Patrouillen ab, sondern vor allem von der Erhaltung ihres Lebensraums. Im Hochlandteil des Parks vermehrt sich im Augenblick die Lianenart Sericostachys scandens sehr stark, die zunächst die durch Feuer und Abholzung entstandenen Freiflächen besiedelte, aber nun die Bäume und die Bambuspflanzen zerstört. Die Ursachen für die Vermehrung dieser Liane sind bisher nicht bekannt, aber die Pflanze stellt eine ernste Bedrohung für den Lebensraum der Gorillas dar.
Die Wildhüter-Teams bereiten sich nun darauf vor, den Tieflandteil des Parks zu besuchen, über den es kaum aktuelle Informationen gibt und zu dem sie seit langer Zeit kaum Zugang hatten. Ende 2003 nahmen die ICCN-Mitarbeiter die Arbeit in den beiden Stationen Itebero und Nzovu wieder auf. Im Mai 2005 konnte der Parkdirektor Bernard Iyomi Iyatshi zum ersten Mal seit 9 Jahren die Station Hombo besuchen.
Der riesige Tieflandteil wird jedoch auch in Zukunft nicht ganz von ICCN-Patrouillen zu kontrollieren sein. Wesentlich ist es daher, dass die Parkmitarbeiter genaue Informationen über das Vorkommen der Gorillas und Schimpansen bekommen und die Gefahren, die ihnen drohen, richtig einschätzen. So können - auch gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung - wirksame Schutzmaßnahmen für die Menschenaffen und ihren Lebensraum entwickelt werden.

John Hart und Innocent Liengola

I. Liengola in Itebero   Foto: Innocent Liengola
Innocent Liengola mit Wildhütern vor der Station Itebero

Frühere Bestandsaufnahme: 2000

Dr. John Hart leitet das Forschungsprogramm von WCS in der Demokratischen Republik Kongo. Er hat mehr als 30 Jahre Erfahrung mit Feldforschung und Naturschutz in diesem Land, u. a. mit den Gorilla-Bestandsaufnahmen in Kahuzi-Biega und Itombwe seit 1994.

Innocent Liengola, Botaniker, arbeitet seit 1994 für WCS im Kongo. Seit 2002 ist er WCS-Projektdirektor für Kahuzi-Biega. Er leitete die Be-standsaufnahmen im Hochlandteil des Parks 2004 und macht jetzt eine Bestandsaufnahme im Tieflandteil.

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