Gorilla-Journal 30, Juni 2005

Cabinda - Gorillas im Maiombe-Wald

Den südwestlichsten Teil des tropischen Regenwalds im Kongobecken bildet der Maiombe-Wald (auch Mayombe oder Mayumbe). Er ist die südwestliche Verbreitungsgrenze der Schimpansen und Gorillas. Dieser Regenwald erstreckt sich über Gabun, die Republik Kongo, die Demokratische Republik Kongo und bildet den bergigen Nordosten der angolanischen Enklave Cabinda. Der größte Teil des Gebiets wurde im letzten Jahrhundert genutzt, daher finden sich vor allem Sekundärwälder unterschiedlicher Sukzessionsstufen und dazwischen letzte Reste Primärwalds mit einer artenreichen Fauna.
Nach fast 40 Jahren Bürgerkrieg sowie anhaltenden politischen und wirtschaftlichen Problemen leidet der Wald in Cabinda unter starker Degradation. Vor allem Abholzungen, Rodungen und Wilderei setzen dem Regenwald zu. Zur Nutzung zum Eigenbedarf kommt die kommerzielle Ausbeutung hinzu, etwa für grenzüberschreitenden Bushmeat-Schmuggel, gelegentliche Elfenbein-Wilderei oder Handel mit Wildtieren.
Wirksame Schutzmaßnahmen gegen illegale Aktivitäten können derzeit nicht durchgesetzt werden. Ein Grund dafür sind bewaffnete Konflikte in der Provinz. Nach der Unterzeichung des Friedensvertrags im April 2002 ist Cabinda die letzte Unruhezone Angolas.
Im Oktober 2000 wurde eine Initiative gestartet, um den Schutz des Maiombe-Walds zu verbessern. Staatliche und nichtstaatliche Or-ganisationen unterstützen die Aktivitäten, gemeinsam mit der UNEP, Ölfirmen und einem internationalen Berater. Die Ziele sind die Erhaltung und die wissenschaftliche Untersuchung des Walds. Ein hoher Stellenwert kommt dabei den Gorillas und Schimpansen zu.
Der Erfolg des Schutzprogramms hängt von der Unterstützung durch die Regierung und wichtige Interessengruppen ab, aber auch von der aktiven Beteiligung der Kommunen. So werden lokale Entscheidungsträger in die Planungen einbezogen. Die Schaffung von alternativen Einkommensquellen steht dabei im Vordergrund, denn Armut und mangelnde Perspektiven verschärfen Wilderei und die nichtnachhaltige Nutzung des Walds.
Im Rahmen eines Pilotprojektes erhielten zum Beispiel verschiedene Familien Schafe und Ziegen, um durch Tierzucht und Fleischproduktion ihr Einkommen aufzubessern. In einem anderen Projekt wurden Baumschulen für Aufforstungen angelegt. Langfristig bietet der Aufbau eines Ökotourismus in der Region eine wirtschaftliche Perspektive.
Zur Realisierung der Maßnahmen ist substanzielle internationale Unterstützung notwendig, z. B. um wissenschaftliche Erhebungen und den Aufbau einer Schutztruppe zu finanzieren. Eine grenzüberschreitende Initiative soll die Zusammenarbeit der vier Länder koordinieren, in denen der Maiombe-Wald liegt. Die Artenschutzbemühungen starteten im Oktober 2000 mit einer öffentlichen Informationskampagne. Lokale Streitkräfte und Gemeinden wurden in weiteren Kampagnen 2003 und 2004 über die Bedeutung und den Schutz des Gebiets aufgeklärt.

Tamar Ron

Cabinda-Karte   nach einer Karte der Autorin

Dr. Tamar Ron ist Primatologin und seit 25 Jahren u. a. im Biodiversitätsschutz tätig. 2000-2004 war sie UNDP-Beraterin der angolanischen Regierung. Die Regierung von Cabinda bat sie um ihre Mitarbeit beim Maiombe-Waldprojekt.

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