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Gorilla-Journal 30, Juni 2005
Touristen und Gorillas in Bwindi
Beeinflusst der Tourismus das Verhalten von Gorillas? Dies untersuchte
ich bei den beiden habituierten Gorillagruppen Mubare und Habinyanja in
Buhoma. Das Ziel war, zu prüfen, ob die bestehenden Regeln für
Touristenbesuche ausreichen, die Tiere zu schützen.
Der Tourismus ist wichtig für den Gorillaschutz in Uganda, Ruanda
und der Demokratischen Republik Kongo. Für Gorillabesuche müssen
die Touristen hohe Gebühren entrichten, die eine wichtige Geldquelle
für diese Länder darstellen und zum Erhalt der Schutzgebiete
beitragen. Andererseits bergen sie auch Gefahren für die Berggorillas:
Krankheiten können vom Menschen auf die Tiere übertragen werden,
die Anwesenheit von Besuchergruppen führt zu Stress bei den Gorillas
und kann Verhaltensstörungen auslösen. Gestresste Tiere stellen
ihrerseits ein Risiko für Touristen und Wildhüter dar, da es
zu Angriffen auf Menschen kommen kann.
In meiner Studie zeigten sich deutliche Unterschiede in der Aktivität
der Gorillas vor, während und nach den Besuchen. Die Gorillas verwendeten
weniger Zeit für die Nahrungsaufnahme und verbrachten mehr Zeit mit
sichernden Blicken, wenn Menschen anwesend waren. Während der Besuche
blieben die Gruppenmitglieder enger beisammen und hielten sich bevorzugt
in der Nähe des Silber-rückenmanns auf.
Einige Verhaltensweisen der Touristen oder Wild-hüter führten
sogar dazu, dass die Gorillas sich entfernten, ihre Nahrungsaufnahme abrupt
unterbrachen oder Drohgebärden zeigten. Dies geschah, wenn Menschen
sich den Gorillas auf weniger als 7 m näherten, Lärm machten,
Pflanzen entfernten, mit dem Finger auf die Tiere zeigten oder Gorillalaute
imitierten. Während der Besuche kratzten und groomten sich die Gorillas
vermehrt. Dieses Verhalten ist ein klares Zeichen für Erregung und
Stress.
Aus meiner Studie lassen sich folgende Empfehlungen für Gorillabesuche
ableiten:
- Die Begrenzung auf eine Stunde pro Besuch und Tag muss unbedingt beibehalten
werden.
- Die Touristen sollten sich nicht zwischen den Gorillas und den Wildhütern
aufhalten, da dies zu Stress bei den Tieren und zu Angriffen auf Touristen
führen kann.
- Lärm, Fingerzeigen, Nachahmen von Gorillalauten oder Brusttrommeln
stört die Tiere und muss unterbleiben.
- Fotografieren nur ohne Blitzlicht
- Die Minimaldistanz zwischen Gorillas und Touristen sollte von 5 auf
7 m erhöht werden.
- Übertretungen der Regeln müssen bestraft und Bestechungsversuche
verhindert werden.
Eine Überarbeitung der Broschüre zum Gorillatourismus ist
notwendig. Die neue Broschüre muss durch die Reiseveranstalter an
die Touristen zur Vorbereitung des Gorillabesuchs verteilt werden.
Fortunate Muyambi
Fortunate Muyambi arbeitete 2 Jah-re lang als Warden
für Forschung und Monitoring für UWA in der Region Bwindi/Mgahinga.
Im Augenblick ist er Projekt-Koordinator für Feldarbeit beim Mountain
Gorilla Conservation Fund-Uganda.
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