Gorilla-Journal 29, Dezember 2004
Abholzung am Mikeno
Im April 2004 begann ein ökologisches Desaster im Virunga-Nationalpark:
Ruandische Bauern holzten auf Anweisung des ruandischen Militärs
immer größere Waldflächen im Mikeno-Sektor ab (genauere
Informationen). Bis zu 6000 Personen kamen täglich über
die Grenze, um Holz zu fällen. Das Land wurde an Ruander verkauft.
Als Ziel der Abholzungsaktion wurde offiziell die Sicherheit Ruandas angegeben
- im Wald können bewaffnete Gruppen unbemerkt über die Landesgrenze
gelangen.
Luftaufnahmen der ZGF und der EU am 12. Juni zeigten, dass die Waldzerstörung
mit einer Geschwindigkeit von 2 km² am Tag voranschritt und dass
bereits 15 km² Wald abgeholzt worden waren. Das ICCN alarmierte umgehend
die internationale Gemeinschaft, die Europäische Kommission, UNESCO
und USAID sowie Diplomaten und andere einflussreiche Ausländer. Diese
übten Druck auf die ruandische Regierung und die lokalen Chefs aus
und forderten, die Zerstörung des Walds zu beenden. Am 27. Juni 2004
gab das ruandische Militär schließlich den Befehl an die Bauern,
das Schutzgebiet zu räumen.
Das ICCN schlug nun den Bau einer 20 km langen, 1 m breiten und 1 m hohen
Steinmauer vor, um die Parkgrenze zu markieren und Nutztiere am Betreten
des Parks zu hindern. Mit finanzieller Unterstützung der ZGF, der
EU, von UNEP, IGCP und WWF begann am 6. Juli 2004 der Mauerbau. 42 kongolesische
Gesellschaften wurden mit den Arbeiten betraut. Für das Teilstück
nahe der ruandischen Grenze beauftragte man 6 ruandische Baugesellschaften.
Ende September 2004 waren 12 km der Mauer gebaut. Das ICCN rechnet damit,
dass der Rest Ende November fertig sein wird.
Der Mauerbau bot eine gute Gelegenheit, Ruander und Kongolesen auf lokaler
Ebene zusammenzubringen - ein erster Schritt zu einem besseren gegenseitigen
Verständnis. Das ICCN nutzte die Arbeiten auch für eine Aufklärungskampagne,
um den Menschen die Bedeutung des Nationalparks für die lokale Bevölkerung
und die Tierwelt näher zu bringen.
Robert D. J. Muir
Robert D. J. Muir arbeitete in mehreren Naturschutzprogrammen
in Afrika, Asien und Mittelamerika, bevor er im Februar 2004 zur ZGF kam.
Er ist dort für das ZGF-Schutzprojekt im Virunga-Nationalpark zuständig.
Schwerpunkte des Projekts sind Wildhüter-Ausbildung, Kommunikation
sowie Gorilla- und Schimpansenschutz.
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