Gorilla-Journal 29, Dezember 2004

Krieg gegen Wildhüter

480 Wildhüter arbeiten in den Stationen und Patrouillenposten, die über den Virunga-Nationalpark verteilt sind. Mit seinen 7900 km² ist er eines der vielfältigs-ten Schutzgebiete der Welt. Seine Erhaltung hängt ganz entscheidend vom Einsatz und der Arbeitsmoral der Wildhüter ab – doch diese sind selbst das Ziel von Angriffen und brauchen dringend Schutz.
Um 2.45 Uhr morgens am 7. September 2004 griffen mehr als 100 Banditen und Ex-Militärs die Parkstation Kabaraza an. Der Konservator hörte, wie draußen die 33 Wildhüter eilig alle Frauen und Kinder ins Gebüsch brachten und in den Park flüchteten, da sie den Angreifern in Zahl und in der Bewaffnung unterlegen waren. Um sein Leben zu retten, kletterte er in ein Loch in der Decke des Vorratslagers. Knapp eine Minute später stürzten einige Bewaffnete in sein Haus, schauten in jeden Raum und plünderten. Sie entdeckten ihn nicht, aber nahmen alles mit, was ihnen wertvoll erschien, einschließlich der Solarkollektoren auf dem Dach.
Als der Konservator seine Männer versammelte, um festzustellen, ob alle da waren, erfuhr er, dass ein Wildhüter erschossen und einer schwer verletzt worden war. Der Verletzte ist heute halbblind und halbseitig gelähmt.
Die Station war stark beschädigt, jedes Haus aufgebrochen und geplündert, einschließlich der Kantine und des Medikamentenlagers. Auch 10 Gewehre hatten die Banditen mitgenommen, sodass sich die Wildhüter gegen weitere Attacken schlechter verteidigen konnten.
Leider war dieser Angriff kein Einzelfall. Die Wildhüter sind seit Januar 2004 regelmäßig Ziel von Überfällen. 13 Angriffe auf Parkstationen und Patrouillenposten hat es in diesem Jahr gegeben; nur 3 konnten erfolgreich abgewehrt werden. In manchen Gebieten werden die Banditen sogar von der Bevölkerung unterstützt.

Robert D. J. Muir

Lage von Kabaraza

Robert D. J. Muir arbeitete in mehreren Naturschutzprogrammen in Afrika, Asien und Mittelamerika, bevor er im Februar 2004 zur ZGF (Zoologische Gesellschaft Frankfurt) kam. Er ist dort für das ZGF-Schutzprojekt im Virunga-Nationalpark zuständig. Schwerpunkte des Projekts sind Wildhüter-Ausbildung, Kommunikation sowie Gorilla- und Schimpansenschutz.

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