Gorilla-Journal 29, Dezember 2004
Neues aus der Gorilla-Genetik
Viele Jahre lang sammelte das Centre International de Recherches Médicales
de Franceville (CIRMF) in Gabun genetisches Material von Gorillas
aus ganz Afrika, um ihre verwandtschaftlichen Beziehungen zu untersuchen.
Nun liegen Ergebnisse vor, die auch Fachleute überrascht haben.
Die Einteilung der Gorillas ist immer wieder in der Diskussion. Aktuell
unterscheiden Experten zwei Gorillaarten: die Westlichen (Gorilla gorilla)
und die Östlichen Gorillas (Gorilla beringei). Innerhalb der
Westlichen Gorillas nimmt man zwei Unterarten an, die Flachlandgorillas
(G. g. gorilla) und die Cross-River-Gorillas (G. g. diehli).
Bei den Östlichen Gorillas vermutet man drei Unterarten: die Grauergorillas
(G. b. graueri), die Virunga-Gorillas (G. b. beringei) und
die Bwindi-Gorillas.
Bei der Klärung der Verwandtschaft einzelner Gorilla-Populationen
werden seit den 80er-Jahren große Hoffnungen auf genetische Untersuchungen
gesetzt. Dazu analysiert man Erbmaterial aus Kot- und Haarproben, besonders
mitochondriale DNA (mtDNA), die sich nicht in den Chromosomen des Zellkerns,
sondern in den Mitochondrien befindet.
Aus mehreren hundert Haarproben von Gorillas verschiedener Herkunft konnten
wir 4 so genannte mtDNA-Haplogruppen unterscheiden. Haplogruppe A kommt
bei den Virunga-Gorillas, Haplogruppe B bei den Grauergorillas, Haplogruppen
C und D bei Westlichen Gorillas vor. Da die Haplogruppen C und D sehr
variabel sind, haben wir sie aufgeteilt. Bei D sind es 3 Untergruppen:
D1 mit Gorillas aus Guinea, D2 aus der Zentralafrikanischen Republik und
Nord-Kongo, D3 aus Gabun und dem benachbarten Kongo. In der Haplogruppe
C kann man 2 Untergruppen trennen: die Cross-River-Gorillas und die Tiere
aus Süd-Kamerun und Nordost-Gabun.
Welche Bedeutung haben diese Ergebnisse in Hinblick auf den Gorillaschutz?
Der große Unterschied zwischen den einzelnen Gruppen legt nahe,
dass die Gorillas im Laufe der Evolution in 4 Populationen getrennt waren.
Der Grund waren Klimaveränderungen, die die Wälder zum Schrumpfen
brachten. Da Gorillas den Wald als Lebensraum brauchen, mussten sie sich
in einige Restwälder zurückziehen. Dort haben sie sich in verschiedene
Richtungen weiterentwickelt. Diese Vielfalt sollte durch Schutzmaßnahmen
erhalten werden - in allen Ländern, in denen Gorillas leben.
Jean Wickings, Stephen L. Clifford, Nicola M. Anthony,
Kathryn Jeffery, Mireille Johnson-Bawe, Katherine A. Abernethy und Michael
W. Bruford
Dr. E. Jean Wickings leitet das Labor des CIRMF
in Gabun.
Dr. Stephen L. Clifford ist ebenfalls am CIRMF beschäftigt.
Dr. Nicola M. Anthony ist heute an der Universität von New
Orleans im Bereich Artenschutz-Genetik tatig.
Dr. Kathryn Jeffery arbeitet im Lopé-Reservat, wo sie die
Gorillapopulation genetisch untersucht hat.
Mireille Johnson-Bawe arbeitet am CIRMF und macht gerade ihre Doktorarbeit
an der Universität Cardiff.
Dr. Katherine A. Abernethy ist in der CIPMF-Außenstation
in Lopé tätig.
Prof. Michael W. Bruford leitet eine internationale Gruppe von
Wissenschaftlern in Cardiff, die sich u. a. mit Biodiversität befasst.
Den zahlreichen Mitarbeitern, die uns das genetische
Material für diese Untersuchung geliefert haben, möchten wir
an dieser Stelle ganz herzlich danken!
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