Gorilla-Journal 29, Dezember 2004

Ernährung der Bwindi-Gorillas

In unserer Untersuchung verglichen wir das Verhalten der Mubare- und der Habinyanja-Gruppe, die bei Buhoma in 1450-1800 m Höhe leben, mit dem der Kyagurilo-Gruppe bei Ruhija in 2100-2500 m. Welche Nahrung die Gorillas aufgenommen hatten, fanden wir anhand von Kotproben heraus, die täglich aus den Schlafnestern gesammelt wurden. Die Kotproben liefern Informationen über die Art und Menge der Früchte, die die Gorillas fressen. Um die krautigen Pflanzen, Sträucher und Blätter der Bäume zu bestimmen, welche den anderen Teil ihrer Nahrung ausmachen, sammelten wir die Nahrungsreste, die die Tiere bei ihrer Suche auf den Pfaden hinterließen, und werteten sie aus.
Dabei ergab sich, dass die Mitglieder der Mubare- und der Habinyanja-Gruppe insgesamt mehr verschiedene Pflanzenarten und Früchte verzehren als die der Kyagurilo-Gruppe. Außerdem setzt sich ihre Nahrung aus ganz anderen Arten zusammen. Die Mubare- und die Kyagurilo-Gruppe stimmen in der Wahl der hauptsächlich aufgenommenen Grünpflanzen zu 24,4%, bei den Früchten aber nur zu 16,7% überein. Die Habinyanja- und die Kyagurilo-Gruppe zeigen noch weniger Gemeinsamkeiten.
Diese Unterschiede in der Ernährung der Mubare- und der Habinyanja-Gruppe auf der einen Seite und der Kyagurilo-Gruppe auf der anderen beruhen zu einem großen Teil auf unterschiedlicher Verfügbarkeit von Pflanzen in den beiden Lebensräumen. Allerdings unterscheiden sich auch die Pflanzenarten, die in der Mubare- und der Habinyanja-Gruppe gefressen werden, überraschend stark: Nur 46,3% der Grünpflanzen und 62,5% der Früchte sind gleich.
Woher kommen diese Unterschiede zwischen den beiden Gorillagruppen, die doch den gleichen Lebensraum besiedeln? Vielleicht gibt es verschiedene "Ernährungstraditionen" in den beiden Gruppen, oder sie nutzen ihren Lebensraum auf etwas unterschiedliche Weise. Es kann auch sein, dass sie verschiedene Pflanzenarten mit ähnlichem Nährstoffgehalt wählen.
Wenn man die Nahrung der Bwindi-Gorillas mit der der Virunga-Gorillas und der Gorillas in Kahuzi-Biega vergleicht, stellt man fest, dass die Zusammensetzung der Nahrungspflanzen in diesen Gorilla-Populationen nur wenig Übereinstimmungen zeigt. Generell nimmt bei zunehmender Höhe des Lebensraums der Anteil der Blätter und anderer grüner Pflanzenteile zu, während der Fruchtanteil abnimmt. Die Bwindi-Gorillas fressen daher wesentlich mehr Früchte als die Virunga-Gorillas, aber weniger als die Gorillas des Kahuzi-Biega-Nationalparks.

Jessica Ganas, John Bosco Nkurunungi und Martha Robbins

Jessica Ganas ist Doktorandin am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Sie untersucht die Strategien der Nahrungswahl und Habitatnutzung bei den Bwindi-Gorillas.
John Bosco Nkurunung
i analysierte die Parasiten des Verdauungstrakts von Gorillas und Menschen in Bwindi. Danach untersuchte er die Nahrungsökologie der Bwindi-Gorillas und die Effizienz ihrer Nahrungssuche.
Dr. Martha Robbins, Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, befasst sich seit 14 Jahren mit der Verhaltensökologie von Gorillas. In den letzten 6 Jahren untersuchte sie die Sozio-Ökologie und Fortpflanzungsstrategien der Bwindi-Gorillas.
 

zur Bwindi-Übersicht

Homepage