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Gorilla-Journal 28, Juni 2004
10 Jahre Gorilla-Tourismus im Mgahinga-Gorilla-NationalparkIm Dezember 1989 startete das Gorilla- und Naturschutzprojekt
auf der ugandischen Seite der Virungavulkane: Der Biologie und Geschichtswissenschaftler
Klaus-Jürgen
Sucker begann die Aufbauarbeit mit Unterstützung des Deutschen
Tierschutzbundes und der Berggorilla & Regenwald Direkthilfe,
später trat ganz wesentlich die Unterstützung durch CIM (Centrum
für Internationale Entwicklung) hinzu. 1990. In sämtlichen Anrainergemeinden des Mgahinga-Waldes
wird eine Befragung der Bevölkerung durchgeführt, um die Haltung
zu dem geplanten Nationalpark zu ermitteln (Yeoman et al. 1990; CARE/Impenetrable
1990). Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass die Statusänderung vom
Waldreservat bzw. Wildtierschutzreservat zum Nationalpark von der Bevölkerung
begrüßt wird, wenn der Nationalpark an der bekannten und sichtbaren
Linie der Australischen Silbereichen (Grevillea robusta) entlang
der 8000-Fuß-Höhenlinie (etwa 2440 m) endet und im Westen etwas
tiefer ausläuft (Nyakagezi-Dreieck). Diese Baumreihe wurde 1944 gepflanzt
und in den 90er-Jahren waren noch viele vorhanden waren und die in der
Bevölkerung gut bekannt. Mai 1991. Parlamentsbeschluss des ugandischen Parlaments: der Mgahinga-Wald und Teile des Gorilla Game Reserve werden zum Nationalpark, dem "Mgahinga Gorilla Nationalpark", erklärt. Der Grenzverlauf folgt überwiegend der 8000-Fuß-Höhenlinie. Die Fläche des Nationalparks umfasst etwa 34 km². 1992. In einer weiteren Studie (Werikhe 1992) wurde nicht nur
das Meinungsbild beleuchtet, sondern auch die Flächengröße
der bewirtschafteten Äcker und die Zahl der Haustiere dokumentiert.
Diese Zahlen dienten in der Folgezeit dazu, die jeweilige Höhe der
Kompensationszahlungen zu ermitteln. Dabei wurde unter anderem auch deutlich,
dass 70% der Familien, die Felder und Hütten innerhalb des Nationalparks
bewirtschafteten, gleichzeitig auch Land außerhalb der zukünftigen
Nationalparkfläche besaßen. Keines der Gebäude war als
dauerhaftes Gebäude konstruiert. Im Dezember 1992 fand die letzte Ernte auf Getreidefeldern innerhalb des Nationalparks statt, seit diesem Zeitpunkt wird auf der gesamten geschützten Fläche die freie Sukzession, also die natürliche Wiederbesiedlung mit Pflanzen und Tieren auf der gesamten Fläche der Zone 2 zugelassen. Die Sukzessionzone ist etwa 10 km² groß und erstreckt sich überwiegend auf Höhenlagen zwischen ca. 2400 und 2700 m. 1993. Weiterer Aufbau der Infrastruktur des Nationalparks: Verlagerung
des Wildhüterposten an die neue Schutzgebietsgrenze; Markierung der
nördlichen Nationalparkgrenze mit 180 Zement-Pyramiden auf der 14
km langen Außenlinie des Parks. Der Grenzverlauf war jetzt durch
die etwa 1 m hohen Pyramiden gut sichtbar, doch die direkt angrenzenden
Felder waren vor Wildschäden völlig ungeschützt. Daher
wurde entlang des Außengrenze des Nationalparks eine Hecke aus Korallenbäumen
(Erythrina abyssinica) gepflanzt. In den Bereichen, wo das vulkanische
Gestein sehr oberflächennah anstand und eine Bepflanzung unmöglich
war, errichtete man anstelle der Hecke eine Natursteinmauer aus Lavagestein.
Diese heute recht populäre "buffalo wall" ist in der Folge
von anderen Projekten übernommen worden, da sie die Wildschäden
auf den Äckern tatsächlich mindert. 15. Januar 1994. Erweiterung des touristischen Angebots: Der Gorillabesuch war nun bei den Mitgliedern der so genannten Nyakagezi-Gruppe möglich. Diese Gorillagruppe wechselte regelmäßig zwischen dem ugandischen und dem kongolesischen Teil des Virungaschutzgebiets hin und her. Während der ersten zwei Monate wurden lediglich zwei Besucher pro Tag zu der Gorilla-Familie geführt, ab März dann vier Personen und ab Mai 1994 konnten maximal sechs zahlende Touristen eine Stunde pro Tag die Berggorillas besuchen. Mit zu den ersten Besuchern zählte auch (Sucker 1993b) eine Gruppe von Repräsentanten des Kisoro-Bezirkes, die erstmals die berühmten Tiere in ihrer Nachbarschaft beobachten konnten und sichtlich beeindruckt waren. Die letzte Nutzung des entwaldeten Teilgebietes im Nationalpark lag nun 12 Monate zurück und bereits nach so kurzer Zeit hatten die Gorillas ihren Lebensraum auf etwa 80% dieser Zone ausgedehnt - sie fanden auf den jungen Brachen Futter, in den kleineren Gehölzgruppen Nestbaumaterial und fühlten sich sicher. Von November 1993 bis Mitte Februar 1994 hielt sich eine Gruppe hauptsächlich in dieser für sie neuen Zone auf und "erkundete" offensichtlich das dazugewonnene Terrain. Die längsten Aufenthaltszeiten wurden hierbei in der relativen Nähe der Wildhüterlager registriert, vor allem an den unteren Hängen des Muhavuravulkans, wo Berggorillas zuvor seit mehr als 20 Jahren nicht mehr registriert worden waren. Zwei Tage hielt sich diese Gorillagruppe sogar unmittelbar im Tal der neuen Hauptstation des Parks auf, eine Zugangszeit [die Wegstreckenlänge vom Startpunkt der Gorillabesuche bis zur Gorillagruppe selbst. Anm. U. Karlowski] von nur 5 Minuten wurde von den Wildhütern registriert. Anwohner versammelten sich an der Nationalparkgrenze, um die Gorillas aus einer 'sicheren Entfernung' von ca. 100 m an der Hauptstation sehen zu können. Es blieb letztendlich unklar, welche der Gruppen (Anwohner oder Gorillas) die jeweils andere Gruppe 'interessierter' beobachtete. (Sucker 1993c) Neben dieser habituierten Gruppe nutzten jetzt auch eine Gorillagruppe
mit drei Individuen und ein einzelner Silberrückenmann die neu dazu
gewonnene Fläche. Ursula Karlowski
Literatur Dr. Ursula Karlowski befasst sich seit 1988 mit Regenwaldschutz in Ost- und Zentralafrika, vor allem in Südwestuganda. Heute arbeitet sie am Institut für Biodiversitätsforschung der Universität Rostock. |