Gorilla-Journal 28, Juni 2004

Kahuzi-Biega wieder unter Kontrolle

März 2004: Im Kahuzi-Biega-Nationalpark haben die Mitarbeiter des ICCN die Kontrolle über den Park zurückerlangt. Damit wurde zum ersten Mal wieder der Zustand erreicht, der vor Beginn der kriegerischen Auseinandersetzungen im Oktober 1996 herrschte.
Die Patrouillenstationen Kalonge, Musenyi und Lemera im Hochlandteil des Parks sowie Nzovu und Itebero sind nun wieder mit Wildhütern besetzt.
Nach ersten Berichten der ICCN-Mitarbeiter sind aber immer noch 90 Gruben zum Abbau von Coltan, Kassiterit (Zinnoxid) und Gold innerhalb des Parks in Betrieb. Insgesamt arbeiten mehr als 8000 Personen in diesen Gruben. Leider sind viele Coltan-Händler im Besitz von Handelszulassungen, die ordnungsgemäß von den Behörden unterzeichnet wurden. Sie haben ihre Ankaufsstellen fast überall um den Park herum eingerichtet.
Die über 1000 Militärs haben den Park inzwischen verlassen und die ICCN-Mitarbeiter sind dabei, ihre Spuren zu beseitigen: Die Lager wurden verbrannt, herumliegender Abfall und Batterien eingesammelt und Hunderte von ausgelegten Drahtschlingen in der Umgebung der Camps entfernt.
Zurzeit sind im Kahuzi-Biega-Nationalpark 7 Gorillagruppen unter ständiger Beobachtung. Bei den beiden für Touristen habituierten Familien gab es am 6. Januar 2004 ein Zusammentreffen der Silberrücken Mugaruka und Chimanuka, das mit dem Wechsel der letzten Frau Mugarukas in die Chimanuka-Gruppe endete. Mugaruka zieht nun gemeinsam mit einem jungen Gorillamann umher. Im Januar wurde in der Chimanuka-Gruppe ein Jungtier geboren; die Familie hat jetzt 20 Mitglieder.
5 weitere Gorillagruppen werden von den Wildhütern regelmäßig für Forschungsarbeiten beobachtet: die Langa-Familie und die Mpungwe-Familie mit jeweils 6 Tieren, die Birindwa-Familie mit 9, die Mufanzala-Familie mit 16 und die Ganywamulume-Familie mit 14 Mitgliedern. Am 31. Dezember 2003 kamen in der Mufanzala-Gruppe Zwillinge zur Welt.
Nun werden zusätzliche Mittel für verstärkte Patrouillen zum Schutz des Parks gebraucht. Eine große Aufgabe für die ICCN-Mitarbeiter bleibt es außerdem, die Menschen für den Schutz der Gorillas zu sensibilisieren und gleichzeitig eine nachhaltige Entwicklung in der Umgebung des Kahuzi-Biega-Nationalparks zu fördern.

5. Juli 2004: Mittlerweile wurden 16 der 40 Gruben im Nzovu-Sektor geschlossen.

Bernard Iyomi Iyatshi und Carlos Schuler

Bernard Iyomi Iyatshi ist seit August 2002 Konservator des Kahuzi-Biega-Nationalparks. Bevor er 1990 in Kahuzi-Biega begann, hatte er bereits in mehreren anderen Nationalparks und in der ICCN-Zentrale gearbeitet.
Carlos Schuler war zunächst Setzer, danach Windsurf- und Skilehrer. 1983 besuchte er Bukavu, zwei Jahre später kam er zurück und seit 1994 arbeitet er dort für die GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit).

zur Kahuzi-Biega-Übersicht

Homepage