Gorilla-Journal 28, Juni 2004
Gorillas im Ebo-Wald
In Kamerun leben 2 Gorilla-Unterarten: die Westlichen Flachlandgorillas
(Gorilla gorilla gorilla) und die Cross-River-Gorillas (Gorilla
gorilla diehli). Die Flachlandgorillas kommen südlich des Flusses
Sanaga vor, die etwa 250 Cross-River-Gorillas nördlich davon an der
Grenze zwischen Kamerun und Nigeria.
Ende 2002 wurde im Ebo-Wald in der Nähe des verlassenen Dorfes Bekob
in der Provinz Littoral eine weitere Gorillapopulation nachgewiesen. Mitarbeiter
von CRES beobachteten dort 7 Gorillas und ein einzelnes Tier. Diese Gorillas
leben etwa 200 km von anderen bekannten Gorillapopulationen entfernt.
Der Ebo-Wald ist eines der größten Waldgebiete in Kamerun und
umfasst eine Fläche von 1424 km². Das Gebiet ist recht bergig und
steil und liegt 200-1200 m hoch. Die Region ist kaum besiedelt und die
steilen Hänge und tiefen Täler verhindern einen kommerziellen
Holzabbau. Daher konnten im Ebo-Wald neben den Gorillas auch andere bedrohte
Primaten überleben: Schimpansen, Drills, Meerkatzen, Mangaben und
Guerezas. Auch die Waldelefanten, die in den meisten angrenzenden Gebieten
bereits ausgerottet wurden, sind im Ebo-Wald noch zu beobachten.
Um diese letzten Populationen zu schützen, schlug die kamerunische
Regierung im Januar 2003 vor, im Ebo-Wald ein Schutzgebiet einzurichten.
Ende diesen Jahres sollen die Arbeiten zur Grenzmarkierung beginnen. CRES
wird dort eine Forschungsstation errichten, um die Gorillas fortlaufend
beobachten zu können. Geplant ist auch eine Gorilla-Zählung,
um zu prüfen, ob die bisher vorgesehenen Grenzen des Gebiets zum
Schutz der Ebo-Gorillas ausreichen.
Obwohl das bergige Gebiet und die geringe Besiedelung des Umlands einen
gewissen Schutz für die Tiere im Ebo-Wald darstellt, will das CRES-Team
noch in diesem Jahr eine Studie zur Bedrohung der Ebo-Gorillas durch den
Wildfleischhandel durchführen.
Eine Besonderheit haben die Forscher bei den Gorillas, die dort leben,
schon jetzt entdeckt: Sie bauen ihre Schlafnester in Bäumen, in einer
Höhe von 15-30 m. Nester am Boden wurden bisher nicht gefunden.
Bethan Morgan
Dr. Bethan Morgan untersuchte 19971999 die
Ökologie von Waldelefanten in Gabun. Seit 2002 arbeitet sie für
das Center for the Reproduction of Endangered Species (CRES) der Zoological
Society of San Diego in Kamerun über die Ökologie von Großsäugern,
vor allem Drills. Derzeit leitet sie das CRES-Zentralafrika-Programm.

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