Gorilla-Journal 27, Dezember 2003
Mishebere ist tot
Von Oktober 2002 bis April 2003 war der Kahuzi-Biega-Park Kriegsgebiet,
besetzt von Mai-Mai-Rebellen und Soldaten der Demokratischen Republik
Kongo sowie ihren Verbündeten. Die Parkverantwortlichen führten
zahlreiche Gespräche mit den Kriegsparteien, um zu erreichen, dass
Parkmitarbeiter die besetzten Gebiete betreten und die dort lebenden Gorillagruppen
besuchen dürfen; sie erreichten, dass vier der fünf Familien,
die sich in der Nähe der Station Tshivanga aufhalten, auch während
der Besetzung des Parks beobachtet werden konnten.
Die 5., größte Gruppe war die Mishebere-Familie, die aus dem
Silberrückenmann Mishebere, 16 Frauen, 1 Schwarzrücken, 6 Subadulten
und 15 Jungtieren bestand. Die Parkmitarbeiter versuchten, auch diese
Familie weiter zu beobachten; allerdings wurde schnell klar, dass dies
trotz der Zusicherungen der Kriegsparteien zu riskant war. Daher riss
der Kontakt zwischen Januar und Mai 2003 ab.
Nachdem die Kriegsparteien den Park verlassen hatten, begannen die Parkmitarbeiter
sofort mit der Suche nach der Gorillafamilie. Am 12. August 2003 dann
der traurige Fund: Unter einem Baum auf dem Kakungu-Hügel entdeckten
Wildhüter die Knochen von Mishebere. Einige Haare und die Zähne
machten eine Identifikation möglich. Untersuchungen der Parkangestellten
ergaben, dass er im Februar 2003 in der Nähe der Straße nach
Kabona angeschossen wurde, aber nicht sofort an der Verletzung starb.
Die Täter waren offenbar keine professionellen Wilderer, da sie das
Tier einfach liegen ließen.
Die Parkmitarbeiter versuchen nun, die anderen Mitglieder der Gruppe zu
finden. Vermutlich hat ein Teil der Tiere zu anderen Gorillagruppen gewechselt,
denn bei einigen Familien wurde eine Zunahme der Nester beobachtet. Um
allerdings genau sagen zu können, wie viele Tiere der Mishebere-Familie
überlebt haben, müssen weitere Untersuchungen folgen.
Obwohl inzwischen eine Übergangsregierung eingesetzt wurde, ist die
Sicherheit im Kahuzi-Biega-Nationalpark noch keineswegs gewährleistet.
Die Wildhüter werden sich trotzdem weiterhin für den Schutz
der übrigen Gorillas einsetzen. Schön wäre es, wenn sie
dabei Unterstützung von den Verantwortlichen der Demokratischen Republik
Kongo bekämen.
Bernard Iyomi Iyatshi und Carlos Schuler
Bernard Iyomi Iyatshi ist seit August 2002 Konservator
des Kahuzi-Biega-Nationalparks. Bevor er 1990 in Kahuzi-Biega begann,
hatte er bereits in mehreren anderen Nationalparks und in der ICCN-Zentrale
gearbeitet.
Carlos Schuler war zunächst Setzer, danach Windsurf- und Skilehrer.
1983 besuchte er Bukavu, zwei Jahre später kam er zurück und seit 1994
arbeitet er dort für die GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit).
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