Gorilla-Journal 27, Dezember 2003
Mengamé
An der Grenze von Kamerun zu Gabun wurde vor kurzem ein neues Schutzgebiet
geschaffen, das noch in einem naturnahen Zustand ist und viele interessante
Tier- und Pflanzenarten beherbergt: das Mengamé-Gorillareservat
(Sanctuaire à Gorilles de Mengamé). Ein 2002 angelaufenes
Forschungsprogramm des Jane-Goodall-Instituts (JGI) lieferte nach
15 Monaten Bestandsaufnahme nun erste Daten zur Flora und Fauna des 100 000
ha großen Gebietes. Zusätzlich erhob das Institut in 30 Dörfern
rund um das Reservat Daten zur Art und Intensität der Nutzung dieses
Gebiets.
Nach dieser Studie leben im Mengamé-Reservat schätzungsweise
1200 Gorillas und 200 Schimpansen. Die höchste Dichte fanden die
Forscher im südöstlichen Teil, der durch Sumpfwälder charakterisiert
ist. Dank der großen Distanz zu menschlichen Siedlungen und der
Unzugänglichkeit des Terrains wird nur wenig gejagt. Die Erhebungen
weisen deutlich darauf hin, dass die Bestandsdichte der Menschenaffen
mit zunehmender Entfernung zu menschlichen Siedlungen ansteigt und dort
am höchsten liegt, wo Menschen den Wald am wenigsten betreten. So
fehlen sie in Gebieten, die regelmäßig genutzt werden, durch
die Straßen oder andere menschliche Infrastruktur führen und
sie meiden Lärm.
Verschiedene Faktoren gefährden den Bestand der Gorillas und Schimpansen:
die Zerstörung und Zerschneidung von Lebensräumen durch landwirtschaftliche
Nutzung, die Jagd mit Fallen oder leichten Waffen, die Elefantenjagd mit
großkalibrigen Gewehren, die direkten und indirekten Folgen von
Holzeinschlag - großräumige Veränderung der Lebensräume
oder die Zunahme der Jagd entlang den Forststraßen.
Die gesammelten Daten zu Tieren, Pflanzen und Menschen im und um das Mengamé-Reservat
sollen die Basis für ein langfristig angelegtes Schutzkonzept liefern,
das die Bedürfnisse der lokalen Gemeinden entscheidend berücksichtigt.
Dabei ist das Ziel, wechselseitige Störungen von Mensch und Tier
weitgehend zu vermeiden. Zunächst soll ein Monitoring-System aufgebaut
werden. Das bedeutet, dass auf systematischen Patrouillen Gefahrenquellen
gesucht und die Entwicklung der Gorilla- und Schimpansenbestände
überwacht werden.
Zusätzlich zu den eigenen Aktivitäten hält es das JGI für
sehr wichtig, das Gefährdungspotential von menschlichen Krankheiten
wie Ebola für die Wildpopulationen zu untersuchen, um langfristig
ein wirksames Gesundheitsmanagement in die Schutzstrategien einzubinden.
Das Monitoring der Säugetiere, vor allem der Menschenaffen, soll
zudem Anhaltspunkte dafür liefern, wie man den Holzeinschlag in der
Region gezielt steuern kann und welche artenreichen Gebiete man besonders
schützen muss. Für diese beiden Projekte werden allerdings noch
kompetente Partner gesucht.
Die reiche Artenvielfalt und die Unberührtheit großer Teile
machen das Mengamé-Reservat zu einem einzigartigen Schutzgebiet.
Nach der Überzeugung des JGI lässt sich der Schutz von Gorillas
und Schimpansen aber langfristig nicht al-lein dadurch sichern, dass man
menschliche Aktivitäten aus dem Gebiet heraushält; man muss
die Interessen der lokalen Bevölkerung berücksichtigen und in
nachhaltige Nutzungskonzepte umsetzen.
Christina Ellis
Christina Ellis beschäftigt sich seit ihrer Studienzeit
mit dem Bushmeat-Handel in Kamerun. Seit 2000 arbeitet sie für das Jane-Goodall-Institut;
heute ist sie Direktorin des Afrika-Freilandprogramms und befasst sich
besonders mit Naturschutz in Zentralafrika, der sich auf die Bevölkerung
konzentriert.

Wer sich für die Ergebnisse der Menschenaffen- und Elefanten-Bestandsaufnahmen
interessiert, findet diese auf der JGI-Website
zu den Schutzgebieten und unseren Artikeln
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