Gorilla-Journal 27, Dezember 2003
Eine sichere Zukunft für die westlichsten Gorillas
Im Grenzbereich von Nigeria und Kamerun leben die Cross-River-Gorillas
- sie gelten als seltenste Gorilla-Unterart überhaupt. Im August
2003 trafen sich 25 Experten in Kamerun, um auf Grundlage neuester wissenschaftlicher
Erkenntnisse die bestehenden Schutzmaßnahmen fortzuentwickeln.
Seit der ersten internationalen Konferenz zur Erhaltung des Cross-River-Gorillas
im April 2001 haben staatliche Einrichtungen, nichtstaatliche Natur-schutzorganisationen
und Wissenschaftler ihre Aktivitäten unvermindert fortgesetzt: Die
Bestandszahlen, die Verbreitung und das Verhalten der gefährdeten
Gorilla-Unterart wurden erforscht, lokale Aufklärungsprogramme wurden
durchgeführt und Managementpläne ausgearbeitet.
Aktuelle Untersuchungen weisen darauf hin, dass es noch bis zu 280 Cross-River-Gorillas
gibt, also mehr als bisher angenommen. Zudem verteilt sich die Unterart
über ein größeres Gebiet als vermutet. Doch so ermutigend
diese Befunde sind - die einzelnen Gruppen sind leider stark isoliert
und das ist ein großes Problem bei der Sicherung ihrer Zukunft.
Das vorrangige Ziel der von der Wildlife Conservation Society (WCS)
und einigen anderen nationalen und internationalen Organisationen ausgerichteten
Konferenz war es, die neuesten Forschungsergebnisse auszutauschen, bestehende
Maßnahmen zu überprüfen und Empfehlungen zum Schutz der
seltenen Gorillas auszuarbeiten. Auch der nigerianische und der kamerunische
Umweltminister nahmen daran teil; dies unterstreicht die große Bedeutung,
die dem Treffen in den beiden Staaten zugemessen wurde.
Die Teilnehmer der Konferenz stellten eine Liste von Empfehlungen zusammen:
- Einrichtung einer grenzübergreifenden Takamanda-Okwangwo-Schutzzone
und Aufwertung des Status für das Takamanda-Waldreservat,
- Verstärkung der Naturschutzmaßnahmen und Verfolgung von
Gesetzesverstößen,
- Entwicklung von Landnutzungsplänen, vor allem im Hinblick auf
eine Vernetzung isolierter Areale,
- Fortsetzung und Ausweitung der Grundlagenforschung zur Ökologie,
Verbreitung und Populationsbiologie der Gorillas,
- Ausweitung der Umweltbildungsprogramme auf allen Ebenen,
- Einrichtung von Managementkomitees in Kamerun und Nigeria,
- Ausbau der Leistungsfähigkeit aller im Gorillaschutz tätigen
Institutionen beider Länder,
- Berücksichtigung der Bedürfnisse von Kommunen im Umfeld
der Schutzgebiete bei der Entwicklung von Managementstrategien, etwa
durch die Untersuchung von Möglichkeiten für alternative Einkommensquellen,
- Verstärkung der Zusammenarbeit aller Interessensgruppen,
- Einsetzen einer Arbeitsgruppe zur detaillierten Ausarbeitung der
Empfehlungen.
Diese Liste wurde von den beiden anwesenden Ministern unterzeichnet.
Ob die Empfehlungen tatsächlich umgesetzt werden, hängt allerdings
davon ab, dass die notwendigen Gelder zur Verfügung stehen. Bisher
ist die Finanzierung noch nicht geklärt.
Jacqueline L. Sunderland-Groves und John F. Oates
Jacqueline L. Sunderland-Groves begann 1997 ihre
erste Studie über die Gorillas des Takamanda-Reservats. Seit 2000 untersucht
sie die Cross-River-Gorillas in anderen Gebieten.
Prof. John F. Oates ist Professor für Anthropologie in New York.
Seit 1994 befasst er sich mit der Ökologie von Primaten der Tropenwälder.
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