Gorilla-Journal 27, Dezember 2003
Neues von der Bushmeat-Kampagne
Auf dem Weltwirtschaftsgipfel im Juni 2002 wurde von den G8-Staaten
ein Afrika-Aktionsplan beschlossen, dessen vorrangiges Ziel Friedensarbeit,
Bildung und Handel sind. Im Bericht vom Juni 2003 ist nur ein kleiner
Absatz dem Schutz gewidmet; er wird immer gleichzeitig mit Nutzung genannt.
Die auf dem Weltgipfel in Johannesburg von den USA und Südafrika
eingebrachte Kongobecken-Partnerschaft
sieht ebenfalls eine Bewirtschaftung der Ressourcen vor.
Eine weitere Deklaration guten Willens mit der Forderung nach finanzieller
Förderung ist AFLEG (African Forest Law Enforcement, Governance and
Trade), von 29 afrikanischen Regierungsvertretern, 8 europäischen
Ländern, der EU-Kommission, den USA und Kanada im Oktober 2003 beschlossen.
Ausdrücklich wird hierin Bezug genommen auf die Problematik der Waldzerstörung
und des illegalen Bushmeat-Handels, doch immer in Zusammenhang mit der
Weiterentwicklung der Forstwirtschaft und einer "nachhaltigen Nutzung
natürlicher Ressourcen".
Ob nachhaltige Nutzung tropischer Wälder tatsächlich möglich
ist, wird von vielen Wissenschaftlern bezweifelt. Das liegt auch an der
Konzeption, die auf theoretischer Ökonomie basiert und nicht mit
ökologisch-dynamischen Prozessen gleichzusetzen ist - diese unterliegen
vielfältigen Einflussfaktoren und sind daher nicht langfristig vorhersagbar.
Die Kongobecken-Partnerschaft arbeitet mit einem Budget von derzeit 100
Mio. Euro zuzüglich der jeweils laufenden Projekte (EU: nochmals
150 Mio. Euro). Das deutsche BMZ
(Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit) gibt
jährlich weltweit 125 Mio. Euro in Waldschutz- und -nutzungsprojekten
aus. Nur 10% der jährlich weltweit eingesetzten Entwicklungshilfe-Gelder
würden nach einer Studie ausreichen, Wildhüter zu bezahlen und
Schutzmaßnahmen für die bestehenden Schutzgebiete zu sichern.
Auf dem Weltgipfel in Johannesburg erklärte der Öko-Finanzexperte
Sheldon Cohen, dass pro Jahr 33 Milliarden US-$ notwendig wären,
um die 12% der festen Erdoberfläche, die derzeit unter Schutz stehen,
auf eine sichere finanzielle Basis zu stellen, aber derzeit stehen nur
6,5 Mrd. US-$ zur Verfügung. Vielleicht sollten einfach einmal die
Kosten eines Deklarationstreffens eingespart und direkt in effektiven
Naturschutz gesteckt werden...
Mehrere Initiativen (EAZA
- auch durch uns unterstützt -, IFAW,
die Zoological Society of London und die Firma Ciel) haben
sich zur Europäischen Bushmeat-Kampagne zusammengefunden, die das
Bushmeat-Problem auf einer global-politischen Ebene ansprechen will, so
bei der Weltbank
und im AFLEG-Prozess. Die EAZA-Bushmeat-Kampagne, die auf EU-Ebene angesiedelt
ist, verzeichnet mittlerweile tatsächlich Fortschritte: Es liegt
ein Resolutionsvorschlag vor, der auch vom EU-Komitee für Entwicklung
kommentiert und unterstützt wurde. Die Resolution
soll am 14. Januar 2004 vom EU-Petitionskommitee verabschiedet werden.
Und wieder bleibt nur zu hoffen, dass aller Bürokratie und schriftlichen
Willensbekundung auch Taten folgen - wozu übrigens jeder beitragen
kann: als Konsument, als Spender, als Steuerzahler, als Wähler!
Iris Weiche
Iris Weiche war von Mai 1997 bis März 2002
im Vorstand der Berggorilla & Regenwald Direkthilfe. Die Biologin
und Geografin arbeitet seit 1990 mit Affen, seit 1994 vor allem über
das Verhalten von Gorillas in Zoos.
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