Gorilla-Journal 26, Juni 2003
Ein Opfer der Konflikte
Seit Beginn der bewaffneten Auseinandersetzungen im Kongo hat sich die
Situation für die Gorillas massiv verschlechtert. Die Wildhüter
des Virunga-Nationalparks wurden entwaffnet und können die Tiere
nicht mehr wirksam beschützen. Einige Gorillas sind versehentlich
ins Kreuzfeuer gegnerischer Truppen geraten und im Kugelhagel gestorben.
Gorillababys können für viel Geld verkauft werden, aber um sie
zu fangen, werden meist zahlreiche Mitglieder ihrer Familie getötet.
Auch der Lebensraum der Gorillas wird ständig kleiner, sodass die
Tiere immer häufiger gezwungen sind, den Wald zu verlassen und ihre
Nahrung auf den Feldern der Bauern zu suchen. Dass dies tödliche
Folgen haben kann, zeigt die Geschichte des Gorillajungen Bahati.
Bahati war 4 Jahre alt und gehörte zur Rugendo-Gruppe. Am 21. Januar
2003 plünderte diese Gruppe Maisfelder bei Bikenge am Rand des Virunga-Nationalparks.
Die Bauern versuchten, die Tiere zu vertreiben, indem sie sie mit Holzstücken
und Steinen bewarfen. Bahati wurde dabei so schwer verletzt, dass er starb.
ICCN-Mitarbeiter fanden die Schuldigen und übergaben sie einem Gericht
in Goma. Die Männer wurden dort verhört und nach einigen Tagen
wieder freigelassen, da ihre Tat nicht geplant war und sie nur ihren Besitz
verteidigen wollten.
Um solche Zwischenfälle zu vermeiden, hat das IGCP ein Projekt namens
HUGO (Human-Gorilla Conflict Force) initiiert. Es soll der Bevölkerung
zeigen, wie sie die Gorillas auch ohne Gewaltanwendung von ihren Feldern
vertreiben kann durch viel Lärm mit Glocken und Trommeln.
Auch für die anderen Affen der Region ist die Situation kritisch.
Neben der Bedrohung durch den Verkauf von Affenfleisch stellt der Handel
mit lebenden Tieren eine große Gefahr für das Überleben
der Arten dar. Auf dem Markt in Goma werden vor allem junge Schimpansen,
aber auch andere Affen zum Kauf angeboten. Im April 2003 wurden 3 illegal
gehaltene Schimpansen von Mitarbeitern des ICCN beschlagnahmt. Die Tiere
wurden nach Lwiro zur neuen Waisenstation für
Menschenaffen gebracht und sollen dort auf ihre Auswilderung vorbereitet
werden.
Claude Sikubwabo Kiyengo, Déo Kajuga Binyeri
Claude Sikubwabo Kiyengo studierte Biologie an
der Universität Kisangani, Zaire. 1987 begann er als wissenschaftlicher
Assistent im Ituri-Projekt von John und Terese Hart. Von 1989-1992 untersuchte
er die Verbreitung der Gorillas im Maiko-Nationalpark, und 1994 nahm er
an der Gorilla-Bestandsaufnahme im Kahuzi-Biega-Nationalpark teil. Ab
1995 arbeitete er als Forschungs-Attaché für die Nationalparkbehörde
IZCN/ICCN (Institut Congolais pour la Conservation de la Nature)
in Goma, danach für das Peace Parks Project, ebenfalls in
Goma, für die IUCN und heute wieder für das ICCN.
Déo Kajuga Binyeri hat mehrere Stationen geleitet und ist heute
Direktor des ICCN in Nordkivu.
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