Gorilla-Journal 26, Juni 2003
Dialog-Komitees
Im Virunga-Nationalpark muss dringend der Dialog zwischen Parkmitarbeitern
und der Bevölkerung in Gang gebracht werden. So will man gemeinsame
Lösungen für den Schutz des Parks finden.
Die Zerstörung der natürlichen Ressourcen des Parks durch die
Bevölkerung hat ihre Ursache in der großen Armut der Menschen
durch die andauernden kriegerischen Auseinandersetzungen im Kongo. Die
Bevölkerung ist an den Einkünften des Parks bisher nicht beteiligt
und zum Teil misstrauisch gegenüber der Parkverwaltung eingestellt.
Einige Kriegsherren, die von den chaotischen politischen Verhältnissen
profitieren, ermutigen die Bevölkerung außerdem zur Ausbeutung
des Parks.
Im Jahr 2000 wurde das länderübergreifende IUCN-Projekt "Parks
für den Frieden" (Peace-Parks-Projekt, PPP) ins Leben
gerufen. Sein Ziel ist es, in Kongo, Ruanda und Burundi ein Netz geschützter
Gebiete zu schaffen und die Lebensbedingungen der Bevölkerung zu
verbessern, ohne die natürlichen Ressourcen zu zerstören.
Eine zentrale Maßnahme für den Naturschutz in diesem Projekt
ist die Einrichtung von Dialog-Komitees. Diese sollen Gespräche zwischen
Parkverwaltung und Bevölkerung initiieren und eine nachhaltige Entwicklung
fördern. Die lokalen Gruppen des Komitees treffen sich monatlich
oder bei Bedarf auch häufiger, um die Probleme zwischen Nationalpark
und Bevölkerung aufzulisten, gemeinsam nach geeigneten Lösungen
zu suchen und Aufklärungsarbeit zu leisten.
Bisher wurden mit Unterstützung des PPP Dialog-Komitees in Jomba,
Kibirizi und Sake gegründet. Die Berggorilla & Regenwald Direkthilfe
und der Zoo Basel haben dem Komitee
in Jomba (Südteil des Parks) Büromaterial, Ausrüstung (Regenmäntel,
Stiefel), Kommunikationsmittel und kleinere Agrarprojekte finanziert.
In Jomba führen zurzeit 32 aktive Mitglieder Aktionen zur Aufklärung
der Bevölkerung durch und bewachen die Felder der Bauern, um sie
vor Zerstörung durch Wildtiere zu schützen. Außerdem wurden
über 100 Gruben zugeschüttet, die die Bauern zum Schutz ihrer
Felder angelegt hatten. Diese Gruben werden häufig zu tödlichen
Fallen für Gorillas und andere Wildtiere. Auch in einem anderen Bereich
war das Dialog-Komitee erfolgreich: Es hinderte in Bunagana Wildtierhändler
mehrmals daran, Gorillababys zu erwerben.
Nach dem erfolgreichen Start des Komitees in Jomba wurden mit den Spendengeldern
aus dem Zoo Basel inzwischen auch in Bweza, Gisigari und Kibumba Dialog-Komitees
gegründet.
Claude Sikubwabo Kiyengo, Déo Kajuga Binyeri
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Oben: Mitglieder des Dialog-Komitees von
Jomba
Links: Kaninchenzüchter, die vom Dialog-Komitee
unterstützt werden
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| Fotos: Claude
Sikubwabo |
Claude Sikubwabo Kiyengo untersuchte Gorillas im
Maiko- und im Kahuzi-Biega-Park. Ab 1995 arbeitete er als Forschungs-Attaché
für die Nationalparkbehörde IZCN/ICCN (Institut Congolais
pour la Conservation de la Nature) in Goma, danach für das Peace
Parks Project, ebenfalls in Goma, für die IUCN und heute wieder
für das ICCN.
Déo Kajuga Binyeri hat mehrere Stationen geleitet und ist heute
Direktor des ICCN in Nordkivu.
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