Gorilla-Journal 25, Dezember 2002

Mikeno-Gorillas

Über die Berggorillas des Mikeno-Sektors im Virunga-Nationalpark hat Claude Sikubwabo Kiyengo bereits 1995 und 1998 berichtet. Hier die Fortsetzung ihrer Geschichte.
Seit 1995 sind zahlreiche Berggorillas im kongolesischen Teil der Virungaberge gestorben, einige infolge militärischer Operationen, andere, weil sie versuchten, ihre Jungtiere vor Wilderern zu schützen.
1995: Wilderer töteten den Silberrückenmann Rugabo und zwei weibliche Gruppenmitglieder, um ein Gorillakind zu fangen. Es konnte später konfisziert und wieder in die Gruppe eingegliedert werden. Der Silberrücken Luwawa kam bei einem ähnlichen Zwischenfall ums Leben.
1997: Der Silberrückenmann Ndungutse geriet in ein Kreuzfeuer und wurde zusammen mit drei anderen Gorillas getötet. Viele Mitglieder der Familie sind seither verschwunden.
1998: Zwei junge Gorillas der Lulengo-Familie wurden in der Nähe von Jomba getötet.
2001: Der Silberrücken Rugendo starb im Kugelhagel zweier gegnerischer Armeen.
Im ruandischen Teil der Virungavulkane wurden ein oder zwei Gorillas von Milizen umgebracht und verzehrt. Im Mai 2002 kamen zwei Mütter der Suza-Familie ums Leben, als Wilderer versuchten, ihre Kinder zu fangen (siehe S. 6).
Im Dezember 1994 ergab eine Zählung im kongolesischen Teil der Virungaberge 7 habituierte Gorillafamilien mit insgesamt 96 Tieren. Bis März 1995 wuchs ihre Zahl sogar auf 103. Durch die vielen Verluste infolge kriegerischer Auseinandersetzungen und durch Wilderei war die Zahl der Gorillas allerdings im März 1998 auf nur noch 66 Tiere gesunken. Zwischen 1998 und 2002 nahm der Bestand aber glücklicherweise wieder auf 86 Tiere zu (s. Tabelle).
Die Lulengo-Familie steht kurz vor ihrer kompletten Auflösung. Alles begann mit dem Tod des Silberrückenmanns Rugabo durch Wilderer im Jahr 1995. Danach führte eine alte Gorillafrau die Familie, bis der Schwarzrückenmann Lulengo die Leitung übernahm. Im August 1998 griff ein wilder Silberrücken Lulengo an. Die Auseinandersetzungen zwischen den beiden Gorillamännern dauerten 15 Tage. Der wilde Silberrücken Mapua bildete anschließend mit einer jungen Frau und einem juvenilen Tier eine neue Gruppe. Eine Mutter mit Kind und ein subadulter Mann wechselten wenig später ebenfalls zu Mapua. Im September 1998 wurden zwei Jungtiere der Lulengo-Familie erschossen. Die letzte Frau verließ die Gruppe im Oktober. Zu diesem Zeitpunkt bestand sie nur noch aus Lulengo, inzwischen ein Silberrücken, und 4 jüngeren Männern. Im Februar 2002 verließen 2 davon, Pilipili und Karema, die Gruppe und wurden zu Einzelgängern. Vermutlich werden auch die letzten beiden Schwarzrückenmänner Lulengo verlassen, sobald sie alt genug sind.
Die Munyaga-Gruppe scheint ein ähnliches Schicksal vor sich zu haben. Sie entstand dadurch, dass Munyaga die Familie übernahm, als der Schwarzrücken Buhanga nach einem schweren Kampf mit dem Silberrücken Kabirizi im Februar 1998 sehr geschwächt war. Bei Auseinandersetzungen zwischen März 1998 und Dezember 1999 verließen insgesamt 6 Mitglieder die Munyaga-Gruppe. Im Mai 2002 bestand sie noch aus dem Silberrücken, 2 Schwarzrücken, 2 subadulten Tieren und einem Juvenilen.
Die Mapua-Familie, die im August 1998 nach Auseinandersetzungen zwischen dem wilden Silberrücken Mapua und Lulengo entstand, besteht zurzeit aus dem Silberrückenmann und einigen weiblichen Tieren mit ihren Kindern.
Die Kabirizi-Familie ging aus der Ndungutse-Gruppe hervor. Sie zählt aktuell 31 Tiere, darunter 13 Frauen und 12 Jungtiere.
Diese Entwicklungen in den Gorillafamilien scheinen die Hypothese zu stärken, dass die Anzahl der Gorillafrauen in einer Gruppe deren Stabilität bzw. den Zeitpunkt ihrer Auflösung beeinflusst.

  März 98 Dez. 1998 Dez. 1999 Dez. 2000 Dez. 2001 Mai 2002
Kwitonda
10
12
10
11
12
13
Mapua
-
3
7
7
9
9
Lulengo
11
5
5
5
3
4
Rugendo
18
9
11
11
7
8
Kabirizi
11
14
19
27
27
31
Munyaga
12
12
6
6
6
6
Humba
-
10
9
9
9
11
Einzelne Männer
4
4
4
4
5
4
Insgesamt
66
69
71
80
78
86

Déo Kajuga Binyeri, Déo Mbula Hibukabake, Claude Sikubwabo Kiyengo

Déo Kajuga Binyeri hat mehrere Stationen geleitet und ist heute Direktor des ICCN in Nordkivu.
Déo Mbula Hibukabake ist Leiter der Abteilung für Technik und Forschung des ICCN in Goma.
Claude Sikubwabo Kiyengo untersuchte Gorillas im Maiko- und im Kahuzi-Biega-Park. Ab 1995 arbeitete er als Forschungs-Attaché für die Nationalparkbehörde IZCN/ICCN (Institut Congolais pour la Conservation de la Nature) in Goma, danach für das Peace Parks Project, ebenfalls in Goma, für die IUCN und heute wieder für das ICCN.

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