Gorilla-Journal 25, Dezember 2002
Aktuelle Ereignisse in Kahuzi-Biega
In Kahuzi-Biega wurden mit dem Kriegsausbruch die Arbeitsbedingungen
für die Nationalpark-Mitarbeiter sehr schwierig. Trotzdem gehen Patrouillen
und Schutzmaßnahmen, Schulungen für Parkangestellte und Projekte
zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerung im Parkumfeld
weiter.
Seit 14. August 2002 ist der Posten Kasirusiru, der aus Sicherheitsgründen
1996 verlassen wurde, besetzt. Die Station Lemera wird ebenfalls bald
wieder bewacht sein. Verhandlungen mit den lokalen Chefs über die
Wiederbesetzung der Stationen Nzovu und Itebero sind im Gange. Auch der
Posten Mugaba und das Camp Tshivanga mit 15 Häusern und einem Gesundheitszentrum
sind wieder in Betrieb.
In Bukavu wurden in einer Kampagne die illegal gehaltenen Wildtiere gezählt.
Das Ergebnis: 239 Papageien, 94 kleine Affen, 3 Schimpansen, 2 Paviane,
2 Adler, 4 Schildkröten und 2 Antilopen. 44 Wilderer konnten verhaftet
und 12 lebende Schimpansen sowie 40 kg geräuchertes Affenfleisch
beschlagnahmt werden. Die Parkmitarbeiter fanden außerdem unzählige
Metallschlingen, Macheten und Äxte.
Neben dem Kampf gegen die Wilderei sind Projekte zur Sensibilisierung
der Bevölkerung im Umfeld des Parks ein wichtiger Schwerpunkt unserer
Arbeit. Mit den Anwohnern wurden Gespräche über den Schutz der
Parkressourcen und über geplante Aktivitäten zur Verbesserung
ihrer Lebensbedingungen geführt. Die Parkmitarbeiter organisierten
7 Theateraufführungen und 32 Radiosendungen zum Thema "Schutz
des Kahuzi-Biega-Nationalparks" und versuchten auf diese Weise, Interesse
für Alternativen zur Nutzung der Parkressourcen zu wecken. Auf kleinen
Märkten in Miti, Katana, Kavumu und Murhesa wurde die Verwendung
verbesserter Kochstellen demonstriert, die Energie sparen helfen und damit
den Druck auf die Wälder des Nationalparks verringern.
18. November: Am 3. Oktober kurz nach dem Abzug der ruandischen
Truppen installierten sich ca. 300 Mai-Mai-Soldaten in Tshivanga.
Nach positiven Diskussionen konnten Patrouillen und Gorillabesuche sofort
weitergeführt werden. Am 14. Oktober um 5.30 Uhr eroberten RCD-Soldaten
die Station in heftigen Kämpfen zurück. Glücklicherweise
kamen dabei keine Parkmitarbeiter zu Schaden und die Infrastruktur der
Station blieb unbeschädigt.
Seither ist das Gebiet, in dem drei Gorillafamilien ihre Nahrung in den
Bambuswäldern suchen, von vielen Militärposten (RCD-Rebellen
und Mai-Mai) eingezingelt, Patrouillen und Gorillabeobachtungen sind eingestellt.
Bei sofortigen Besuchen und Verhandlungen gaben beide Kriegsparteien die
Zusicherung, die Flora und Fauna zu schützen. Bisher fiel kein Schuss.
Die Anstrengungen des Projekts in den letzten Jahren, alle Kriegsparteien
und die Bevölkerung zu sensibilisieren, scheinen nicht umsonst gewesen
zu sein. Mündliche Zusagen zur Wiederaufnahme der Arbeit bestehen
bereits, wir versuchen diese Abmachungen nun auch schriftlich zu erhalten.
Unsere politisch-neutrale Position wurde von allen Parteien anerkannt,
was uns in Zukunft Vorteile für die Arbeit zum Schutz des Nationalparks
bringen wird.
Bernard Iyomi Iyatshi und Carlos Schuler
Bernard Iyomi Iyatshi ist seit August 2002 Konservator
des Kahuzi-Biega-Nationalparks. Bevor er 1990 in Kahuzi-Biega begann,
hatte er bereits in mehreren anderen Nationalparks und in der ICCN-Zentrale
gearbeitet.
Carlos Schuler war zunächst Setzer, danach Windsurf- und Skilehrer.
1983 besuchte er Bukavu, zwei Jahre später kam er zurück und seit 1994
arbeitet er dort für die GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit).
zur Kahuzi-Biega-Übersicht
Homepage |