Gorilla-Journal 23, Dezember 2001

Weiter Probleme in Kahuzi-Biega

Der Preisverfall von Coltan-Erzen lässt für den Nationalpark Positives hoffen, denn der lukrative Rohstoffabbau hatte das Schutzgebiet massiv bedroht. So hielten sich zu Anfang des Jahres etwa 15 000 Menschen im Park auf, um die Coltan-Vorkommen in in 69 Minen auszubeuten (mehr dazu). Mittlerweile ist die Nachfrage jedoch weitgehend zusammengebrochen (mehr dazu). Seitdem wurden im Tieflandteil des Parks zwei Minen geschlossen, der regionale Flugverkehr nahm ab und die Anzahl der Fremden im Gebiet verringerte sich.
Die lokale Bevölkerung und die bewaffneten Gruppen, die sich während des Coltan-Booms im Park angesiedelt hatten, leben jedoch immer noch dort. Sie suchen jetzt nach alternativen Einkommensquellen. So hat sich der Abbau von Gold in der Region intensiviert. Dies scheint den Coltan-Abbau zu ersetzen.
Auch die Ausbeutung der Tier- und Pflanzenwelt nimmt ständig zu. Eine Bedrohung für den Park sind illegaler Ackerbau, die Abholzung des Regenwalds und die Fischerei mit Methoden, die die Gewässer dauerhaft schädigen.
Der Handel mit lebenden Tieren hat sich ebenfalls verstärkt. In Bukavu sollen mehrere Gorillababys, Schimpansen und Papageien von Privatleuten gehalten werden. Allerdings wird nirgends mehr Elefantenfleisch angeboten. Es ist zu befürchten, dass die Elefanten des Tieflandteils das gleiche grausame Schicksal getroffen hat wie die in der Bergregion. Zwischen 1997 und 1999 wurden sie alle getötet (mehr dazu).
Da die Menschen, die sich noch im Park aufhalten, wissen, dass sie früher oder später vertrieben werden, versucht jeder so viel wie möglich und alles in irgendeiner Weise Verwertbare aus dem Park mitzunehmen. Sie legen Vorräte an, um sie nach ihrer Vertreibung verkaufen zu können. Diese massive Ausbeutung der natürlichen Ressourcen stellt zurzeit die größte Bedrohung für die Tier- und Pflanzenwelt des Kahuzi-Biega-Parks dar. Es ist daher dringend notwendig, die im Nationalpark lebenden Menschen umzusiedeln und ihnen gleichzeitig die notwendige Unterstützung für ein Leben ohne Ausbeutung der Parkressourcen zu geben.
Die illegalen Verträge zur Landnutzung im Bereich des Korridors zwischen den beiden Parkteilen, die an 12 Bauern vergeben wurden, sind annulliert. Damit wurde das ICCN endlich in seinen Rechten bestätigt. Ein Problem bleibt allerdings bestehen: Vier Bauern hatten bereits ihre Registrierungsurkunden erhalten. Die Annulierung muss nun vor dem Gericht in Bukavu verhandelt werden. Von dort ist aber seit einem Jahr keine Stellungnahme zu bekommen.

Gorillastatistik

Im Bergteil des Kahuzi-Biega-Nationalparks sind zwei Gorillababys geboren worden. Insgesamt leben dort heute schätzungsweise 130 Gorillas. In den zwei habituierten Gorillafamilien Mugaruka und Mishebere sind es zusammen 52 Tiere.
Die Freude über den Gorilla-Zuwachs wird jedoch von der Trauer über die hohen Verluste überschattet. Nach Schätzungen von Ian Redmond werden von den ehemals 8000 Grauergorillas im Park nur rund 500 den Krieg überstehen.

Das Kahuzi-Biega-Projektteam

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