Gorilla-Journal 23, Dezember 2001

Sinken der Coltan-Preise

Nach alarmierenden Nachrichten über den illegalen Abbau von Bodenschätzen im Osten der Demokratischen Republik Kongo (mehr dazu) hat sich die Lage mittlerweile etwas entspannt.
Ein Boom auf dem Technologiesektor hatte die Weltmarktpreise für Tantal-Erze (Coltan) Anfang des Jahres auf Spitzenwerte von bis zu 100 US-$ pro Kilogramm klettern lassen. Die weltweite Branchenkrise hat die Coltan-Nachfrage deutlich abgekühlt und ließ die Weltmarktpreise seit Juni drastisch fallen. Zur Zeit kostet ein Kilogramm zwischen 1 und 10 US-$, abhängig vom Tantalgehalt des Erzes. Zusätzlich wurde in Australien der Abbau des Minerals verstärkt und die Industrie bezieht nun ihre Rohstoffe vermehrt von dort. Naturschutz- und Menschenrechts-Gruppen hatten zu einem Boykott von Bodenschätzen aus dem kongolesischen Kriegsgebiet aufgerufen.
Auch wenn die Preise stark gesunken sind, geht der Coltan-Abbau weiter. Für die Bewohner der Region ist das Coltan-Schürfen mit bloßen Händen lukrativer als die Landwirtschaft. Der Handel mit dem Erz ist noch immer ein gutes Geschäft.
Die Gewinne aus dem Coltan-Abbau im Ostkongo stellten die Haupteinnahmequelle der Rebellenbewegung RCD dar, die ein Großteil der Region kontrolliert. Nach dem Sinken der Gewinne sind die Rebellen, die ihren Krieg damit finanziert hatten, gezwungen, andere Geldquellen zu suchen. So verlangen sie neuerdings hohe Steuern und Abgaben von humanitären Organisationen, die in der Krisenregion der Bevölkerung zu helfen versuchen und drohen damit, die Hilfslieferungen bis zu Bezahlung der geforderten Summen zu beschlagnahmen.

Die belgische Organisation IPIS (International Peace Information Service) veröffentlichte am 14. Januar 2002 einen neuen Bericht mit dem Titel "Supporting the War Economy in the DRC: European Companies and the Coltan Trade". Einen Bericht über das Coltan-Problem gibt es auch vom Pole-Institut in Goma.

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