Gorilla-Journal 22, Juni 2001
Coltan-Abbau bedroht Kahuzi-Biega
Bodenschätze bilden die Wirtschaftsgrundlage des Kongo; Kivu und
Katanga sind die rohstoffreichsten Regionen. Bei der Förderung von
Kobalt-Erzen und Industriediamanten nimmt das Land weltweit einen führenden
Platz ein. In jüngster Zeit ist jedoch ein ganz anderer Rohstoff
in den Vordergrund gerückt: Coltan.
Dieses Erz enthält die seltenen Metalle Tantal und Niob. Tantalpulver
dient zur Herstellung von Elektrolyt-Kondensatoren, die z. B. in Handys
und Computern eingesetzt werden. Die stark gestiegene Nachfrage bei elektronischen
Geräten führte zu einer Vervielfachung des Weltmarktpreises
für Tantal in den letzten Jahren.
Große Coltanvorkommen befinden sich im Osten des Kongo. Sie werden
vor allem in kleinen Minen ausgebeutet - auch im Kahuzi-Biega-Nationalpark,
wo sich über 10 000 Menschen aufhalten sollen. Da die Bevölkerung
völlig verarmt ist, haben viele Männer ihre Dörfer und
Felder aufgegeben und leben von der Suche nach Coltan. Die Sicherheit
der Minen ist katastrophal, immer wieder kommt es zu Einstürzen von
Stollen mit vielen Toten.
Die Menschen im Park ernähren sich von Wildfleisch, auch von Gorillas,
Schimpansen und Elefanten. Gab es vor Beginn der Kriege schätzungsweise
8000 Gorillas im Park, so wird befürchtet, dass ihre Zahl inzwischen
auf etwa 1000 gesunken ist.
Der Ostkongo wird von Rebellen beherrscht, die sich über den Coltanhandel
finanzieren. Die Rebellenbewegungen und die Armee Ruandas kämpfen
um die Bergbaugebiete. Dies stellte die UN im April in ihrem Untersuchungsbericht
zur Illegalen Ausplünderung der Reichtümer des Kongo fest. Ian
Redmond verfasste einen ausführlichen Bericht zur Bedrohung des Kahuzi-Biega-Nationalparks
durch den Abbau dieses Erzes, der im Internet
verfügbar ist.
Klaus Griegel (ergänzt von Heidi Wunderer)
Mittlerweile hat sich die Situation entspannt (mehr dazu hier).

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